O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Alex Wojcik

Ganz schön skurril

7 WAYS
(Geumhyung Jeong)

Besuch am
29. März 2019
(Premiere)

 

Hi, Robot! Das Mensch-Maschine-Festival, Tanzhaus NRW, Düsseldorf 

80 Menschen passen auf die Tribüne des Kleinen Saals im Tanzhaus NRW, und ungefähr so viele werden es an diesem Freitag­abend auch sein, die sich die Aufführung von Geumhyung Jeong anschauen wollen. Die Choreo­grafin wurde 1980 in Seoul geboren und studierte Schau­spiel, Tanz und Perfor­mance an verschie­denen Hochschulen Südkoreas. 2011 führte sie erstmalig ihr Werk 7 Ways am Théâtre National Populaire in Villeur­banne auf. Jetzt zeigt sie es in einer Spätvor­stellung im Kleinen Saal am Tanzhaus NRW – und schafft damit nolens volens einen sympa­thi­schen Abschluss des Mensch-Maschine-Festivals Hi, Robot!

Einer ihrer Fans, der eigens aus Bochum angereist ist und sie während einer Residenz in Stuttgart kennen­ge­lernt hat, weist darauf hin, dass eine wesentlich stärkere Arbeit Oil Pressure Vibrator aus dem Jahr 2010 sei. Aber die räumliche Nähe habe ihn trotzdem nach Düsseldorf getrieben. Die Spannung wächst.

Der Kleine Saal ist nicht dekoriert. „Putzlicht“ prasselt auf den weißen Bühnen­boden herab. Zahlreiche Requi­siten sind im Raum verteilt. Am linken Bühnenrand sitzt Jeong in Jeans und Sweater. Sie erhebt sich, entkleidet sich bis auf die Unter­wäsche, um dann zu einem Wäsche­stapel zu gehen. Es ist die Bekleidung eines Puppen­spielers. An den rechten Fuß ist eine weiße Maske geheftet. Es gibt keine Musik. Die neu entstandene Figur kriecht auf eine Schau­fens­ter­puppe zu, zieht sie von ihrem Podest herunter, setzt sie wieder zusammen, weil sie zwischen­zeitlich in zwei Teile ausein­an­der­ge­fallen ist und begattet sie. Mit einem ausge­dehnten Orgasmus endet diese erste Szene.

Foto © Alex Wojcik

Jeong lässt sich Zeit, vermeidet den Blick­kontakt mit dem Publikum. Sehr viel Zeit. Auch zwischen den einzelnen Stationen, um sich auf das nächste Ereignis vorzu­be­reiten. Das ist nach dem Rummel der voran­ge­gan­genen Aufführung anstrengend. Es fällt schwer, sich auf die Poesie und das Mystische der einzelnen Situa­tionen einzu­lassen. Wenn sie etwa den schwarzen Anzug gegen einen blauen wechselt, bei dem eine kleinere Maske am Handge­lenkt angebracht wird und im Zusam­men­spiel mit den Fingern ein Eigen­leben entwi­ckelt. Der handwerk­liche Reiz liegt darin, dass die neu entste­henden Figuren ihre Aufgaben selbst erledigen, weil Jeong nicht hinschaut.

Neben Masken beschäftigt sich 7 Ways auch mit Puppen­köpfen. Die Künst­lerin setzt sie ein, um techni­schen Geräten oder auch mal einem Musik­in­strument ein „mensch­liches Antlitz“ zu verleihen. So wie der silber­farben lackierte Indus­trie­staub­sauger, dessen Saugrohr aus dem Mund eines männlichen Puppen­kopfes mit silber­grauem Haar herausragt. Da gibt es Raum für wortwört­liche Anzüg­lich­keiten. Und über allem liegt ein Hauch von Humor. Der selbst­fah­rende Staub­sauger etwa ist dahin­gehend präpa­riert, dass vorne eine Zunge angebracht ist, die zur Kopfhälfte gehört, die auf der Oberfläche des flachen Geräts angebracht ist. Und noch schöner wäre es geworden, wenn die Szene wie geplant funktio­niert hätte. Dann nämlich wäre das compu­ter­ge­steuerte Gerät mit „sabbernder Zunge“ über den Körper der Künst­lerin gefahren. Doch an diesem Abend beschränkt er sich darauf, etwas orien­tie­rungslos durch den Raum zu rollen. Aber mit seiner Extratour gelingt es ihm nicht, das Gesamt­konzept des Abends zu stören.

Das Publikum ist begeistert. Und für einen Moment verlässt Jeong ihre spröde Distanz und wagt ein Lächeln. Ein gelun­gener Abschieds­auf­tritt für ein Festival, das trotz aller Ausein­an­der­setzung zwischen Mensch und Maschine eines geblieben ist: menschlich.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: