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Fotos ähnlich der besuchten Aufführung - Foto © Peter Stumpf

Mit Vollgas in die Ekstase

GHOST WRITER AND THE BROKEN HAND BREAK
(Miet Warlop)

Besuch am
13. Juli 2019
(Premiere am 12. Juli 2019)

 

Asphalt-Festival, Alte Farbwerke, Düsseldorf

Abend­zettel oder gar Programm­hefte sind beim Asphalt-Festival eher Mangelware. Die Werbe­texte auf der Festival-Website sind oft so kryptisch, dass man sie gar nicht lesen mag. Zu Miet Warlops Ghost Writer and the Broken Hand Break gibt es nicht einmal einen Abend­zettel. So animiert man Menschen zum Konsum statt zur Reflexion. Abgesehen davon, dass so Juwelen im Holzkarton präsen­tiert werden. Da gibt es in den kommenden Jahren also noch Verbes­se­rungs­mög­lich­keiten. In diesem Jahr beschränken sich die Helfer darauf, den Besuchern mitzu­teilen, dass es keine Sitzge­le­gen­heiten gibt und sie sich im Kreis am Bühnenrand aufstellen sollen. Wir befinden uns in Halle 29 der Alten Farbwerke Düsseldorf, dem Probenraum der Bürger­bühne Düsseldorf. Offenbar ein Raum, der sich besonders für akustische Exzesse eignet.

Foto © Peter Stumpf

Beim Eintritt in den Raum drehen sich bereits Pieter De Meester, Wietse Tanghe und Joppe Tanghe in drei Licht­kreisen. Wo sonst die Tribüne Platz hat, ist jetzt die Technik aufgebaut. Brav verteilen sich die Besucher am Bühnenrand. Die drei Tänzer, deren rechte Hände einge­färbt sind, drehen sich unauf­hörlich in bester Sufi-Manier. Was das bedeutet, vermag jeder zu beurteilen, der einmal den Wiener Walzer erlernt hat, egal, ob rechts oder links herum. Spätestens nach einer Runde durch den Tanzsaal ist Schluss mit dem Gleich­ge­wichtssinn und Schwindel breitet sich aus. Beim Wiener Walzer aller­dings gibt es eine Geschwin­dig­keits­be­grenzung. Die ist hier nicht vorge­sehen. Die Derwische sind davon überzeugt, dass sie mit ihren blitz­schnellen Drehungen zur Einheit mit Gott finden. Mit Vollgas auf eine neue Bewusst­seins­ebene: Das demons­triert Miet Warlop mit ihrem 40-minütigen Stück von der losge­las­senen Handbremse.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen, weil es physio­lo­gisch eigentlich gar nicht möglich ist. 40 Minuten lang drehen sich die drei Tänzer um sich selbst. Und nein, es empfiehlt sich auch für Freunde der Esoterik nicht, diese Übung nachzu­voll­ziehen. Was schweigend mit schwerem Atem beginnt, geht über in schwere Trommel­schläge, die die Wände des Saals vibrieren lassen. Die drei Tänzer, lediglich mit einer schwarzen Hose bekleidet, drehen weiter. Einer der drei entzündet und raucht eine Zigarette, was in dieser Situation ein Unding ist. Aber er raucht sie und dreht sich weiter. Dem zweiten wird eine E‑Gitarre gereicht. Kurz darauf hat er sie im Griff. Für die beiden andern gibt es eine Trommel und ein Blech. All das wird bedient, während die Drehungen in unver­min­derter Geschwin­digkeit weiter­gehen. Zudem gibt es Gesang. Einige Besucher ertragen Hitze und Lautstärke im Saal nicht länger und verlassen ihn flucht­artig. Die Tänzer drehen sich weiter.

Plötzlich wird alles verfügbare Licht im Saal aufge­blendet. Die Tänzer erstarren. Das Publikum ist geblendet, und es dauert einen Moment, bis auch der letzte begreift, dass das Ende der Vorstellung, das Ende des Exzesses erreicht ist. Übermäßig langan­hal­tender Applaus brandet auf. Wir lernen: Grenzenlose Freiheit bis zur Ekstase bedarf viel Übung. Aber wenn man die zufrie­denen Gesichter der Tänzer – und vor allem der Choreo­grafin – am Ende der Aufführung sieht, mag man überlegen, ob das eine Option ist. Das aber soll jeder für sich entscheiden.

Michael S. Zerban

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