O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Katja Illner

Eindrucksvolle Effekte

TANK
(Doris Uhlich)

Besuch am
15. März 2019
(Urauf­führung am 14. März 2019)

 

Hi, Robot! Das Mensch-Maschine-Festival, Tanzhaus NRW, Düsseldorf

Das Mensch-Maschine-Festival Hi, Robot! nimmt allmählich Fahrt auf. Nach dem doch eher kontrovers disku­tierten Eröff­nungs­abend im Robert-Schumann-Saal wandert das Festival weiter ins Tanzhaus NRW, um dort die Urauf­führung von Doris Uhlichs neuester Solo-Aufführung Tank zu feiern. Während der erste Abend eher das technisch Machbare im Blick hatte, geht es nun mit Fortschritts­kritik im weitesten Sinne weiter.

Uhlich befasst sich in ihrer Arbeit schon seit Längerem mit dem Trend zur Selbst­op­ti­mierung und stellt Fragen. Was macht einen techno­lo­gisch optimierten Körper zu einem lustvollen Körper, der zufrieden, gar glücklich ist? Und welche Inter­essen stecken hinter der Obsession der Körper­ver­bes­se­rungen durch neue Techno­logien? Das muss man wissen, um die stark abstra­hierten Arbeiten Uhlichs zu verstehen. In Tank stellt sie, wie schon in früheren Werken, ihren eigenen nackten Körper so sehr in den Mittel­punkt, dass die Nacktheit so gut wie jede Bedeutung verliert. Was das mit einem techno­lo­gisch optimierten Körper zu tun hat, der lustvoll, zufrieden oder glücklich ist, erschließt sich nicht. Aber vorläufig stehen auch andere Dinge im Vordergrund.

POINTS OF HONOR

Musik



Tanz



Choreo­grafie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Mit einer Viertel­stunde Verspätung werden die Zuschauer in den großen Saal im Tanzhaus NRW einge­lassen. Der einzige, der eine solche Verzö­gerung als selbst­ver­ständlich hinnimmt und wortlos übergeht, ist wohl der Veran­stalter selbst. Der Saal ist komplett in schwarz ausge­kleidet. In der Mitte steht ein Podest, auf dem der zylin­der­förmige, mit Theater­nebel gefüllte Tank aufge­stellt ist. Den haben Angela Ribera, Konstanze Grotkopp und Juliette Collas vom Berliner Kollektiv Proper Space gebaut. Und er hat es in sich. Mögli­cher­weise stell­ver­tretend für die Methoden zur Selbst­op­ti­mierung stehen Einlässe für den Theater­nebel am Boden. Dann wäre der Tank der Kataly­sator, an dessen anderem Ende fünf Auslässe den Nebel entsorgen. Vorerst präsen­tiert sich der Tank in weiß, darüber schwebt der Nebel. Und schon an dieser Stelle steht das große Kompliment an Sergio Pessanha, der an diesem Abend ein fein ausge­klü­geltes Spiel mit seinen Schein­werfern und dem Nebel zeigt. Das hat man so zielge­richtet noch nicht oft gesehen. Licht­design mit vergleichs­weise geringen Mitteln auf höchstem Niveau. Selbst wenn das bereits im Konzept von Uhlich und Boris Kopeinig so angelegt ist, kann es nur funktio­nieren, wenn das Handwerk sauber ausge­führt ist. Und das beherrscht Pessanha bis zur letzten Sekunde perfekt.

Foto © Monika Rittershaus

Vorerst tauchen einzelne Körper­teile aus dem Nebel auf. Bis er sich verflüchtigt und der nackte Körper von Uhlich in Erscheinung tritt. Die Choreo­grafin sieht sich in diesem Zylinder als eine Person im Labor oder auf einem Experi­men­tierfeld. Da kann sie sich im entschwin­denden Dunst räkeln, rhyth­misch bewegen oder auch ihre Brüste – durchaus mit schmerz­haftem Einsatz – gegen die Wände prallen lassen: Eine Selbst­op­ti­mierung will sich nicht erkennen lassen. Nach einer halben Stunde scheint das Bewegungs­ma­terial erschöpft. Drei Zuschau­er­paare verlassen den Saal – vielleicht etwas verfrüht. Denn es gibt noch einiges an Effekten zu bestaunen, auch wenn man erst mal die Erschöp­fungs­phase der Auffüh­renden im Zylinder aushalten muss.

Als Uhlich den Tank verlässt, also der Selbst­op­ti­mie­rungs­prozess abgeschlossen scheint, führt sie dem Publikum das Ergebnis vor. Eine Verän­derung ist nicht erkennbar. Es geht also zurück in den Tank. Und wenn sie im Tank erneut in Nebel­schwaden verschwindet, bleiben die Fragen offen.

Passend zum Prozess der Selbst­an­nä­herung scheint die Musik, die Kopeinig ausge­wählt hat. Da erklingen Psilo­cybin von Time Machines, Ntandathu von Electric Indigo, Sever the Signal von Orphs oder Peter van Hoesens Hollow Eye. Musik vom psyche­de­li­schen Trip bis zum harten Beat.

Am Ende bleiben eine Menge überra­schender und gekonnter Effekte, die die perfor­ma­tiven Schwächen nicht ganz übertünchen können. Das Publikum zollt einen Ehren­ap­plaus. Als Nächstes steht The most human von Robin Jonsson im Tanzhaus NRW auf dem Festival-Programm.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: