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GREGORIANISCHE NACHT
(Heinavanker)
Besuch am
28. September 2018
(Einmaliges Gastspiel)
Das Licht in der Klosterkirche Knechtsteden ist gedimmt, neben wenigen Bühnenscheinwerfern sorgen ausschließlich Kerzen für eine leicht vorweihnachtliche Stimmung an diesem kühlen Septemberabend.
Das Ensemble Heinavanker, bestehend aus zwei Frauen und vier Männern inklusive des Leiters und Arrangeurs Margo Kõlar, tritt in mittelalterlich angehauchten Kirchengewändern auf, was grundsätzlich zur Stimmung passt, jedoch von zwei Mitgliedern konterkariert wird, indem sie Tabletcomputer anstelle von Notenmappen benutzen. Die im Konzerttitel angekündigten gregorianischen Gesänge sind nur am Rande Bestandteil des Programms, stattdessen sind weltliche und geistliche Lieder aus Estland aus dem Mittelalter das Thema des Abends.
Die traditionellen estnischen Runenlieder wurden zum größten Teil über Jahrhunderte nur mündlich weitergegeben und erlebten so viele Wandel in der Zeit. Kõlar arrangiert sie in einer Mixtur zwischen polyphonem Gesang der Renaissance und Harmonien moderner Vokal-Arrangements. In der zweiten Hälfte wird es sogar noch etwas experimenteller, wenn die Sänger in Gruppen oder gemeinsam den Kirchenraum singend durchwandern und sich Melodiefragmente wie einen Ball hin- und herwerfen. Auch die Klänge werden zwischendurch nahezu avantgardistisch bei einer epochalen Nacherzählung des estnischen Volksmärchens Imeline Koda – Die wunderbare Heimstatt.
Kõlar leitet sein Ensemble subtil mit wenig Bewegungen, was der Abstimmung aber nicht im Geringsten schadet. Tempo-freie Rubato-Stellen, silbenreiche Passagen, polyrhythmische Einsätze: Heinavanker, zu Deutsch übrigens “Heuwagen“ nach einem Bild von Hieronymus Bosch, singt wie aus einem Guss und mit einer ansteckenden Freude, als hätte es nie etwas anderes getan. Eine bemerkenswerte Leistung sämtlicher Sänger, die leider im Programmheft nirgends erwähnt werden, obwohl es angemessen und dafür Platz gewesen wäre.
Das Publikum, zu Beginn beider Teile noch etwas unruhig, lässt sich von der Atmosphäre schnell packen, gibt den Stimmen die Möglichkeit, den gesamten ausverkauften Kirchenraum zu erfüllen und honoriert das kurzweilige Konzert mit langanhaltendem Applaus, der zwei Zugaben nach sich zieht.
Einen so interessanten, lebendigen und einfach schönen Einblick in die alte Musik des Baltikums war bei dem fehlleitenden Titel nicht zu erwarten, doch die Gregorianik wird bei so einem Abend zu keiner Sekunde vermisst.
Sebastian Heuckmann