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Foto © Carole Parodi

Man höre, sehe und staune

SIEGFRIED
(Richard Wagner)

Besuch am
15. Februar 2019
(Premiere)

 

Grand Théâtre de Genève

Die Étage noble im ersten Stock des Grand Théâtre de Genève ist sozusagen der Höhepunkt der abgeschlos­senen Renovierung des Hauses. Stilvoller, pracht­voller kann man sich kaum ein Foyer im Opernhaus vorstellen. Die vorher eher blassen Wände haben ihre Origi­nal­farben zurück­er­halten. Goldene Anstriche, beige- und zart rosafarbene Holzver­tä­fe­lungen sorgen für große Augen der Besucher. Fresken wurden gesäubert, Farben rekon­struiert, Tapis­serien restau­riert. Unglaub­liche viele Details scheinen nur ein einziges Ziel zu haben: Den Zuschauer in Staunen zu versetzen. Ähnliches müssen sich Dieter Dorn und Jürgen Rose für den zweiten Abend des Rings des Nibelungen vorge­nommen haben. Da wird nicht gekle­ckert, sondern vor allem in den ersten beiden Akten ein Bühnenbild herbeigeklotzt.

Der Wald als unheim­liches Element der Natur beherrscht schon die Hinter­bühne, wenn der keines­falls schon resignie­rende Wotan Mimes Schmiede aus der Bühnen­tiefe nach oben fahren lässt und seinen Platz als Wanderer einnimmt. Die ist mit einem Dach auch noch dreidi­men­sional bespielbar, was Dieter Dorn zu einer höchst leben­digen Perso­nen­führung hinreißen lässt. Da darf geklettert, gesprungen aber auch innege­halten werden, und ein Bär verschwindet rollend im Unterholz. Ein Schwert wird natürlich auch geschmiedet mit allem, was dazugehört: zischender Rauch, ein glühender Ofen sowie ein arbei­tender Blasebalg. Zum Schluss des Aktes darf Siegfried sogar noch einen Amboss zerschlagen. Es ist ein grandioses Beispiel dafür, wie ansehnlich eine ganz klassische Insze­nierung sein kann, wenn man die Musik Wagners als Grundlage nimmt und sie mit den heutigen Möglich­keiten und der Fantasie eines kreativen Teams kombi­niert. Der zweite Akt wartet dann mit allerlei schönen Details auf. Ganz stark hat Dorn das Aufein­an­der­treffen von Licht- und Nacht­alben insze­niert. Wotan und Alberich begegnen sich im vom Wind verwehten Laub wie die zwei Seiten einer Medaille. In den Kostümen von Rose und dazu in ihrer natür­lichen Gestalt auch recht ähnlich sehen sie aus wie Brüder. Wotan in hellem Beige, Alberich schwarz. Roses Kostüme sind immer sehr passend zusam­men­ge­stellt. Tobias Löffler sorgt mit dem Licht für die unter­schied­lichen Stimmungen im Wald. Der besteht aus zwei großen, beweg­lichen Bäumen, die eher an mutierte Kakteen erinnern. Zahlreiche Statisten sorgen für Bewegungen in den mit Stoff bespannten Armen, die sich dann auch als Teile des Drachen Fafner offen­baren. Dessen riesiges Gesicht mit einem Herz darunter bläht sich im Hinter­grund bedrohlich auf. Ganz putzig sind die von den Statisten geschwenkten Vögel, die Siegfried umkreisen. Geführt vom Arm der Sopra­nistin Mirella Hagen entsteht mit einem beson­deren roten Vogel die Unter­haltung mit dem Waldvöglein, das den Helden zu Brünn­hilde führen will.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Mit Beginn des dritten Aktes hören Rose und Dorn auf die sich geänderte Musik­stimmung Wagners und kehren zu der konzen­trierten Dekoration aus der Walküre zurück. Im schim­mernden Nachtblau, einge­rahmt von Wänden, begegnet Wotan der Urgöttin Erda. Der Brünn­hil­den­felsen wird später von hinten hinein­ge­fahren und auch diese oft sehr lange Szene weiß Dorn mit seiner klugen Perso­nen­führung zu füllen. Es sind manchmal Kleinig­keiten, die das Ganze aufwerten. Zum Beispiel der Blick, den die gerade erwachte Brünn­hilde ihrem kleinen Grane zuwirft, der in dem Augen­blick auch seinen Kopf hebt. Es bereitet einfach Freude, diesem Bühnen­ge­schehen zuzusehen.

