O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
CLARASCURO
(Ángel Muñoz)
Besuch am
19. April 2019
(Einmaliges Gastspiel)
Eines der erklärten Ziele des Flamenco-Festivals am Tanzhaus NRW in Düsseldorf, das über die Ostertage stattfindet, ist, neue Entwicklungen im Flamenco statt Folklore zu zeigen. Das lief bislang so halbwegs gut. Auf einen echten Durchbruch, das Aha-Erlebnis, müssen die Festival-Besucher ausgerechnet auf Karfreitag warten. Den Tag, an dem der Staat den christlichen Religionen beispringt und von Amts wegen Ruhe verordnet. In Düsseldorf ist es ein echter Sommertag. Noch auf dem Weg zum Tanzhaus am frühen Abend zeigt die Temperaturanzeige im Auto 26 Grad. Auch wenn derzeit keine Kurse der Akademie stattfinden, weil die Osterferien auch für das Tanzhaus gelten, herrscht reges Treiben. Das Interesse der Teilnehmer also ungebrochen. Und das, obwohl der Text zu Claroscuro, so heißt die Choreografie von Ángel Muñoz, viel Dunkelheit androht. „Inspiriert von Meistern der Malerei wie Ribera oder Rembrandt setzt Muñoz sich im Halbschatten mit dem Okkulten auseinander und macht sichtbar, wie wir die Dunkelheit sehen können und was sie uns sehen glauben macht“, heißt es da.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Tanz | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Choreografie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Erfreulich, dass es bei der Ankündigung bleibt. Denn Antonio Valiente sorgt für differenziertes, spannungs- und abwechslungsreiches Licht, bei dem nichts Wesentliches der Dunkelheit anvertraut wird. Selbst als Muñoz in der Eingangsszene auf einem Stuhl sitzt, auf den er am Ende wieder zurückkehren wird, richten sich die Spots auf und um ihn herum. Ein bisschen sieht er schon aus wie Richard Gere in Atemlos 1983 – und von der Rasanz des Films gibt es an diesem Abend gleichermaßen viel zu erleben. Seine Tanzkunst, die er in seiner Heimatstadt Córdoba studiert und seither weiter vervollkommnet hat, ist eindrucksvoll bis zur Gänsehaut. Der Mann funktioniert wie ein Schweizer Uhrwerk. Ruhig und genau die Armbewegungen, während seine Schritte in derselben Präzision unvorstellbare Geschwindigkeiten erreicht, die allenfalls den Rhythmus gezielt wechseln, aber nie ins Leere laufen. Geradezu erleichtert kann man nach Ablauf der etwa 80 Minuten dauernden Aufführung zumindest etwas Schweiß auf seiner Stirn erkennen. Von Pausen kann man ja nicht sprechen, wenn er nach einzelnen Auftritten die Bühne kurzzeitig verlässt, schließlich reicht die Zeit gerade, das Kostüm zu wechseln – und vermutlich doch einmal kurz mit dem Handtuch die Stirn zu trocknen. Eine Geschichte erzählt der Tänzer nicht, aber er verlegt seinen Flamenco kurzerhand in die Gegenwart, indem er eine zeitgenössische Musik wählt, die ihre Wurzeln im Flamenco nicht leugnen will.

Unterstützt haben ihn mit ihren Kompositionen und Arrangements Artomático, Miguel Ortega und Diego Villegas. Die elektronische Live-Musik, Samples und Sequenzen produziert Artomático an seiner Musik-Bar, die am linken Bühnenrand viel Platz einnimmt. Hier greift er behutsam auf Mischregler, Computer und Tasteninstrumente zurück. Die selbstgewählte Zurückhaltung ist notwendig, um den Künsten Villegas zu lauschen, der gleich vier Instrumente in das Geschehen einbringt. Beginnend mit der Flöte, folgt von Auftritt zu Auftritt die Klarinette, die Mundharmonika und das Saxofon, immer gern jazzig angehaucht und stets im Dialog mit Muñoz, wenn er nicht gerade ein kleines Solo zum Besten gibt.
Ortega steuert Gesang und Gitarrenklänge bei. Auch an diesem Abend wieder alles elektronisch verstärkt, wobei Chipi Cacheda zwar ein feines Gespür für die Balance von Instrumenten und Stimme untereinander, aber kaum für die Gesamtlautstärke hat. Da erreicht der Klang dann schon mal die Dezibelzahlen einer Diskothek. Das ist unnötig – im Gegenteil könnte hier ein wenig Understatement durchaus stärker wirken. Zumindest bräuchten sich dann die Kinder nicht zwischendurch die Ohren zuzuhalten und könnten noch gebannter, als sie es ohnehin schon tun, dem Geschehen auf der Bühne folgen. Hier wird die Spannung über den gesamten Abend gehalten, und die Zeit verfliegt. Ein wahrhaft großer, zeitgenössischer Flamenco-Abend, der es an Kunstfertigkeit mindestens mit den Altvorderen aufnehmen kann, aber befreit von jeder Folklore daherkommt.
Das Publikum bedankt sich auf das Lebhafteste und lange, ehe es auf dem Nachhauseweg noch von der Faszination des eben Erlebten zehrt.
Michael S. Zerban