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Zum 18. Mal findet vom 14. bis zum 16. Dezember am Timmendorfer Strand der Maritim-Gesangswettbewerb statt, der sich längst zum Wettbewerb der fünf norddeutschen Musikhochschulen gemausert hat und international besetzt ist. 15 Kandidaten sind zu den Finalrunden angetreten, um sich vor einer Jury zu beweisen. Beim ersten Halbfinale gibt es bereits Lichtblicke.

Früher mussten wir Glück haben, wenn die Anmeldungen zum Wettbewerb bis September oder Oktober einliefen. Heute liegen sie spätestens im Mai vor“, erzählt Rainer Wulff, Mitbegründer des Maritim-Gesangswettbewerbs und bis heute Jury-Vorsitzender, in kleiner Runde. Über viele Jahre hat Wulff den Wettbewerb behutsam auf- und ausgebaut. Heute nehmen alle fünf norddeutschen Hochschulen – Bremen, Hamburg, Hannover, Lübeck und Rostock – am Wettbewerb teil. Ein Wettbewerb, der dafür steht, dass die Jugend längst nationale Grenzen überwunden hat. Zur ersten Ausscheidungsrunde, die traditionell in den Hochschulen stattfindet, traten Sänger beiderlei Geschlechts aus nicht weniger als 23 Nationen an.
Es gibt sie, die andere Seite der Provinz. Wo Weltoffenheit zuhause ist. Am Timmendorfer Strand finden sich 15 Kandidaten mit ihren Klavierbegleitern ein, um friedlich in Wettstreit um den besten Gesang zu treten. Immer noch sind es 14 Nationen, die hier vertreten sind. Zwei Halbfinals liegen vor der achtköpfigen Jury, ehe sie am Samstag zu entscheiden hat, wer im Finale den ersten Platz von sechs verbliebenen Anwärtern einnimmt. In bewährter Weise besteht das Entscheidungsgremium aus verschiedenen Berufsfeldern. Milana Butaeva ist Sängerin, Dominique Caron und Cornelia Preissinger bekleiden leitende Funktionen im Musiktheater, Christian Strehk ist von Hause aus Musikwissenschaftler, Jürgen Feldhoff, Hans-Peter Preiß und Michael Zerban stehen für leitende Funktionen im Kulturjournalismus. Diskussionsfreudig treffen die Experten aufeinander, um schließlich dann doch in geheimer Abstimmung für größtmögliche Gerechtigkeit in der allfälligen Entscheidung zu sorgen. Doch bis dahin liegt vor allen Beteiligten noch ein harter, steiniger Weg, der allerdings in der Regel von allerlei beglückenden Gesangserlebnissen versüßt wird.
Und so versammeln sich Jury, Publikum und Sänger erstmalig nicht im Konzertsaal, sondern in einem kleineren Saal mit einer hervorragenden, trockenen Akustik, die der Klavierbegleitung viel Spielraum gibt und die Stimmen hervorragend zum Publikum transportiert. Wulff übernimmt auch in diesem Jahr wieder die Moderation und stellt auch prompt seine Standardfrage, wie viele Menschen zum ersten Mal dabei seien. Da staunt man über den hohen Anteil des Stammpublikums.
Staunenswert ist auch der hohe Ausbildungsstand der Kandidaten und insbesondere ihrer Klavierbegleiter. Letztere treten vielfach außer Konkurrenz an, weil sie längst ihre Karrieren begonnen und die Arbeit in der Hochschule hinter sich gelassen haben oder auf die Seite der Lehrenden gewechselt sind.
Den Anfang macht Dorothee Bienert in der Begleitung von Yu-Ya Huang. Die 26-Jährige aus Oldenburg kommt von der Musikhochschule Lübeck und hat bereits erfolgreich an Wettbewerben teilgenommen. Auch Solo-Auftritte hat sie bereits zahlreich absolviert, unter anderem in der Laeiszhalle und der Elbphilharmonie in Hamburg. Sie präsentiert zwei Arien von Friedrich Smetana und Wolfgang Amadeus Mozart sowie ein Lied von Franz Schubert. Ihr folgt Adelya Zabarova mit einer Arie von Dvorák, einem Chanson von Emmerich Kálmán und einem Lied von Richard Strauss. Die 28-Jährige, die aus Russland stammt, studiert in Rostock, hat aber ihre Karriere bereits begonnen. Begleitet wird sie von Nikolay Shalamov, der bereits im vergangenen Jahr einen Preis beim Maritim-Gesangswettbewerb abräumte. Mit dem 23-jährigen Bariton Dong Fang Xie tritt der jüngste Teilnehmer des Wettbewerbs in Begleitung von Niki Liogka auf. Ein Lied von Franz Schubert und zwei Arien von Haydn und Mozart stehen auf dem Programm. Da bekommen die Besucher dann auch schon mal Flötentöne zu hören.
Anna Schaumlöffel kommt aus Hannover und setzt Anastasia Sokolova ans Klavier. Mit ihren 26 Jahren hat sie bereits mehrere Ausbildungsgänge und Auftritte hinter sich. Auch hier wieder Mozart, ein Lied von Joseph Haydn, aber auch Animal Passion von Jake Heggie. Mozart-Liebhaber kommen hier voll auf ihre Kosten. Auch der 28-jährige Eungdas Han aus Südkorea, der derzeit in Lübeck studiert und in Begleitung von Da Yun Choi antritt, hat eine Arie des Meisters auf dem Programmzettel. Neben einem Lied von, ja, Haydn erweist er Francesco Cilea mit einer Arie die Ehre. Die 23-jährige Ascelina Klee lässt sich von Daan Boertien begleiten. Sie studiert in Hamburg und beginnt mit Voi, che sapete – dazu ist jetzt nichts mehr zu sagen – ehe sie mit Claudio Monteverdi Abschied von Rom nimmt und einen eindrucksvollen Vortrag des Erlkönigs von Franz Schubert hinlegt. Zum Abschluss des Halbfinals ist die chinesische Sopranistin Shuang Zhang in Begleitung von Heidi Aalto zu erleben. Sie studiert in Bremen, nachdem sie bereits ihren Master in Musikwissenschaft in der Heimat absolviert hat. Sie hat das ungewöhnlichste Angebot mit einer Arie von Jules Massenet, einem Richard-Strauss-Lied und I hate Music! von Leonard Bernstein anzubieten.
Den Teilnehmern gelingt es, dem Publikum einen kurzweiligen Nachmittag zu bereiten, das sich dafür mit ausreichendem Applaus bedankt. Das Programm allerdings verdient eine Rüge für die Professoren der beteiligten Hochschulen. Konservativer geht es kaum. Mozart, Schubert, Haydn und als Ausrutscher ein Heggie. Das ist schlicht peinlich. Das Thema wird beim zweiten Halbfinale sicher mehr Raum greifen. Bis dahin gibt ein erstes Meinungsbild unter den Juroren, aber auch den anwesenden Professoren her, dass es unter den Sängerinnen zwei, drei Lichtblicke gibt. Aber wie das mit Gesangswettbewerben immer so ist: Abgestimmt wird zum Schluss.
Michael S. Zerban