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Foto © Christoph Krey

Fauler Zauber

DER STURM
(William Shakespeare)

Besuch am
16. Juni 2018
(Premiere)

 

Shake­speare-Festival Neuss, Globe-Theater

Einen Monat dauert das Shake­speare-Festival in Neuss. In vier Wochen muss man sich schon eine Menge einfallen lassen, um das Publikum bei Laune zu halten. Eines der bewährten Mittel von Rainer Wiertz, dem Künst­le­ri­schen Leiter des Festivals, ist der Wechsel. Gab es am Freitag­abend noch ein außer­ge­wöhn­liches Konzert, ist es am Samstag­abend schon das ganz große Theater. Na ja, oder zumindest Theater. Jeden­falls wird der Spannungs­bogen wohldo­siert aufrecht­erhalten. Und wer den Sturm von William Shake­speare auf das Programm setzt, geht immer ein Risiko ein. Es hat viele Versuche gegeben, dieses Fantasie-Spektakel auf die Bühne zu heben, bis hin zum Ballett in Gelsen­kirchen. Zu reizvoll scheint der Gedanke, all die Magie, Liebe und Staats­räson von The tempest, so der Titel im Original, theatra­lisch zu verwirklichen.

Wiertz hat in diesem Jahr Die Theater­achse einge­laden, nach eigenen Angaben eine profes­sio­nelle, freie Theater­gruppe aus Salzburg, die Regisseur, Musiker und Autor Matthias Schuh je nach Bedarf besetzt. Mit fünf Schau­spielern und der eigenen Tochter will Schuh das Publikum in den Bann ziehen, für den Shake­speare alle möglichen Fantasie-Rollen erfunden hat. Neben der Rollen­ver­teilung liegt die Kunst bei diesem Stück wohl vor allem im Strich. Man kann eine dreistündige Fassung ebenso auf die Bühne bringen wie eine zweistündige. Die Theater­achse will es in deutlich weniger als zwei Stunden schaffen. Mit 100 Minuten ist die Auffüh­rungs­dauer angegeben. Das führt immer scharf an die Grenze der Verständ­lichkeit der Handlung. Aber das ist nicht das Problem der Insze­nierung. Sie hat aber ein Problem. Und es dauert eine Weile, bis man versteht, wo es liegt.

POINTS OF HONOR

Musik



Schau­spiel



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Im Tournee-Theater ist wenig Platz für Bühne. Schuh beschränkt sich deshalb auf einen großen Block, der in der Bühnen­mitte Platz findet, davor eine überdi­men­sionale Kiste, ein paar Requi­siten. Das ist wenig, ein bisschen nüchtern, aber es reicht, um die Handlung darzu­stellen. Umso fanta­sie­voller sind die Kostüme von Rafaela Wenzel. Von bezau­bernder Leich­tigkeit das Kleid, das Ariel trägt. Gekonnt typisierend die übrigen Gewänder. Und wirklich einfalls­reich das Ganzkör­per­kondom von Caliban, das schnelle Rollen­wechsel ermög­licht, ohne dem „Mondkalb“ von seiner Hässlichkeit zu nehmen. Insgesamt versucht das Stück, sich modern und zeitgemäß zu präsen­tieren, ohne die zahlreichen Zauber zu verderben. Im merkwür­digen Gegensatz dazu stehen die alter­tüm­lichen Redewen­dungen, die in den Shake­speare-Überset­zungen begründet liegen. Da hat Schuh der Mut zur Moder­ni­sierung der Sprache gefehlt. So bleibt das Werk in Antiquität, Langat­migkeit und Lange­weile verhaftet, so sehr sich die Schau­spieler auch um eine moderne Fassung bemühen.

Foto © Christoph Krey

Trotz einiger Haspler überzeugt das Ensemble auf ganzer Linie, sofern es der Text und die Striche zulassen. Victoria Morawetz ist der Stern des Abends. Bezau­bernd im Wortsinn als Luftgeist Ariel, rollen­be­dingt ein wenig blass als Königin von Neapel. Ute Hamm spielt beherzt die vor allem hintenraus inkon­sis­tente Rolle des Caliban und gefällt als Antonia, Prosperos Schwester. Prospero selbst, recht gewichtig von Peter Malzer vorge­tragen, der nebenbei noch den Bootsmann spielt, verliert angesichts der überflüssig antiquierten Sprache. Wolfgang Kandler hat die schwie­rigen Rollen vom Sohn der neapo­li­ta­ni­schen Königin und Stephano zu verge­gen­wär­tigen. Und schließlich muss Larissa Enzi mit viel Engagement gleich drei Rollen übernehmen: Die unglaub­würdige Miranda, Trincula und einen Geist. Unein­ge­schränkt begeistert Tamina Schuh, die Tochter des Regis­seurs, mit ihrem Trompetenspiel.

Zwischen­durch werden neben ein paar gesun­genen Liedern auch Töne und Erzähl­stimmen vom Band eingespielt.

All das ist so ordentlich gemacht, dass das Publikum im ausver­kauften Haus begeistert applau­diert. Das bislang gezeigte Niveau erreicht die Aufführung trotz der großar­tigen Schau­spie­le­rinnen nicht.

Michael S. Zerban

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