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Frauen gewinnen die Oberhand

ERÖFFNUNGSKONZERT
(Diverse Komponisten)

Besuch am
25. Mai 2019
(Einmalige Aufführung)

 

Schumannfest, Tonhalle Düsseldorf

Wie schön es ist, in einer Stadt zu leben, in der der Oberbür­ger­meister die Kultur aktiv mitträgt, kann man in Düsseldorf erleben. Hier ist es völlig selbst­ver­ständlich, dass Thomas Geisel vor dem Eröff­nungs­konzert des Schumann­festes im Mendelssohn-Saal der Tonhalle eine kurze, aber inhaltlich fundierte Ansprache hält. So sieht Wertschätzung aus. Auch Michael Becker, Intendant der Tonhalle und damit Künst­le­ri­scher Leiter des Festivals, lässt es sich nicht nehmen, das Publikum kurz zu begrüßen und das Schumannfest zu eröffnen.

Schon am ersten Abend wird klar, dass in diesem Jahr einge­tretene Pfade verlassen werden. Heuer ist es vorbei mit dem üblichen „Clara Schumann war ja lange völlig unter­schätzt, aber jetzt wollen wir wieder über Robert reden“. In diesem Jahr steht Clara Schumann als Symbol­figur für Kompo­nis­tinnen im Mittel­punkt. Becker verweist darauf, dass die Gleich­be­rech­tigung in Musiker­kreisen längst erreicht ist, Dirigen­tinnen mächtig im Kommen sind, aber auch die Werke von Kompo­nis­tinnen die gleiche Beachtung wie die Arbeiten ihrer männlichen Kollegen erfahren müssen. Und so werden beim Schumannfest die Werke von 15 Kompo­nisten aufge­führt – neben den Werken von 38 Kompo­nis­tinnen. Die Verhält­nis­mä­ßigkeit klappt zwar beim Eröff­nungs­konzert noch nicht so ganz, aber die gute Absicht ist deutlich erkennbar.

Foto © Susanne Diesner

Und so wird zur Eröffnung nicht etwa die Frühlings­sin­fonie von Robert Schumann gespielt, sondern ein kammer­mu­si­ka­li­sches Programm im Stil eines Salon­kon­zertes darge­boten. Dafür hat die Tonhalle den Pianisten Herbert Schuch, den Geiger Anrej Bielow, den Hornisten Felix Klieser sowie die Sopra­nistin Sheva Tehoval einge­laden. Ja, auch eine Sängerin. Denn von dieser Vielfalt der Gattungen lebten die Salon­kon­zerte zu Zeiten Clara Schumanns. Und so wird auch der Abend im Mendelssohn-Saal eine Mischung aus Lieder­abend und Kammer­konzert. Die Wahl des großen Konzert­saals in der Tonhalle Düsseldorf ist ohnehin nur dem großen Publi­kums­an­drang geschuldet. In den kommenden zwei Wochen werden die Besucher des Festivals auch geeig­netere Orte für Kammer­musik kennen­lernen, über die die Landes­haupt­stadt ja reichlich verfügt. Und das ist auch gut so, wie sich zeigen wird.

„Selbst­ver­ständlich“ eröffnen Bielow und Schuch mit den drei Romanzen op. 22 für Violine und Klavier, also einem dreisät­zigen Werk von Clara Schumann, das in Virtuo­sität und Einfalls­reichtum gefällt. Anschließend stehen vier Lieder der Kompo­nistin auf dem Programm, die sich durch eine ausge­feilte Klavier­be­gleitung auszeichnen. Die vielge­lobte Stimme Tehovals kommt aller­dings im Rang nur mit viel Vibrato und kaum textver­ständlich an. Da ist die Freude groß, dass die Liedtexte im Programmheft aufge­nommen sind. Das ändert sich auch nicht, als die Sopra­nistin Meine Rose und die Widmung von Robert Schumann vorträgt. Nachdem Klieser und Schuch grandios Adagio und Allegro op. 70 für Horn und Klavier von Robert Schumann vorge­tragen haben, gibt es Raum für Franz Schuberts Auf dem Stern in der Fassung für Singstimme, Horn und Klavier.

Und dann kommt das erste Juwel, von dem hoffentlich noch einige im Verlauf des Festivals zu entdecken sein werden. Da glitzert schon der – verkürzte – Name. Mélanie Bonis lebte von 1858 bis 1937. War trotz aller Widrig­keiten Kompo­nistin aus Überzeugung. Veröf­fent­lichte mehr als 300 Werke – vorsichts­halber unter dem Vornamen Mel, weil daraus nicht sogleich das Geschlecht erkenntlich wurde. Warum kennen wir die nicht? In der Tonhalle wird wenigstens ein Stück vorge­stellt. Danach fragt man sich, warum ihr nicht ein ganzer Abend zusteht. Scénes de la forêt op. 123 für Violine, Horn und Klavier – Waldszenen – ist eine großartige Träumerei in vier Sätzen. In den ersten drei Sätzen ist die Natur­be­trachtung mit einem Schuss Mystik zu erkennen, im vierten Satz werden die Kräfte entfesselt. So wird eine schöne Überleitung zum Trio in Es-Dur op. 40 für Violine, Horn und Klavier von Johannes Brahms geschaffen.

Bielow, Klieser und Schuch spielen Brahms‘ Werk sehr trans­parent und offensiv. Mit der Folge, dass die kompo­si­to­ri­schen Schwächen vor allem im dritten Satz auch sehr offen­sichtlich werden. Nach dem Finale Allegro con brio ist aber alles wieder gut. Und so darf das Publikum sich über ein insgesamt sehr erfreu­liches und abwechs­lungs­reiches Eröff­nungs­konzert freuen, das Appetit auf das folgende Festival macht. Vor allem aber drängt es das Publikum am Ende, aus dem Haus zu kommen. Denn es gilt, noch ein japani­sches Feuerwerk über dem Rhein zu bestaunen. Die blaue Stunde allein wäre schon ein Fest wert. Aber was nach Einbruch der Dunkelheit zu erleben ist, wird für so manchen unver­gesslich bleiben. Dass die Tonhalle sich hier ein bisschen mit fremden Lorbeeren schmücken kann, sei ihr geschenkt. Schließlich gebührt das Glück dem Fleißigen.

Michael S. Zerban

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