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Foto © O-Ton

Mehr Spielraum

Das zweite Halbfinale des Maritim-Gesangs­wett­be­werbs am Timmen­dorfer Strand zeigt mehr Vielfalt im musika­li­schen Programm. Eine Stunde nach dem Ende des zweiten Durch­gangs werden die Gewinner bei der Klavier­be­gleitung und die Teilnehmer am Finale bekannt­ge­geben. Und der Wettbewerb offenbart einmal mehr seine Stärken.

Judith Öster­reicher – Foto © O‑Ton

Am Vormittag reisen die Teilnehmer des zweiten Halbfi­nales an. Noch sieht man ihnen die Aufregung nicht an, von der Torsten Statz, der die Sänger backstage betreuen wird, später berichten wird. Mit ihren Köfferchen ziehen sie unauf­fällig in das Vier-Sterne-Superior-Hotel ein. Sie sind froh, dass sie bei zwar kalter Luft, aber immerhin regenfrei an die Rezeption kommen.

Alle haben sich darauf vorbe­reitet, zwei Nächte hier zu verbringen. Tatsächlich wird es nur einigen von ihnen gelingen. Das sind die Regeln: Wer es nicht schafft, reist am nächsten Tag wieder ab.

Das wirklich Erstaun­liche dieses Wettbe­werbs ist, dass er quasi im Geheimen statt­findet. Im Ort hängen große Plakate, die auf die Veran­stal­tungen im Dezember hinweisen. Vom Gesangs­wett­bewerb keine Spur. Im Aufzug findet sich ebenso­wenig ein Hinweis wie im Speisesaal. Kurzum: Wer den Wettbewerb besuchen oder überhaupt davon erfahren will, hat kaum eine Chance. Das ist betrüblich und trägt den Leistungen der Sänger in keiner Weise Rechnung. Umso unver­ständ­licher, weil das Hotel einer der Haupt­spon­soren ist und wirklich in vorbild­licher Weise viel Geld, Ressourcen und Service inves­tiert, um das Geschehen auszurichten.

Trotzdem schaffen es vergleichs­weise viele Gäste in den Saal im Keller. Und sie bekommen ein anspruchs­volles Programm geboten. Sopra­nistin Sophia Körber geht in Begleitung von Yun Qi Wong  an den Start. Die 27-jährige Körber stammt aus Brandenburg und hat in Hannover studiert. Nach Karol Szyma­nowskis Einsamem Mond aus den Liedern einer Märchen­prin­zessin gibt es endlich wieder Mozart. Aus der Entführung aus dem Serail versucht sich Körber an Durch Zärtlichkeit und Schmei­cheln. Aber es gibt auch Verdi und Es träumt die ganze Welt  von Liebes­glück von Johann Strauß in einer Bearbeitung von Erich Wilhelm Korngold.  Da gibt es durchaus noch Schwächen, aber wenigstens schon einmal Mut zum Aufbruch in die Moderne, wenn auch noch weit entfernt von der Gegenwart. Noch stärker am Publi­kums­ge­schmack richtet sich Juliane Bookhagen aus. Die 30-Jährige stammt gebürtig aus dem Havelland und studiert in Rostock. Begleitet wird sie von András Vermesy, wenn sie Spiel auf deiner Geige von Robert Stolz schmachtet. Nach einer weiteren Mozart-Arie greift sie zur Weinflasche, um Ich lade gern mir Gäste ein von Johann Strauß zu intonieren. Dem Publikum gefällt’s. Reichlich altmo­disch gibt anschließend der 24-jährige Tenor Daniel Schliewa aus Lübeck das Wolgalied von Franz Lehár zum Besten. Am Flügel hat Mira Teofilova Platz genommen. Nur so ein Mädel gibt es auf der Welt, wusste schon Paul Abraham und Schliewa gibt es sehr konser­vativ wieder. Warum Schliewa sich in diesem Rahmen an Richard Wagner versuchen muss, ist unerfindlich. Kräftig singen reicht bei Parsifals Nur eine Waffe taugt nicht aus. Es ist ja legitim, bei einem Wettbewerb mit ungewöhn­lichem Liedgut glänzen zu wollen, aber die eigene Messlatte sollte überwindbar bleiben. Und da darf man auch von den Lehrern erwarten, dass sie da lenkend einwirken.

