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Zwischen Bauchtanz und Peep-Show

CAEN AMOUR
(Trajal Harrell)

Besuch am
6. September 2017
(Premiere)

 

Ruhrtri­ennale, PACT Zollverein, Essen

An multi­kul­tu­reller Vielfalt mangelt es der neuen Produktion des Choreo­grafen Trajal Harrell beileibe nicht, dessen einstündige Kreation Caen Amour derzeit im Rahmen der Ruhrtri­ennale im Essener PACT Zollverein gezeigt wird. Alle Kulturen und Zeiten, die Harrell dem Stück einver­leibt, verbinden jedoch trotz ihrer großen Diffe­renzen die sanften und rohen Anzie­hungs­kräfte sexueller Urtriebe.

Trajal orien­tiert sich am Modell des Hoochie-Koochie, einer in den 1920-er Jahren in Amerika zur Erotik-Show verküm­merten Parodie des orien­ta­li­schen Bauch­tanzes, die einer­seits das Interesse der – weißen – Menschen an exoti­schen Reizen dokumen­tiert, anderer­seits tiefe Einblicke in rassis­tisch gefärbte sexis­tische Fantasien westlicher (Männer-)Kulturen bloßlegt.

POINTS OF HONOR

Musik
Tanz
Choreo­grafie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Eine schlichte, puppen­haus­artige Kulisse von Jean Stephan Kiss spielt mit orien­ta­li­schen Assozia­tionen und dient einer Art Cat-Walk für eine erotisch aufge­heizte Moden­schau mit diversen Textilien unter­schied­licher Kulturen. Das Publikum darf im Laufe der Aufführung auch hinter die azurblaue Fassade blicken, die einen herun­ter­ge­kom­menen Verschlag verbirgt, der den Tänzern als Umkleide- und Aufent­haltsraum dient. Die scheinbar glitzernde Show-Welt erhält massive Risse.

Foto © Robin Junicke

Als Blickfang dient die Schau­spie­lerin Perle Palombe, die sich äußerst freizügig mit wenig oder gar nichts verhül­lenden Textilien umgibt und die in ihrer Anmut und aufrei­zenden Grazie einen beklem­menden Kontra­punkt zur Tristesse der Arbeits­stätte setzt. Damit die beein­dru­ckende Perfor­mance der Französin den Hormon­haushalt der Besucher nicht völlig durch­ein­an­der­bringt und das Ganze nicht irgendwann in die Schmud­delecke einer ästhe­tisch aufge­wer­teten Peep-Show abgleitet, kühlen die Tänzer Thibault Lac und Ondrej Vidlar in züchtig-hässlichen Alltags­kla­motten mit arg aufge­setzten tuntigen Bewegungs­for­ma­tionen den femininen Reiz der Show ab.

Auch wenn der Kern des Stücks, die „Bühnen-Show“, nur 40 Minuten dauert, nachdem sich Harrell zunächst einmal zehn Minuten lang allein in eine Art Trance versetzt und eine Moderation dem Publikum strenge Verhal­tens­regeln mit auf den Wanderweg gibt, nutzt sich besonders das einsilbige und aufdring­liche Bewegungs­re­servoir der „weiblichen“ Männer recht schnell ab, so dass deren Beitrag wie eine mäßig gut parodierte Moden­schau wirkt. Insgesamt bleiben die tänze­ri­schen Anteile recht bescheiden.

Musika­lisch untermalt Harrell das Ganze mit diversen Soft-Songs, vielfältig einge­färbt mit orien­ta­li­schem, ameri­ka­ni­schem und afrika­ni­schem Kolorit, wobei die von Trajal und den Darstellern selbst entwi­ckelten Tuche und Kostüm­teile munter durch­mischt werden und im Gleich­klang mit oder im Kontrast zur Musik inter­es­sante kultu­relle Kreuzungen ergeben. Ein Hinweis auf die globale Univer­sa­lität des Themas.

Das Publikum bedankt sich mit freund­lichem Beifall für eine Aufführung von begrenztem tänze­ri­schem Wert und manchem Leerlauf, die haupt­sächlich von einer inter­es­santen Idee und einer ausstrah­lungs­starken Protago­nistin getragen wird.

Pedro Obiera

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