Und zu hören gibt es auch Großar­tiges: Da ist ein Siegfried aufge­boten, der diese Partie das Fürchten lehrt und nicht umgekehrt. Michael Weinius hat sich seit seinem Debüt an der Deutschen Oper am Rhein nochmals gesteigert. Nach wie vor ist er nicht der größte Schau­spieler, aber er nimmt hier aktiv an der Szene teil. Einfach nur zum Staunen ist seine großartige gesang­liche Leistung, die nicht nur von einer unermüd­lichen Kondition getragen wird, sondern auch über einen wunder­baren Klang, der zu keinem Zeitpunkt eingebüßt wird. Die letzte Szene mit Brünn­hilde wird zu einem richtigen Genuss, da sich Weinius und Petra Lang so richtig in Fahrt singen und die Begegnung vom unsicheren Helden und versto­ßener Walküre glutvoll aussingen. Wie schon am Abend zuvor begeistert Lang mit dem diffe­ren­zierten Einsatz ihres großfor­ma­tigen Soprans.

Foto © Carole Parodi

Tómas Tómasson hat sich als Wotan etwas müde gesungen, was man in seinem letzten Aufbe­gehren gegen Siegfried hört. Davon mal abgesehen – denn das ist durch eine etwas bessere Einteilung der Kräfte in der Zukunft schnell behoben – gehört seine Inter­pre­tation zu den spannendsten der letzten Jahre. Er zeigt in Stimme und Körper­sprache endlich mal nicht den resignie­renden Tropf, sondern einen höchst autori­tären, zielge­rich­teten Gott mit einer unglaub­lichen Energie. Auch Dan Karlstörm ist als Mime mit Begeis­terung am Werk, beginnt stimmlich etwas unsicher und steigert sich dann stark bis zu seinem Ableben im zweiten Akt. Seine Neigung zu einer etwas zu hohen Intonation hat er größten­teils im Griff. Tom Fox‘ Alberich klingt schon etwas sehr angeraut, aber verfügt nach wie vor über eine gefährlich-lauernde Präsenz. Genau die hätte man sich von Taras Shtonda als Fafner auch gewünscht, aber der Bass wird zunächst zu weit hinten im Off und die oft einge­setzte elektro­nische Verstärkung positio­niert, so dass da gar keine Bedrohung aufkommt. Erst sein Sterben vorne auf der Bühne hat dann die gewünschte Tragkraft. Mirella Hagen darf, wie schon erwähnt, ihren Part als Waldvöglein auf der Bühne singen, so dass man den Text nicht nur gut versteht, sondern auch genießen kann. Denn bei der Sopra­nistin klingt das unglaublich schön und leicht.

Was wäre dieser Abend ohne das Orchestre de la Suisse Romande? Wie entfesselt spielen die Musiker auf und erschaffen das ganze Panop­tikum, das auf der Bühne geboten wird, auf ihre Art und Weise. Von den leichten Unsicher­heiten der ersten beiden Opern ist nichts mehr zu spüren. Da wird mit einer Akkura­tesse gespielt, dass dem Hörer das Herz aufgeht. Ganz zu schweigen davon, dass es das Bühnen­ge­schehen und die ganze Entwicklung der Geschichte kongenial unter­stützt. Georg Fritzsch betont in einem zügigen, aber nie überhetzten Dirigat in den ersten beiden Akten das spiele­rische Scherzo der Musik, um dann auch im dritten Akt wieder dem Welten­drama den Vorrang zu geben.

Der Applaus macht es deutlich, dass der Abend beim Publikum mehr als nur gut ankommt. Kräftiger, langer Applaus und laute Bravorufe sind eine mehr als angemessene Reaktion, zumal sich auch mittler­weile im Publikum diese Ignoranten breit machen, die nicht merken, dass die Musik angefangen hat und das Gespräch mit den Nachbarn recht­zeitig beenden.  Aber man kann es trotzdem unter den Gästen spüren: Die Vorfreude auf die Götter­däm­merung wächst nach diesem großar­tigen Abend gewaltig.

Christoph Broermann

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