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Foto © Christoph Sebastian

Aufgeblasen und banal

NORDSTADT PHANTASIEN
(Schorsch Kamerun)

Besuch am
23. August 2018
(Urauf­führung)

 

Ruhrtri­ennale, Dortmund-Nordstadt, Gneisen­au­straße 55

Dass Dortmund-Nordstadt mit seinen krimi­nellen Clan-Bildungen zu den Problem­zonen des Ruhrge­bietes gehört, ist bekannt. Aller­dings beschreiben die Negativ­nach­richten, wie auch die über Duisburg Marxloh, nur eine Seite des realen Alltags. In der multi­kul­tu­rellen Leben­digkeit, die von dem Stadtteil mit seinen gemüt­lichen Kiosken, Szene-Kneipen und beindru­ckenden Gottes­häusern ausgeht, sieht Schorsch Kamerun ungeahnte Ressourcen, die uns in eine „urbane Goldgrä­ber­stimmung“ versetzen sollten. Und dazu möchte er mit seinem Projekt Nordstadt Phantasien anregen, das als einer der wichtigsten Beiträge der diesjäh­rigen Ruhrtri­ennale angekündigt wurde. Das Ganze nennt Kamerun „musik­thea­trale Instal­lation einer urbanen Goldgrä­ber­stimmung“ und der hochge­sto­chene Titel passt zum Stadtbild ebenso wenig wie die gesamte zwischen abgeho­benem Dozierstil und platter Banalität angesie­delte Produktion.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Das Publikum sitzt eng gedrängt in einem eigens errich­teten Glasquader mit Blick auf ein reales Straßen­pan­orama mit Geschäften, die vom Kiosk und Obstladen bis zum Fitness­studio städtische Lebens­freude ausstrahlen. Die Anwohner werden zu Mitwir­kenden. Eine Chance, die vor allem die Kinder mit großer Freude nutzen. Das an sich ist angesichts seines Unter­hal­tungs­werts schon sehenswert. Das Treiben wird jedoch durch mehrere Spiel­szenen und Szenarien ergänzt, die die Zuschauer im Glasaquarium optisch freilich nur begrenzt wahrnehmen können, so dass sie sich mit dürftigen Schwarz-Weiß-Projek­tionen auf kleinen Fernseh-Monitoren begnügen müssen. Vieles bleibt dennoch unverständlich.

Foto © Christoph Sebastian

Der stolz angekün­digte Stand mit Dortmunder Süßwas­ser­quallen bleibt quasi unsichtbar, ein Ruhrquallen-Tanz mit großen Schwimm­reifen verbreitet den Charme eines Kinder­ge­burtstags. Ein Akkordeon-Orchester stellt sich in Position, zu hören ist kaum etwas von ihm. Versetzt wird das andert­halb­stündige Treiben mit langat­migen Monologen einer fiktiven „Kiez-Tochter“, einer Eppen­dor­ferin, eines Investors und Gedanken Schorsch Kameruns. Das Publikum bleibt jedoch vom Straßen­leben ausge­sperrt, anstatt sich darin tummeln zu dürfen und mehr wahrnehmen zu können.

Musik gibt es auch. Bescheiden origi­nelle, musika­lisch monotone, recht larmoyant vorge­tragene Songs des Sängers PC Nackt mit hilflos zusam­men­ge­bas­telten Texten über die Schön­heiten und Schat­ten­seiten der Nordstadt elimi­nieren in ihrer trockenen Gleich­för­migkeit vollends die Reize des leben­digen Stadtteils.

Was Kamerun letztlich mit dieser merkwür­digen Produktion bezwecken will, bleibt schlei­erhaft. In dieser Form wirkt sie wie eine mäßig gute Zirkus­nummer über einen exotisch anmutenden Stadtteil mit sehr deutschen Beleh­rungen und Erläuterungen.

Pedro Obiera

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