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Genreübergreifendes Flamenco-Fest

CAÍDA DEL CIELO
(Rocío Molina)

Besuch am
20. April 2019
(Premiere)

 

Flamenco-Festival, Tanzhaus NRW, Düsseldorf

Plötzlich ist der Sommer da. So macht das Flamenco-Festival, das wie jedes Jahr zu Ostern am Tanzhaus NRW in Düsseldorf statt­findet, gleich doppelt Spaß. Bislang stieg die Spannungs­kurve nach oben, ein Höhepunkt wird für den heutigen Abend erwartet. Ehe es dazu kommt, wird aller­dings – ein wenig überra­schend – noch der Vortrag Nacktheit im Tanz angeboten. Susanne Zellinger, Journa­listin aus Öster­reich und Expertin für den Flamenco, will sich zu einem Thema äußern, das im Flamenco doch eine eher unter­ge­ordnete Rolle zu spielen scheint. Statt einer Ausein­an­der­setzung mit der aktuellen Situation im zeitge­nös­si­schen Tanz wird es eher ein histo­ri­scher Abriss, der dann aber auch tatsächlich auch Rocío Molina hinaus­läuft, die anschließend ihren Auftritt hat. Die Absicht des Vortrags bleibt offen. Auch ist der Anlass ein wenig gering­fügig. Um es in diesem Zusam­menhang vorweg­zu­nehmen: Nach ihrem Entrée lässt Molina das weiße Schlep­pen­kleid zu Boden gleiten, unter dem sie nackt ist, während sie Hände und Arme vor Brust und Scheide legt, sich umdreht und einen Bademantel umgelegt bekommt. Das ist ungefähr so aufregend wie Blümchen zählen auf einer Wiese.

POINTS OF HONOR

Musik



Tanz



Choreo­grafie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Da ist ja schon aufre­gender, dass das knapp zweistündige Programm mit nur wenigen Minuten Verspätung beginnt. Ein ungewöhn­liches Ereignis. Die Bühne ist von Carlos Marquerie gewohnt sparta­nisch einge­richtet. Im Hinter­grund eine weiße Leinwand, auf der im Folgenden ein Mond proji­ziert werden wird und die Schat­ten­risse der Musiker auftauchen, ehe es zum poeti­schen Teil des Abends kommt. Davor sind die Musik­in­stru­mente gerad­linig aufge­reiht. Die Seiten­bühnen sind teilweise verhängt. Ansonsten ist die Bühne, die ungewöhnlich mit einem hellen Belag ausge­schlagen ist, frei für die Aktivi­täten der Tänzerin. Caída del Cielo, aus dem Himmel gefallen, präsen­tiert sich Molina, die man vielleicht als enfant terrible der Flamenco-Szene bezeichnen kann, zunächst in einem reinweißen Schlepp­kleid, in dem sie nach einem rockigen Auftritt der Musiker viel Ruhe und Kontem­plation verbreitet. Vom Flamenco ist hier erst etwas zu erkennen, nachdem sie sich umgekleidet hat und nunmehr in schwarzer Trikothose mit Knieschonern, einem schwarzen Bustier und goldfar­bener Jacke auftritt. Immer wieder flammen kurze Erinne­rungen an konven­tio­nelle Elemente des Flamencos auf, wie kleine Flächen­brände, die Wüstengras absengen.

José Manuel Ramos, Rocío Molina und José Angel Carmona – Foto © Klaus Handner

Eine der stärksten Ideen des Abends ist sicher das, was man als Gemälde Öl auf Boden bezeichnen könnte. Molina steigt in einen Kasten, aus dem sie mit einer öltrie­fenden Umhüllung wieder auftaucht und fortan mit ihren Tanzschritten und schlep­pendem Kleid ein Bild auf dem Boden malt, das zeitgleich auf der Leinwand im Hinter­grund gezeigt wird. Das ist großartig gemacht und definitiv der Höhepunkt des Abends, der seine Attrak­ti­vität ansonsten aus der strecken­weise ungewöhn­lichen Musik und dem Charisma der Tänzerin bezieht. Molina entfernt sich in ihrer Choreo­grafie weit von den grund­le­genden Aspekten des Flamencos, findet neue Figuren hinzu und geht auch schon mal zu Boden. Wenn sie trotzdem hin und wieder ihr handwerk­liches Können aufblitzen lässt, sorgt das sofort für Begeis­te­rungs­stürme beim Publikum.

In der musika­li­schen Besetzung bleiben die Grund­festen des Flamencos unange­tastet, werden lediglich um elektro­nische Instru­mente erweitert. Eduardo Trassiera inter­pre­tiert eigene Kompo­si­tionen auf akusti­scher und E‑Gitarre. José Angel Carmona greift als Sänger zusätzlich hin und wieder zum E‑Bass, wenn er nicht gerade Molina beim Kostüm­wechsel assis­tiert. José Manuel Ramos „Oruco“ übernimmt Klatschen und Cajón im Drei-Streifen-Trainings­anzug. Und am Schlagzeug sitzt Pablo Martin Jones, der auch die elektro­nische Musik beisteuert.

Insgesamt wird es ein turbu­lenter Abend, der alle Facetten von Trauer, Nachdenk­lichkeit, Poesie bis Flamenco, Rock, Lebens­freude und Überdrehtheit bietet. Das Publikum ist völlig aus dem Häuschen und bietet für Minuten alle erdenk­lichen Applaus­formen. Rocío Molina hat einmal mehr ihren Ruf als heraus­ra­gende Flamenco-Künst­lerin bestätigt. Die zweite Vorstellung am Oster­sonntag ist bereits ausverkauft.

Michael S. Zerban

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