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Foto © O-Ton

Langwierige Eifersucht

KREUTZERSONATEN
(Ludwig van Beethoven, Lew Tolstoi)

Besuch am
25. September 2018
(Einmalige Aufführung)

 

Festival Alte Musik Knecht­s­teden, Kreis­museum Zons

Das Festival Alte Musik Knecht­s­teden läuft, und es läuft gut. Trotz des Arbeits­auf­wandes wirken alle entspannt, die ersten Auffüh­rungen verliefen erfolg­reich und mittler­weile spielt auch das Wetter einiger­maßen mit. An diesem Abend bleibt die Basilika im Kloster verschlossen. Es geht in den Konzertsaal des Kreis­mu­seums Zons. Ein schlauch­för­miger Raum, der mit margi­naler Licht­technik ausge­stattet ist und die Sammlung der Wandbe­hänge von Walter Hahn beinhaltet, die zwischen 1978 bis 1994 entstanden sind. Schönes Aushän­ge­schild für das Museum für Angewandte Kunst und Hilfs­mittel für die Akustik. Hier richtet das Festival kammer­mu­si­ka­lische Formate mit einem attrak­tiven Höhepunkt aus. In der Pause gibt es im histo­ri­schen Keller­ge­wölbe tradi­tionell Schnittchen und Getränke. Die Canapés werden von den ehren­amt­lichen Helfern zubereitet, und sie werden ausge­sprochen liebevoll, aufwändig und schmackhaft zubereitet. Hier wird sichtbar, mit welchem Einsatz die ehren­amt­lichen Helfer ansonsten eher hinter den Kulissen wirken. Im Grunde genommen müsste man bei jedem Festival die Zahl der ehren­amt­lichen Helfer veröf­fent­lichen, weil man kaum besser die Bedeutung eines Festivals im sozialen Umfeld dokumen­tieren kann.

In diesem Jahr ist der Besuch im Kreis­museum Zons besonders vielver­spre­chend. Die Geigerin Midori Seiler, die unter anderem mit Jos van Immerseel zusam­men­ge­ar­beitet hat und als Expertin im Umgang mit der Barock-Violine gilt, tritt gemeinsam mit dem Pianisten Kristian Bezuidenhout und dem Schau­spieler Rainer Iwersen auf, um eine generell gute Idee zu präsen­tieren. Ludwig van Beethovens Kreut­zer­sonate soll mit Lew Tolstois Novelle Die Kreut­zer­sonate gekreuzt werden. Es geht also um die Kombi­nation einer Lesung mit einer musika­li­schen Darbietung. Im Vorfeld überzeugt das die Besucher derart, dass nicht nur zusätz­liche Stühle, sondern auch Stehplätze zur Verfügung gestellt werden müssen.

Rainer Iwersen – Foto © O‑Ton

In der Ausführung hapert es deutlich. Im ersten Satz der Kreut­zer­sonate kommt Seiler nicht so recht ins Spiel, und Iwersen braucht ebenfalls einen Moment, um mit seiner Lesung des von ihm bearbei­teten Stücks in rechten Fluss zu kommen. Das aller­dings wird im Verlauf des Abends das geringere Problem. Denn Seiler brilliert im zweiten und dritten Satz erwar­tungs­gemäß. Bezuidenhout begeistert am Flügel, auch wenn man den Deckel vielleicht nicht ganz so weit hätte öffnen müssen. Iwersen aber redet und redet und redet. Das macht er ja ganz gut, manches Mal theatra­lisch zu überhöht, aber dass die Lesung eindeutig die Länge der Kreut­zer­sonate von Beethoven überschreitet, schafft ein krasses Missver­hältnis. Zudem muss die Geige vor jedem Satz neu gestimmt werden, so dass hier jedes Mal ein Bruch entsteht.

Dabei ist die Kurzge­schichte eigentlich übersichtlich. Der Protagonist ist verhei­ratet und hat fünf Kinder. Die Ehe verläuft durch­schnittlich. Aber das Auftauchen eines Geigers stürzt ihn in einen Eifer­suchts­anfall, der für die Gattin letal ausgeht. Iwersen zieht und zieht das in die Länge, obwohl er doch eine eigene Bearbeitung der Novelle Tolstois darbietet. Die zahlreichen Redun­danzen hätten noch viele Gelegen­heiten für Striche geboten. So bleiben die Musiker die meiste Zeit mit möglichst unbewegtem Gesichts­aus­druck an der Wand sitzen. Nach deutlich mehr als zwei Stunden applau­diert das Publikum müde, aber freundlich. Einmal mehr zeigt sich, dass weniger bisweilen deutlich mehr sein kann.

Michael S. Zerban

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