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Foto © O-Ton

Zum Schluss die schwere Kost

WOEKERPOLIS/​NACHTVLUCHT
(Project Wildeman)

Besuch am
29. September 2019
(Einma­liges Gastspiel)

 

BAM!, Volks­bühne, Großes Haus

Zum zweiten Mal geht das Berliner Festival für aktuelles Musik­theater nach vier Tagen zu Ende. Roland Quitt als Künst­le­ri­scher Leiter und sein Team haben ein buntes, vielfäl­tiges und abwechs­lungs­reiches Programm mit passenden Rahmen­ver­an­stal­tungen zusam­men­ge­stellt, so dass beim Festival schon vieles stimmte. Wer wollte, konnte hier in den vergan­genen Tagen zu einem höchst kommoden Preis Kunst in vielen verschie­denen Spiel­stätten erleben und fand doch mit der Volks­bühne als Zentrum den Campus-Gedanken verwirk­licht. Erfreulich war sicher, dass die Vorstel­lungen gut bis sehr gut besucht waren. Für die Zukunft, wenn es denn eine solche für das Festival gibt, würde man sich mehr Publikum wünschen, das nicht ohnehin schon in der Thematik ist. Gleicher­maßen wäre schön, wenn die Inter­na­tio­na­li­sierung voranschritte.

Zum Finale kommen denn auch noch mal die nieder­län­di­schen Gäste zu Wort. Das Project Wildeman aus Rotterdam zeigt gleich zwei Stücke. Im ersten mit dem unüber­setz­baren Fanta­sie­namen Woeker­polis steht denn auch einmal mehr das Wort im Vorder­grund. Wobei es den Künstlern mehr um den phone­ti­schen Klang zu gehen scheint als darum, ob es die Wörter, die sie permanent wieder­holen, tatsächlich gibt. Robin Block, Sven Hamerpagt, Maarten Vinkenoog und Milan Mes stehen zunächst in Anzüge gekleidet in einer Linie, bis der Wortführer zur Sprache kommt. Dann zeigen die vier eine recht wilde Vorstellung, in der sie sich körperlich vollkommen veraus­gaben. Dass das Ganze nicht nur unglaublich dynamisch wirkt, sondern stellen­weise auch durchaus seine komischen Seiten hat, steht gegen jede Lange­weile. Bei dem Kräfte­einsatz ist klar, dass das Stück nach 20 Minuten ausge­tanzt ist.

Foto © O‑Ton

Und damit wäre es ja auch gut gewesen. Die Zuschauer wären bester Laune nach Hause gegangen, hätten ein schönes Festival in Erinnerung behalten und sich womöglich schon auf kommendes Jahr gefreut. Statt­dessen muss das Project Wildeman noch sein neuestes Programm präsen­tieren. Auf der Bühne sind vier Tische halbkreis­förmig aufge­stellt. In der Mitte ein Stein­haufen. Auf der Rückwand werden später die Abläufe auf der Bühne visua­li­siert. Neun „Besucher“ werden auf die Bühne geholt, zum Nacht­v­lucht, also zum Nachtflug, einge­laden. Sie nehmen zwischen den Tischen, auf denen zahlreiche Instru­mente der Künstler unter­ge­bracht sind, Platz. Stein für Stein wird vom Haufen abgetragen. So entsteht nach und nach ein Strah­len­kranz. Während­dessen sind Flugkom­mandos zu hören. Angelegt ist das Stück eher futuris­tisch-meditativ. Für die Zuschauer vor der Bühne zieht sich das Geschehen ziemlich in die Länge. Spätestens, als alle Gäste im Strah­len­kranz liegen, wäre ein guter Schluss­punkt erreicht. Das sehen die Künstler anders. Und so geht es im esote­ri­schen Rausch weiter.

Nach vier inten­siven Tagen fällt vor allem die Vielfalt des aktuellen Musik­theaters in Berlin auf. Bemer­kenswert ist aller­dings auch die fast vollständige Abwesenheit von Handlung. Allen­falls szenische Zusam­men­hänge sind erkennbar. Das ist insofern inter­essant, als eigentlich jeder Künstler weiß, was Menschen am meisten inter­es­siert: gut erzählte Geschichten, am liebsten über Menschen. Ob Effekte wie Projek­tionen langfristig helfen, dieses Manko zu übertünchen, kann man disku­tieren. Denn immerhin kommt eine solche „Häppchen-Methode“ den Rezep­ti­ons­ge­wohn­heiten der Gegenwart entgegen. Wie es sich für ein ordent­liches Festival gehört, bleiben auch hier am Ende mehr Fragen als Antworten. Und die Hoffnung, dass das Festival weitergeht und sich weiter entwickelt.

Michael S. Zerban

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