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Foto © Gregory Batardon

Nackt zwischen den Welten

CONTRE-MONDES
(Guilherme Botelho)

Besuch am
20. Juli 2018
(Deutsche Erstaufführung)

 

Asphalt-Festival, Halle 29, Alte Farbwerke, Düsseldorf

Eine der häufigsten Kritiken am zeitge­nös­si­schen Tanz betrifft das Licht, neigen viele Choreo­grafen doch dazu, ihre Tänzer auf unter­be­lich­teten Bühnen antreten zu lassen, offenbar in der Überzeugung, das erzeuge Spannung statt Ärgernis beim Zuschauer, der nur die Hälfte der Leistung zu sehen bekommt. Guilherme Botelho schlägt dem Fass jetzt den Boden aus. Er schaltet zu Beginn der deutschen Erstauf­führung von Contre-Mondes – zu Deutsch Gegen­welten – das Licht ganz aus. Im Saal der Halle 29 ist es stockfinster.

Aller­dings sind vor Beginn der Aufführung handliche Nacht­sicht­geräte ausge­geben worden, so dass die Zuschauer dem Geschehen auf der Bühne auch in der Finsternis mehr oder minder folgen können. Dabei geht es wohl weniger um die Handlung – ein junger, nackter Mann hockt auf dem Boden, erhebt sich, bewegt sich durch den Raum, schnüffelt – als um den Effekt, den die neue Sicht­weise beim Zuschauer auslöst. Vielen, vor allem Frauen, erscheint der einäugige Blick auf das grobkörnige Schwarzweiß-Bild, das sich ihnen bietet, voyeu­ris­tisch. Andere fühlen sich an einen Nacht­spa­ziergang erinnert, bei dem ein Tier auf einer Lichtung auftaucht. Ganze acht Minuten dauert diese Erfahrung. An der oberen Kante der etwa ein Meter hohen, schwarzen Trennwand zwischen Tanzfläche und Tribüne leuchtet eine LED-Leiste auf und nimmt den Geräten ihre Wirkung.

Foto © Gregory Batardon

Die durch­kom­po­nierte Musik von Murcof nimmt allmählich Fahrt auf. Im Laufe der einstün­digen Vorstellung wird das Publikum auch akustisch einige Höhepunkte erleben, die sich mit dem Geschehen auf der Bühne decken. Dort wird zunächst der Teil eines nackten Körpers sichtbar. Oberhalb des Schwarz, das wie eine Seenober­fläche auf Höhe der Abschluss­kante der Trennwand bestehen bleibt. Mehr und mehr Körper­teile werden oberhalb dieses Levels sichtbar. Beine und Hände von acht Tänzern der Compagnie Alias werden für Sekun­den­bruch­teile im orange-gelben, diffusen Licht erkennbar. Mal scheinbar willkürlich, mal geordnet, schwingen die nackten Beine von vorn nach hinten und umgekehrt. Nach einer Viertel­stunde taucht flüchtig das erste Gesicht auf. Die Bewegungen bleiben immer überra­schend, weil keiner weiß, wo sie als nächstes an der Oberfläche erscheinen. Nur in den ruhigeren Musik-Passagen ist das schwere Atmen der Tänzer zu hören, das anzeigt, wie anstrengend die Bewegungen sind, die die Körper­teile scheinbar schwe­relos erkennbar werden lassen. Eine Dreivier­tel­stunde dauert es, bis die ersten Körper in Gänze und unbekleidet für Sekunden sichtbar werden. So bewegen sich die Tänzer ständig zwischen zwei Welten, während Teile von ihnen nur in der einen vorhanden zu sein scheinen.

Der Beleuch­tungs­trick, den Yann Marussich einge­richtet hat, ist genial – solange das Tages­licht außen vor bleibt. Das beweist eindrucksvoll eine Zuschauerin, die mal eben zwischen­durch den Saal verlässt. Dann nämlich wälzen sich die Tänzer scheinbar sinnlos in einem aschgrauen Licht auf dem Boden. Der Aufführung schadet es nicht. Kaum ist die Dunkelheit zurück­ge­kehrt, stellt sich auch die Faszi­nation an der Illusion wieder ein.

Botelho ist hier ein eindrucks­voller, neuer Aspekt gelungen, den auch seine Kollegen von der Coope­rativa Maura Morales und Cocoon Dance nicht kannten, die die Vorstellung ebenfalls besuchen und sich anschließend begeistert zeigen. Schade, dass der Choreograf, obwohl anwesend, zum Schluss­ap­plaus nicht mit auf die Bühne kommt, um den zweifellos verdienten, kräftigen Beifall entge­gen­zu­nehmen. Am Samstag, dem vorletzten Tag des Festivals, ist die Aufführung noch einmal zu sehen. Außerdem wird Botelho im Herbst bei der Tanzmesse zu Gast sein.

Michael S. Zerban

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