Im vergan­genen Jahr konnte Mariam Murgulia sich schon einmal für das Halbfinale quali­fi­zieren. Vor 26 Jahren in Georgien geboren, studiert sie derzeit in Bremen und wagt einen neuen Versuch. Mitge­bracht hat sie Nina Orjanelli, die sie am Flügel begleitet. Una voce poco fa aus dem Barbier von Sevilla von Gioac­chino Rossini gehört zum Standard­re­per­toire einer Mezzo­so­pra­nistin. Da erwartet man schon eine ganz besondere Inter­pre­tation. Neben dem Klassiker präsen­tiert Murgulia Gustav Mahlers Urlicht, ehe sie dann wirklich mit dem Canto Negro von Xavier Montsal­vatge punkten kann. Umso mehr fällt die gepflegte Lange­weile auf, die Bariton Jaewon Kim mit seiner Frau Yeonwoo Lee am Flügel verbreitet. Er ist 31 Jahre jung und strebt derzeit in Rostock seinen Master an. Zwar ist die Programm­auswahl mit Bach, Strauss und Lortzing gelungen, aber der Sänger bleibt so gut wie unsichtbar. Ganz im Gegensatz zu Irina Bogdanova. Die 24-jährige Sopra­nistin ist im russi­schen Wolgograd geboren, in Hamburg aufge­wachsen und studiert dort nun auf Bachelor. Hochdra­ma­tisch geht es zu, wenn sie die Loreley von Franz Liszt und Mainacht von Johannes Brahms vorträgt. Das unter­stützt Daria Parkho­menko tatkräftig am Flügel. Nach der Arie Tu che di gel sei cinta aus Puccinis Turandot tritt dann der letzte Mann des Nachmittags auf. Es ist der 28 Jahre alte, aus China stammende Bassba­riton Yinghao Liu, der sich derzeit auf einen weiteren Master in Hannover vorbe­reitet. Daniel Rudolph sekun­diert ihm, wenn er mit der Romanze Studia il passo … Come dal ciel percipita aus Giuseppe Verdis Macbeth antritt. Zwei weitere Arien von Mozart und Bizet runden den Auftritt ab. Judith Öster­reicher rundet den Nachmittag mit einem überzeu­genden Auftritt und gut gewähltem Programm ab. Bis zuletzt hatte die 27-jährige Sopra­nistin aus Öster­reich, die in Hamburg studiert, aus gesund­heit­lichen Gründen um ihre Teilnahme zittern müssen. Aber die Anspannung hat sich gelohnt.

Denn schon eine Stunde später erfährt sie, dass sie sich mit Puccini, Händel und Strauss ins Finale gesungen hat. Rainer Wulff verkündet die Final­teil­nehmer nach der geheimen Abstimmung der Jury. Neben Öster­reicher sind es Irina Bogdanova, Yinghao Liu, Ascellina Klee, Shuan Zhang und Juliane Bookhagen. Die sechs Finalisten müssen am Samstag­abend beweisen, dass die Jury richtig gewählt hat. Insgesamt wirkt die Entscheidung ausge­wogen. Bei der Leistung von Anna Schaum­löffel aller­dings hätte man sich dann doch sieben Finalisten gewünscht.

Beim Maritim-Gesangs­wett­bewerb ist es gute Sitte, dass dieje­nigen, die das Finale nicht erreicht haben, Gelegenheit bekommen, nach der Bekanntgabe der Finalisten mit Mitgliedern der Jury ins Gespräch zu gehen, um zu erfahren, was sie an ihrer Leistung verbessern können. Auch in diesem Jahr wird davon rege Gebrauch gemacht. Beim gemein­samen Abend­essen steigt dann allmählich die Vorfreude auf den kommenden Tag – auf das Finale.

Michael S. Zerban

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