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Reinbert de Leeuw und Barbara Hannigan - Foto © Volker Beushausen

Eingefrorene Seelenlandschaften

USPUD/​SOCRATE
(Eric Satie)

Besuch am
20. August 2017
(Einmalige Aufführung)

 

Ruhrtri­ennale, Jahrhun­dert­halle Bochum

Es ist eine Zugabe der beson­deren Art, die die kanadische Sopra­nistin Barbara Hannigan dem Publikum der Ruhrtri­ennale bescherte. Die gefeierte Mélisande der Eröff­nungs­pre­miere von Debussys Oper Pelléas et Mélisande glänzte in den Kulissen der Debussy-Oper mit einer einzigen Aufführung des „sympho­ni­schen Dramas“ Socrate von Erik Satie. Ein mindestens so eigen­wil­liges und rätsel­haftes Werk wie die Oper von Saties Freund Debussy, die hier in der Urbesetzung für weibliche Singstimme und Klavier in der Bochumer Jahrhun­dert­halle präsen­tiert wird. Aller­dings verzichtet Satie auf jede groteske Überspitzung oder frivole Verzerrung, wie man sie sonst von dem skurrilen Bohemien erwartet. Zu erleben ist eher ein lyrisch geformter, durch und durch ernst gehal­tener intro­ver­tierter Monolog zum Tod des Sokrates. Haupt­sächlich zusam­men­ge­stellt aus Textteilen aus Platons Symposium, Phaedros und Phaidon.

Auch wenn vor allem der dritte Teil, die Beschreibung der Hinrichtung mit der gelas­senen Haltung des „Weisesten und Gerech­testen von allen“, durchaus rührende Momente enthält, verzichtet Satie noch strenger als Debussy auf jeden emotio­nalen Nachdruck.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Barbara Hannigan gestaltet den über 30-minütigen Monolog mit konzen­trierter Wärme ohne den geringsten Hauch senti­men­taler Larmoyanz. Unter­stützt von einem Grand­si­gneur der Moderne, dem mittler­weile 79-jährigen Dirigenten und Pianisten Reinbert de Leeuw am Klavier. Eine hagere Gestalt, die es sich am Klavier so gemütlich macht wie einst Satie in den Künst­ler­kneipen Montmartres. Er wechselt in bequeme Schuhe, steckt sich eine Zigarette an und gönnt sich zunächst einen Schluck Rotwein. Vor der Socrate-Szene überrascht de Leeuw noch mit der 40-minütigen Ballett­musik zu Uspud, einem „christ­lichen Ballett in drei Akten“ über die Bekehrung eines orien­ta­li­schen Chris­ten­hassers, für das sich Satie eine aufwändige, skurrile Dekoration vorstellte, auf die der polnische Regisseur Krzysztof Warli­kowski im leeren Bühnenraum der Pelléas-Ausstattung von Malgorzata Szczęśniak jedoch völlig verzichtet. Das Publikum in der Jahrhun­dert­halle gruppiert sich an zwei Seiten um einen zentral postierten Flügel, um den sich Barbara Hannigan langsam wie in Trance mit sparsamen, aber pointiert gesetzten Gesten und Schritten bewegt. Beide Stücke wirken zu den dünnen, zerris­senen Klavier­ak­korden von Saties Musik wie einge­frorene Seelen­land­schaften, denen die Sängerin allein durch ihre Stimme mensch­liches Leben verleiht.

Eine immense Heraus­for­derung an die Konzen­tration der Künstler, die das Werk in der gleichen Besetzung und Konstel­lation bereits im letzten Jahr zur Eröffnung des von Warli­kowski gelei­teten Nowy Teatrs in Warschau gezeigt haben. Langan­hal­tender Beifall für alle Beteiligten.

Pedro Obiera

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