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Foto © Pedro Malinowski

Requien voller Lebenskraft

MEMORIA
(Luis de Victoria, John Cage, Morton Feldman)

Besuch am
27. August 2017
(Premiere am 25. August 2017)

 

Ruhrtri­ennale, Maschi­nen­halle Zeche Zollern, Dortmund

Vor einer Woche begeis­terten Philippe Herre­weghe und das Collegium Vocale Gent mit einer vorbild­lichen Aufführung von Claudio Monte­verdis Marien-Vesper in der kathe­dral­ar­tigen Maschi­nen­halle der Dortmunder Zeche Zollern. Die Ruhrtri­ennale und das Ruhrgebiet insgesamt können sich glücklich schätzen, dass sich mit dem ChorWerk Ruhr ein Gesangs­en­semble heran­ge­bildet hat, das unter der Leitung von Florian Helgath dem Niveau der berühmten Gäste stand­halten kann.

Mit Memoria, einer äußerst anspruchs­vollen und origi­nellen Programm­zu­sam­men­stellung mit Werken ganz alter und immer noch sehr moderner Kompo­nisten setzen die Revier-Sänger einen weiteren musika­li­schen Markstein.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Publikum
Chat-Faktor

Auf welchem Stand sich der Chor derzeit bewegt, kann man sogar an der Zugabe ablesen. Keine lockere Pretiose, sondern mit Gregorio Allegris ebenso berühmtem wie selten live zu erlebendem Misere aus dem Jahre 1630 erklomm man zum Abschluss einen extrem schwie­rigen und unbequemen Gipfel der Chorli­te­ratur. Das lange Zeit nur der Sixti­ni­schen Kapelle vorbe­haltene Werk ist dreichörig angelegt, dessen überwäl­ti­gende Wirkung in der lang gezogenen Maschi­nen­halle mit seiner brillanten Akustik klang­schön, blitz­sauber und in vollendeter Homoge­nität zum Tragen kommt.

Foto © Pedro Malinowski

Der Wechsel von den zeitge­nös­si­schen Gesängen John Cages und Morton Feldmans in die 400 Jahre zurück­lie­gende Welt der Gegen­re­for­mation bereitet dem Chor nicht die geringsten Probleme. Die knifflige Intonation der auf breite Klang­flächen angelegten Werke Feldmans, allen voran die Rothko Chapel aus dem Jahr 1971, ergänzt durch Viola, Celesta und Schlagzeug, gelingt problemlos, so dass der requi­em­hafte Charakter des Stücks zum Ausdruck kommt und trotz der äußeren Unbeweg­lichkeit der Klang­flächen ein leben­diger Klang entsteht. Das muss man erst einmal können.

Und auch die polyphone Welt des Frühba­rocks, die der Spanier Tomás Luis de Victoria in seinem 1605 entstan­denen Requiem für sechs­stim­migen Chor, dem Officium Defunc­torum erklingen lässt, geht trotz mancher litanei­ar­tiger Wieder­ho­lungen jede Monotonie ab.

Das Publikum zeigt sich von der perfekten gesang­lichen Leistung des Spitzen­chors tief beein­druckt und bedankt sich mit langan­hal­tendem Beifall.

Pedro Obiera

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