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PROJECTING [SPACE]
(Meg Stuart)
Besuch am
31. August 2017
(Premiere)
Betrachtet man die herrlichen Gebäude, Glasfenster und Zierereien auf der Dortmunder Zeche Zweckel, können die Denkmäler der einstigen Industriehochburgen des Ruhrgebietes mit Fug und Recht als „Kathedralen der Arbeit“ bezeichnet werden. In Dinslaken ist das anders. Von den vielen Spielstätten der Ruhrtriennale mit ihren stillgelegten Zechen und Stahlwerken präsentiert sich die Zeche Lohberg als die schmuckloseste und vielleicht authentischste. Doch gerade das graue Ambiente der großen, vom Verfall bedrohten Zentralwerkstatt mit ihrem tristen, schlammigen Umfeld animierte die Tänzer- und Schauspielgruppe um die Choreografin Meg Stuart und den Bühnenbildner Jozef Wouters zu besonders kreativen Gegenentwürfen, die den toten Mauern und Plätzen Leben einhauchen sollten.
Für ihr Projecting [Space] campierte die insgesamt 15-köpfige Truppe einen ganzen Monat auf dem Vorplatz und erarbeitete eine zweistündige Performance, die der sprudelnden Fantasie der Künstler keine Schranken setzte. Geboten wird nun ein Feuerwerk der Improvisation, das sich wie ein Füllhorn unterschiedlichster künstlerischer Richtungen, Stile und Techniken des Tanztheaters über die aufgeschlossenen Besucher ergießt.
| Musik | ![]() |
| Tanz | ![]() |
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| Publikum | ![]() |
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Es beginnt mit recht banal anmutenden szenischen Reflexen, die an die 1970-er Jahre erinnern. Ein schrottreifer PKW wird mit Bändern, Blumen und Stoffen zu einer Flower-Power-Ikone geschmückt, auf kleinen Baggern und Gabelstaplern räkeln sich ein paar mutige Tänzer. Dann zieht der Besucherstrom in einer langen Prozession in die Werkshalle, die an den Seiten mit deckenhohen Gerüsten drapiert ist, durch die sich die Tänzer zunächst mit affenähnlicher Behändigkeit hangeln.

Es setzt eine Mischung aus Circus, Fluxus-Provokation mit nackter Haut und schlichten, etwas kindlich anmutenden Kreationen aus verstreutem Farbpulver, vitaler Eventkultur mit wehenden Paragliding-Segeln und Anleihen an asiatische und indianische Riten ein. Das Ganze gipfelt in einer brutalen, einem indianischen Kriegstanz angelehnten Stampf-Orgie, die durch die konsequente Härte, mit der sie zu den ohrenbetäubenden Klängen des Sounddesigners Vincent Malstaf bis zur ekstatischen Erschöpfung ausgeführt wird, gar nicht erst in die Nähe von verzuckerter Karl-May-Romantik gerät. Zum Schluss trifft man sich vor der Halle an einem großen Lagerfeuer.
Eine quicklebendige, bisweilen überdrehte Performance mit einigen banalen, wenn nicht infantilen Akzenten, jedoch insgesamt mit hohem Unterhaltungswert, in der die Künstler alltägliche Erfahrungen und Bilder aus ungewohnten Perspektiven reflektieren.
Das zunächst etwas verwunderte Publikum lässt sich schnell von dem eigenartigen Reiz der Aufführung fesseln und bedankt sich mit lang anhaltendem Beifall.
Pedro Obiera