O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
KREUTZERSONATEN
(Ludwig van Beethoven, Lew Tolstoi)
Besuch am
25. September 2018
(Einmalige Aufführung)
Das Festival Alte Musik Knechtsteden läuft, und es läuft gut. Trotz des Arbeitsaufwandes wirken alle entspannt, die ersten Aufführungen verliefen erfolgreich und mittlerweile spielt auch das Wetter einigermaßen mit. An diesem Abend bleibt die Basilika im Kloster verschlossen. Es geht in den Konzertsaal des Kreismuseums Zons. Ein schlauchförmiger Raum, der mit marginaler Lichttechnik ausgestattet ist und die Sammlung der Wandbehänge von Walter Hahn beinhaltet, die zwischen 1978 bis 1994 entstanden sind. Schönes Aushängeschild für das Museum für Angewandte Kunst und Hilfsmittel für die Akustik. Hier richtet das Festival kammermusikalische Formate mit einem attraktiven Höhepunkt aus. In der Pause gibt es im historischen Kellergewölbe traditionell Schnittchen und Getränke. Die Canapés werden von den ehrenamtlichen Helfern zubereitet, und sie werden ausgesprochen liebevoll, aufwändig und schmackhaft zubereitet. Hier wird sichtbar, mit welchem Einsatz die ehrenamtlichen Helfer ansonsten eher hinter den Kulissen wirken. Im Grunde genommen müsste man bei jedem Festival die Zahl der ehrenamtlichen Helfer veröffentlichen, weil man kaum besser die Bedeutung eines Festivals im sozialen Umfeld dokumentieren kann.
In diesem Jahr ist der Besuch im Kreismuseum Zons besonders vielversprechend. Die Geigerin Midori Seiler, die unter anderem mit Jos van Immerseel zusammengearbeitet hat und als Expertin im Umgang mit der Barock-Violine gilt, tritt gemeinsam mit dem Pianisten Kristian Bezuidenhout und dem Schauspieler Rainer Iwersen auf, um eine generell gute Idee zu präsentieren. Ludwig van Beethovens Kreutzersonate soll mit Lew Tolstois Novelle Die Kreutzersonate gekreuzt werden. Es geht also um die Kombination einer Lesung mit einer musikalischen Darbietung. Im Vorfeld überzeugt das die Besucher derart, dass nicht nur zusätzliche Stühle, sondern auch Stehplätze zur Verfügung gestellt werden müssen.

In der Ausführung hapert es deutlich. Im ersten Satz der Kreutzersonate kommt Seiler nicht so recht ins Spiel, und Iwersen braucht ebenfalls einen Moment, um mit seiner Lesung des von ihm bearbeiteten Stücks in rechten Fluss zu kommen. Das allerdings wird im Verlauf des Abends das geringere Problem. Denn Seiler brilliert im zweiten und dritten Satz erwartungsgemäß. Bezuidenhout begeistert am Flügel, auch wenn man den Deckel vielleicht nicht ganz so weit hätte öffnen müssen. Iwersen aber redet und redet und redet. Das macht er ja ganz gut, manches Mal theatralisch zu überhöht, aber dass die Lesung eindeutig die Länge der Kreutzersonate von Beethoven überschreitet, schafft ein krasses Missverhältnis. Zudem muss die Geige vor jedem Satz neu gestimmt werden, so dass hier jedes Mal ein Bruch entsteht.
Dabei ist die Kurzgeschichte eigentlich übersichtlich. Der Protagonist ist verheiratet und hat fünf Kinder. Die Ehe verläuft durchschnittlich. Aber das Auftauchen eines Geigers stürzt ihn in einen Eifersuchtsanfall, der für die Gattin letal ausgeht. Iwersen zieht und zieht das in die Länge, obwohl er doch eine eigene Bearbeitung der Novelle Tolstois darbietet. Die zahlreichen Redundanzen hätten noch viele Gelegenheiten für Striche geboten. So bleiben die Musiker die meiste Zeit mit möglichst unbewegtem Gesichtsausdruck an der Wand sitzen. Nach deutlich mehr als zwei Stunden applaudiert das Publikum müde, aber freundlich. Einmal mehr zeigt sich, dass weniger bisweilen deutlich mehr sein kann.
Michael S. Zerban