O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
BOYS DON’T DANCE
(Takao Baba)
Besuch am
13. Juli 2019
(Uraufführung)
Das Sommerfestival Asphalt bringt in elf Tagen über 50 Aufführungen in die verschiedenen Spielstätten, die über die Stadt verteilt sind. Dabei haben es sich die Künstlerischen Leiter, Christoph Seeger-Zurmühlen und Bojan Vuletić, zum Ziel gesetzt, möglichst viele Menschen von jung bis alt anzusprechen. Für Kinder ab sechs Jahren wird das Tanzstück Boys Don’t Dance angeboten. Warum es kein fantasievoller deutschsprachiger Titel sein darf, erschließt sich nicht. Aber davon lassen sich die Eltern nicht abhalten, und so ist die Halle 21, sonst ein Probenraum, in den Alten Farbwerken Düsseldorf am Samstagnachmittag bis auf den wirklich allerletzten Platz besetzt. Wobei den Kindern Sitzkissen genügen. Und damit sitzen sie allerdings in der ersten Reihe, können also das Geschehen auf der Bühne hautnah mitverfolgen. Dass es noch näher geht, wird sich später zeigen.
Im Hintergrund der Bühne sind vier weiße Stellwände aufgebaut, rechts daneben ist Platz für ein paar Musikinstrumente. Vor den Stellwänden steht ein Beamer. Mehr braucht es bei Takao Baba und seinem Ensemble nicht, um den Kindern einen sportlichen Nachmittag zu bereiten. Nach ein wenig Live-Musik zur fließenden Eröffnung schreiten Baba, Felix Küpper und Salomon Quainoo durch die versetzt aufgestellten Wände, kommen nach vorn, präsentieren sich in den Kostümen von Charlotte Grewer, die ein paar klassische HipHop-Klamotten ausgewählt hat. Zu Careless Whisper gibt es ein Posing, weit von Tanz entfernt. Männer tanzen also nicht? Sieht ganz so aus. Als sie hinter die Stellwände treten, zeigen sie der Kamera, wie ihre Tanzsprache aussieht. Einfache, klassische HipHop-Bewegungen sind zu sehen. Die Bilder werden vorn auf die Paravents übertragen. Inzwischen hat sich auch Jenny Thiele dazugesellt, die bislang die E‑Gitarre bedient hat. Die Botschaft ist klar. Das, was hier zu sehen ist, kann doch jeder. Also kann wirklich jeder tanzen? Und macht er es auch?

Unter den Gästen ist Mijke Harmsen. Sie ist Dramaturgin im Tanzhaus NRW und oft und gern gesehener Gast beim Asphalt-Festival. Bei ihrer Ankunft begrüßt sie viele der Kinder persönlich. Einige von ihnen werden jetzt einzeln hinter die Stellwände geholt. Jungs, natürlich. Unverkrampft zappeln sie vor der Kamera herum – vor allem für die Erwachsenen ein großer Spaß. Als das Ensemble wieder die offene Bühne betritt, wird ein wenig herumgeflachst, dann geht es allmählich in die nächste Vorbereitungsrunde. Zu eingängigen HipHop-Rhythmen zeigen die vier, wie ein Fussball tanzt, ein Tennisschläger, ein Kühlschrank und eine Mikrowelle. Witzig, fantasievoll und vor allem völlig unverkrampft ist das.
Endlich decken die Tänzer die Karten auf, als sie die Kinder auf die Bühne holen. Locker werden noch einmal die Übungen durchgegangen, bis der Großteil der Kinder sie verstanden hat und mitmacht. Das Ganze entwickelt sich spielerisch-sportlich, kleine Jungen müssen hier keine Tanzschritte erlernen, sondern einfach nachmachen, was die großen Jungs ihnen zeigen. In der Gruppe kommt viel Freude auf. Eifrig sind die Kinder dabei. Jetzt werden einige von ihnen aufgefordert, selbst mal ein Solo hinzulegen. Und siehe da: Da gibt es durchaus Vorkenntnisse. Die Eltern sind beeindruckt und applaudieren spontan. Flott vergeht die Zeit. Das Ensemble organisiert einen battle. Dazu werden die Kinder in zwei Gruppen aufgeteilt, die nun mit jeweils einem Tänzer gegeneinander antreten und die rasch erlernten Übungen in immer schnellerer Abfolge wiederholen. Sieger gibt es natürlich keinen. Aus pädagogischer und tänzerischer Sicht ist das Stück ein echter Hit. Die Kinder, die hier und heute Nachmittag auf der Bühne stehen, werden sich auch in Zukunft ohne Berührungsängste mit Tanz und ihrer eigenen Körpersprache beschäftigen.
Und dann nimmt der Nachmittag doch noch eine unerwartete Wendung. Einer der Tänzer hat zuvor Begriffe auf einem Grafiktablett gemalt, die nachgetanzt werden sollen. Nachdem eigentlich die Vorstellung beendet ist, alle zufrieden sind, entdeckt einer der Jungen seine Freude an dem technischen Gerät und möchte gern selbst malen. Damit ist das formale Ende vereitelt, Thiele muss es offiziell verkünden, verknüpft ihre Absage mit einem „Jungen tanzen doch“ und die Veranstaltung löst sich in allgemeinem Gewusel auf der Bühne und im Raum auf. Herrlich. Kreativer kann es gar nicht laufen. Lob einfach mal den Eltern, die ihre Kinder in solche Aufführungen bringen, Lob aber auch für ein Ensemble, das ein Stück Mitmachtheater sehr klug entwickelt hat.
Michael S. Zerban