O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
SIEGFRIED
(Richard Wagner)
Besuch am
3. Oktober 2019
(Premiere am 8. September 2017)
Die zweite Vorstellung von Siegfried im Jahr 2017 ist bestimmt einigen im Gedächtnis geblieben. Da wird Thomas Mohr in der Titelrolle ab dem dritten Akt als indisponiert angesagt, und kaum hat er seine Brünnhilde erweckt, fängt er an zu husten und hat die frisch erwachte Walküre anscheinend spontan angesteckt. Wie Mohr und Sopranistin Dara Hobbs es geschafft haben, irgendwie beim Lachenden Tod anzukommen, bleibt bis heute rätselhaft. Vorweggenommen sei, dass diese Schwierigkeiten den Sängern bei der zyklischen Aufführung erspart geblieben sind.
Was aus dem Premierenjahr übriggeblieben ist, ist der leichte szenische Durchhänger in der Interpretation von Gerd Heinz und seinem Kostümbildner Frank Philipp Schlößmann. Trauriger Tiefpunkt in der Personenführung ist das Finale. Wenn Siegfried und Brünnhilde von Staunen, Angst, Neugier und schließlich wild aufflammender Liebe erfasst werden müssten, wirkt die Personenführung von einer ostwestfälischen Lethargie befallen. Mehr als ein paar neckische Waffenübungen und sich schüchtern im Arm halten ist szenisch nicht drin. Auch zuvor bleibt einiges rätselhaft. Warum wird Erda von vier Nornen begleitet? Warum ist Alberich ein Jäger aus dem 19. Jahrhundert und sein Sohn Hagen ein Matrosenkind? Nichtsdestotrotz kann der zweite Akt mit richtig großem Musiktheater punkten. Die abwechslungsreichen Lichtstimmungen von Michael Kohlhagen sind grandios. Sogar ein mit Statisten dargestellter Lindwurm robbt durch den Miniaturwald der kleinen Mindener Bühne. Das trauen sich große Theater viel zu selten.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Im ersten Akt hat Schlößmann sogar einen famosen Ofen samt Blasebalg an den rechten Rand der Bühne bauen lassen. Im Vergleich zu den anderen Teilen kommen auch zahlreiche Requisiten zum Einsatz. Leider wird der Schmiedevorgang Nothungs immer noch etwas abgekürzt. Stattdessen scheint es so, als würde Wotan auch hier seine Finger im Spiel haben, was dramaturgisch doch etwas fragwürdig ist, da Siegfried sich ja mit dem Schmieden der eigenen Waffe aus dem Schatten seines ihm unbekannten Großvaters lösen soll. Ein diskussionswürdiger Punkt im ersten Akt, der mit einer sehr guten Personenführung gewürzt wird. Und die Spinne, die Matthias Lippert in seinem Video über die Leinwand krabbeln lässt, um die Absichten Mimes deutlich zu machen, löst Unbehagen aus.
Die Umbesetzung des heimtückischen Zwergs mit Jeff Martin sorgt dafür, dass der erste Akt wesentlich mehr Ausdruckskraft bekommt als noch 2017. Der Tenor knüpft an seine Leistung aus dem Rheingold an, bringt sowohl eine schöne Gesangslinie zustande, weiß aber auch gleichzeitig den Charakter des Nibelungen auszudrücken. Auch Thomas Mohr hat sich den jungen Siegfried noch besser zu eigen gemacht. So grandios wie sein Siegmund in der Walküre ein paar Tage zuvor ist das noch nicht, aber bis auf ein paar Wackler hat er die Einsätze sicher im Griff. Seine Stimme ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Sie klingt wie Anfang 20, ist furchtlos in der Höhe, ungetrübt in der Tiefe und deutlich in der Aussprache. Dara Hobbs ist vom ersten Takt an hellwach, ihr Sopran strahlt mit einem satten, angenehmen Sopran wie das Licht, das sie besingt. Zusammen mit Mohr lodert ihre Stimme so leidenschaftlich, wie man sich das auch im Zusammenspiel gewünscht hätte.

Renatus Mészár schöpft aus seinem bassreichen Material, um einen bis zum letzten Moment mächtigen Wanderer zu verkörpern. Heiko Trinsinger trumpft einmal mehr als Alberich mit seinem Kavalierbariton auf. Johannes Stermann ist als Drache wie als sterbender Fafner eine vokale Entdeckung. Dagegen kann Janina Baechle nicht mehr an den Glanz früherer Aufführungen anknüpfen. Ihre Erda wirkt wie schon im Rheingold bemüht. Julia Bauer – man muss diesen Satz, der an dieser Stelle schon 2017 geschrieben wurde, einfach wiederholen – ist als Waldvöglein so ziemlich das niedlichste, was man in den letzten Jahren gesehen und gehört hat.
Gegenüber den beiden vorigen Opern kann die Nordwestdeutsche Philharmonie nicht durchweg überzeugen. Sicher, das ist immer noch sehr gut, was das Orchester abliefert, aber vielleicht haben sie die Messlatte sich selbst einfach ein bisschen zu hoch gelegt. Jedenfalls schleichen sich ein paar Macken und Unsicherheiten in das Klangbild ein und Frank Beermann, der ja eh viele Einsätze gibt, hat auch in Punkto Koordination mit der Bühne etwas mehr zu tun. Weiterhin gilt aber, dass seine Interpretation in der Ausführung durch das Orchester über Nordrheinwestfalen hinaus einen großartigen Stellenwert hat.
Das wird auch vom Publikum so gesehen, das Beermann und die Nordwestdeutsche Philharmonie vor und nach jedem Akt ausgiebig feiert. Auch die Sänger werden mit großzügigen, aber nie übertriebenen Bravo-Rufen lange ausgiebig gefeiert. Trotz dieses Erfolges und einer beachtlichen Steigerung zu 2017 bleibt der Siegfried das kleine Sorgenkind in dieser Ring-Inszenierung.
Rebecca Hoffmann