O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
DAS JÜNGSTE GERICHT
(Dietrich Buxtehude)
Besuch am
29. September 2018
(Einmalige Aufführung)
Eine Woche Festival Alte Musik Knechtsteden geht zu Ende. Es war eine abwechslungsreiche, fantasievoll gestaltete und im Großen und Ganzen gelungene Woche mit großartigen Künstlern und einem dankbaren Publikum. Natürlich gibt es immer etwas zu verbessern. Der traurige Getränkewagen vor der Basilika bedarf sicher einer konzeptionellen Überarbeitung, auch, was das Essensangebot angeht. Das gab es schon mal besser. Warum der Bullenstall als heimeliger Konzertsaal nicht stärker in das Festival einbezogen wird, erschließt sich kaum. Aber das ist ja nichts, was man nicht in Zukunft ändern könnte. Und bei aller Fröhlichkeit bleiben auch Fragen nach eben dieser Zukunft. Das Festival ist mehr als ein Vierteljahrhundert alt – und mit ihm sind auch die Beteiligten gealtert. Wie also wird es dem Festival gelingen, sich zu erneuern?
Dinge, die einem auf dem Weg zur letzten diesjährigen Aufführung durch den Kopf gehen. Die soll selbstverständlich auch ein letzter Höhepunkt werden, um sich dem Publikum für das kommende Jahr zu empfehlen. Hermann Max hat sich als Künstlerischer Leiter des Festivals für das Jüngste Gericht von Dietrich Buxtehude entschieden, einem Oratorium, das reichlich moralingesättigt rüberkommt. Max sieht es eher als ein Werk, das den Pflichtvergessenen die Leviten liest. Eben so, wie es auch Buxtehude sieht, der seit 1673 die Abendmusiken genannte Reihe fortführte, die ihn als Komponisten und virtuosen Organisten in der Lübecker Marienkirche bekannt machte. In diesem Zusammenhang entstand auch das Werk mit dem vielversprechenden Titel Das jüngste Gericht. Man kann wie Dirigent Max darin eine erfreuliche Melodik und raffinierte Harmonik erkennen, die fern jeder Kontrapunktkunst funktioniert. Nicht jeder wird das so sehen wollen. Man kann darin auch ein eher eintöniges Werk sehen, dass sich im ermüdenden, weil altväterlichen Dialog erschöpft.

Warum es bei beiden Sichtweisen ein trotzdem erfolgreicher Abend wird, liegt wohl am ehesten an der musikalischen Darbietung.
Ob es sich bei den verschiedenen Rollen um die göttliche Stimme, die gute oder böse Seele oder andere Stimmen handelt, ist relativ egal. Und so sind sie auch notiert. Wichtig ist, auch nach Buxtehudes Auffassung, dass sie verständlich die Botschaft vermitteln. Der Luxus des Abends vermittelt sich, indem es eine Vielzahl von Solisten gibt. Dorothee Mields, Margaret Hunter und Kerstin Dietl agieren als Sopran, Anne Bierwirth fungiert als Alt, Markus Brutschner spielt seinen Tenor aus und Ekkehard Abele wie Felix Schwandtke brillieren als Bässe. Sie alle erfüllen ihre Rollen perfekt, weil sie sehr textverständlich, klar, ohne Übertreibung, aber mit viel Gefühl für die Alte Musik singen.
Unterstützt werden sie dabei von den acht Musikern des Orchesters Das kleine Konzert, die unter Leitung von Hermann Max das Mögliche aus der Partitur herausholen. Nach zwei Stunden einschließlich einer Pause werden Musiker und Sänger vom Publikum in der sehr gut besuchten Basilika ausgiebig gefeiert. Bei vielen der Applaudierenden wird da auch noch mal ein Danke schön für die zurückliegende Woche eingeschlossen sein. Denn mit dem Schlussakkord, der nicht etwa im Höllenschlund landet, sondern der Lobpreisung Gottes dient, endet denn auch endgültig das diesjährige Festival. Und im Hinausgehen hört man denn auch allerorten, dass die Menschen sich gegenseitig ein Wiedersehen im kommenden Jahr wünschen.
Michael S. Zerban