O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
THE ALCHEMIST
(Ben Jonson)
Besuch am
15. Juni 2017
(Premiere)
Eine hübsche Idee: An der Einfahrt zum Parkplatz des Globe-Theaters ist eine junge, sympathisch wirkende Frau eingeteilt, die einem beim Vorüberfahren einfach mal zulächelt. Und schon ist die gute Laune programmiert. Dabei ist Schlimmeres gerade noch mal am Festival vorbeigeschrammt. In den frühen Abendstunden sind heftige Gewitter über dem Rheinland aufgezogen. Bis zum Beginn des Abends hat der stürmische Regen allerdings schon wieder aufgehört. Und so reicht es, die Einführung von Vanessa Schormann aus dem Garten auf den Vorplatz zu verlegen.
Nachdem in den vergangenen Tagen das Rheinische Landestheater das Publikum mit Wie es euch gefällt im Neusser Globe-Theater begeistert hat, steht an Fronleichnam – in Nordrhein-Westfalen noch Feiertag – The Alchemist von Ben Jonson aus dem Jahr 1610 auf dem Programm. Jonson gilt als der erfolgreichste Autor nach Shakespeare und der Alchemist vielen als sein Meisterwerk. Die Herausforderung des Stückes heute ist, dass sich die Witze und Mechanismen offenbar seit mehr als 400 Jahren nicht geändert haben. Was damals als neu und durchaus gesellschaftskritisch gegolten haben mag, ist heute ein kräftig abgelutschter Drops. Und an die Qualitäten einer Shakespeare-Komödie reicht es dann doch nicht heran. Man muss also schon ein gewaltiges historisches Interesse an der Entwicklung der Komödie oder unbegrenzte Freude an jeglicher Form von Klamauk mitbringen, um an einer solchen Aufführung heute noch Spaß zu haben. Das Publikum lässt an diesem Abend viele Plätze im Globe-Theater frei.
| Musik | ![]() |
| Schauspiel | ![]() |
| Regie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Dabei gibt sich Regisseur Stephen Jameson redlich Mühe, Saft und Kraft des Stückes über die vier Jahrhunderte ins Heute zu retten. Mit nahezu allen Mitteln, vor allem aber Lautstärke. Kein probates Mittel. Colin Mayes hat sich der Bühne und der Kostüme auf exzellente Weise angenommen. Im eigentlichen Bühnenraum ist eine Wohnlandschaft aufgebaut, in der eine Sesselgruppe mit Fernseher und ein Esszimmer Platz finden. Sämtliche Gegenstände sind mit Tüchern abgedeckt, schließlich hat der Eigentümer sich kurzerhand aus dem pestgeplagten London verzogen. Im Hintergrund sind drei historische Türen aufgestellt. Die Zwischenräume sind mit Plastikplanen verklebt. Im Vordergrund ist eine Schatzkiste aufgebaut. Auf der ersten Ebene befindet sich der Eingangsbereich des Wohnhauses, der mittels einer Rufanlage überwacht werden kann. Zu den besseren Szenen gehört eindeutig, wenn die Bühne von ihrer Verkleidung befreit wird. Der Eigentümer mutiert bei seiner Rückkehr zur Eigentümerin. Die Spielerei mit den Geschlechtern überzeugt nicht so richtig, tut aber auch keinem weh. Die Kostüme changieren zwischen fantasievoll, lustig und, was Doll angeht, gar ins Erotische. Ins rechte, wenn auch unaufgeregte Licht werden die Mitwirkenden von Adam King gestellt. Sein plötzlicher Lichtwechsel beim Öffnen der „Schatzkiste“ nutzt sich über die zwei Stunden dann doch ein wenig ab, zumal die Schlusspointe ausbleibt.

Mit den Pointen hapert es ohnehin ein wenig bei den Schauspielern. In der Auseinandersetzung mit der historischen Sprache, bei der selbst Englisch-Praktikern die Verständlichkeit und Vokabelkenntnisse abhandenkommen, herrscht eine Lautstärke vor, die auf die Dauer nervt. Schlechteste Noten gäbe es für Schüler, die sich solch eine Aussprache in der Klasse einer weiterführenden Schule erlaubten. In Großbritannien mag das für besondere Würze sorgen, in Neuss funktioniert es nicht. Und da hilft auch das Programmheft nicht, das die Handlung detailliert schildert.
Musikalisch ist eigens ein Komponist und Sound Designer in Gestalt von Adam Gerber angeworben worden. Der hat dieselben Schwierigkeiten wie andere Kollegen seines Fachs. Die Erkenntnis zur Notwendigkeit der Musik im Schauspiel ist angekommen, wie man sie einsetzt, offenbar noch nicht bei allen. Und so ist hier das halbe Herz Trumpf. Mal ertönt so leise etwas im Hintergrund, dass man sich gestört fühlt, mal findet so etwas wie ein Rap statt, ohne dass rechte Überzeugungskraft dahinterstünde.
Etwas irritierend ist der tosende Applaus, der nach dieser Vorstellung einsetzt. Er steht eigentlich weder für die schwache Geschichte noch für die Leistung der Schauspieler, denen man allenfalls zu Gute halten kann, dass sie die übermäßige Textfülle bei gelungener Intonation ohne wesentliche Texthaspler im Griff haben. Zwei weitere Aufführungen stehen auf dem Programm, ehe es am Sonntag Musik aus der Zeit Shakespeares gibt. Darauf freuen sich Insider jetzt schon.
Michael S. Zerban