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GÖTTER, NYMPHEN UND FEEN
(Scherzi Musicali)
Besuch am
18. Juni 2017
(Einmaliges Gastspiel)
Der Zeitpunkt ist gut gewählt. Am Sonntagabend um 18 Uhr ein anderthalbstündiges Konzert anzusetzen, ermöglicht nahezu jedem Besucher, pünktlich zum Tatort wieder zu Hause zu sein. Und die Gäste des Shakespeare-Festivals goutieren das mit einem vollbesetzten Globe-Theater. Das offenbart nach einem schwülen Tag mit Temperaturen über 25 Grad seine Tücken. Trotz geöffneter Luken ist es auf den Rängen bis zur gesundheitlichen Gefährdung heiß. Davon abgesehen sollte man sich – an kühleren Tagen – durchaus mal einen Ausflug in die höheren Sphären gönnen. Da ist man in der Vogelperspektive sehr nah am Geschehen.
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Die überschaubare Bühne des Theaters eignet sich hervorragend für kammermusikalische Aufführungen. Das beweisen an diesem Abend Scherzi Musicali, ein Ensemble der Alten Musik aus Brüssel unter der künstlerischen Leitung von Nicolas Achten. 2006 gründete Achten seine Musikergruppe und hat seitdem beachtliche Erfolge verbuchen können. Er selbst ist so etwas wie ein musikalisches Multitalent. Der Bariton ist zu Professuren für Laute, Barockharfe und Barockgesang berufen. In Neuss vergnügt er sich an Theorbe und Gitarre. So zumindest der Eindruck, wenn man seinem strahlenden Gesicht Glauben schenken darf. An seiner Seite spielen Varoujan Doneyan und Patrizio Germone die Violine, Edouard Catalan die Bassgeige und Philippe Grisvard am Cembalo. Den weiblichen Part des Gesangs übernimmt Deborah Cachet. Was früher als Berufskrankheit unter Kellnerinnen galt: Die ewige Glückseligkeit im Gesicht scheint auch oberstes Gebot des Ensembles.

Das irritiert ebenso wie die Aufführung selbst. Gerade bei Konzerten der Alten Musik hat sich ja so etwas wie die moderierte Aufführung etabliert. Scherzi musicali verzichten darauf. Der Abendzettel auch. Dass Musik aus den Semi-Opern Henry Purcells The Tempest und The Fairy Queen in dieser Form zum ersten Mal in Deutschland wiedergegeben wird, ist immerhin der Website zu entnehmen. Im Abendzettel gibt es die Programmfolge und die Gesangstexte in historischem Englisch. That’s it. Hier wird bestraft, wer die Einführung verpasst oder nicht aufmerksam verfolgt hat. Und das kann allenfalls ein scherzo musicale sein. Erst der willkürlich einsetzende Applaus des Publikums kann den Spielfluss der Musiker stoppen. Die nehmen es mit erstauntem Lächeln. Um dann unvermindert schweigend respektive singend fortzusetzen. Schließlich dauert das Konzert inklusive Pause anderthalb Stunden.
Auch im zweiten Teil der Aufführung verwundert, mit wie vielen Preisen das Ensemble bislang überhäuft worden ist. Möglicherweise entstammt das einer Zeit, in der es reichte, mit historischen Instrumenten aufzutreten. An diesem Abend scheint die Balance gewaltig aus dem Gleis zu geraten. Das Cembalo ist streckenweise gar nicht zu hören; ebenso verschwindet die Theorbe unter den Klängen der Violinen. Im Gesang verschluckt Achten gleich serienweise die Endsilben, und Cachet hängt an den Notenblättern, als koste es ihr Leben. Da wird dann auch schon mal der eine oder andere Einsatz verpasst. All das gewiss nur Kleinigkeiten, die dem Festival-Publikum entgehen. Glücklicherweise. Denn so kann es auch diesen Abend genießen, sofern das in der Hitze auf den oberen Rängen möglich ist.
Und da wird dann auch entschlossen applaudiert und die Zugabe herausgefordert, die ebenso monoton erfolgt. Der Festival-Leitung aber könnte dieser Abend ein Warnsignal sein, den Informationsfluss zu verbessern, um ein jüngeres Publikum für das Festival zu gewinnen. Und so überzeugend die Idee ist, das Festival um einen musikalischen Abend zu bereichern: Der darf dann auch im Konzert erklären, was es mit all diesen Göttern, Feen und Nymphen auf sich hat. Da reicht die Einführung nicht aus, so lange sie nicht zur Pflichtveranstaltung erklärt wird. Und wer will das schon?
Michael S. Zerban