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KLIRRFAKTOR
(Burkhard Beins, Michael Vorfeld)
Besuch am
26. September 2019
(Premiere)
Das Festival BAM! ist in seiner zweiten Ausgabe so aufgebaut, dass an jedem Abend mindestens zwei Werke besucht werden können. So kommen die Künstler zu mehr Aufführungen und die Besucher zu einer hohen Dichte an Besuchsmöglichkeiten. Damit das organisatorisch funktioniert, muss man sich bisweilen schon mal ziemlich beeilen, um von einer Spielstätte pünktlich zur anderen zu kommen – oder auch mal eine Stunde Wartezeit bis zur nächsten Veranstaltung in Kauf nehmen. Was bei der Gastronomie-Dichte in Berlin keine echte Unannehmlichkeit darstellt. Am Eröffnungsabend kann man beispielsweise die Kombination wählen, zunächst die Pornopera zu besuchen, um anschließend noch Klirrfaktor im Roten Salon der Volksbühne mitzunehmen. Am späten Abend finden sich nur noch wenige Besucher ein, um die Arbeit zweier Künstler zu erleben, die erstmals ein gemeinsames Werk auf die Bühne bringen.

Perkussionist Burkhard Beins entwickelt eigene Spieltechniken auf unterschiedlichsten Materialien und Klangobjekten. Michael Vorfeld ist bildender Künstler, spielt Schlagwerk und selbst entworfene Saiteninstrumente. Er verwirklicht elektroakustische Klangarbeiten in den Bereichen experimentelle und improvisierte Musik. Auf der mit zahlreichen Gegenständen vollgestellten Bühne haben die beiden älteren Herren in Hintergrund Aufstellung genommen. Sie eröffnen den Abend mit drei beleuchteten Styropor-Kästen, die sie unter Erzeugung von Geräuschen an Strippen nach hinten ziehen. Danach wird Station für Station abgearbeitet. Die Klänge und Geräusche, die mit Hilfe von Trommeln, Ketten, streichenden Bögen erzeugt werden, erinnern an die Erzeugnisse der damals noch existierenden Hörfunk-Laboratorien für Neue Musik aus den 1960-er Jahren, die inzwischen in Museumsbetriebe überführt wurden. Allzu häufig werden die Effekte über die Maßen in die Länge gezogen. Schon bald entsteht vor dem geistigen Auge das Bild zweier Großväter, die ihre Enkel mit in den Experimentierkeller genommen haben, um ihnen ein paar physikalische Tricks zum Thema Klang und Licht vorzuführen. Da wird das Flackern von Glühbirnen durch das Erzeugen von Geräuschen oder Klängen beeinflusst oder umgekehrt. Analoge Synthesizer verstärken bisweilen die hübschen Tricksereien.
Und wie das im Hobbykeller des echten Lebens so ist, haben die Opas bald mehr Spaß an ihren Spielereien als die Enkel, die aber wohlerzogen stillhalten. Eine Stunde nehmen die beiden sympathisch wirkenden Musiker sich Zeit. Dass sich am Ende ein lautstarkes Gähnen in einen stillen Moment mischt, ist allerdings nur ein unglücklicher Zufall. Das Publikum applaudiert höflich. Was allerdings eine solche Aufführung mit aktuellem Musiktheater zu tun hat, vermag sich beim besten Willen nicht zu erschließen.
Michael S. Zerban