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Raumklang ohne Raum

VISIONARY ARCHITECTS
(Edgard Varèse, Iannis Xenakis, Anton Bruckner)

Besuch am
28. August 2021
(Einmalige Aufführung)

 

Ruhrtri­ennale, Jahrhun­dert­halle Bochum

Aufre­gende Tage für Tung-Chieh Chuang, den neuen General­mu­sik­di­rektor der Bochumer Sympho­niker. Wenige Tage vor seinem offizi­ellen Antritts­konzert präsen­tierte er sich im Rahmen der Ruhrtri­ennale mit einem beson­deren Format. Visionary Archi­tects: Der Titel dieses Konzerts in der Bochumer Jahrhun­dert­halle verspricht aller­dings mehr, als es einlösen kann. Drei Werke von Edgar Varèse, Iannis Xenakis und Anton Bruckner werden mit der legen­dären Archi­tektur des von Le Corbusier 1958 für die Brüsseler Weltaus­stellung entwor­fenen und danach wieder abgebauten Philipps-Pavillon in Verbindung gebracht.

Eine Verbindung, die sich aller­dings nur im Fall des Poème électro­nique von Edgar Varèse überzeugend herstellen lässt. Die rein elektro­ni­schen Origi­nal­ton­bänder, die Varèse für den damaligen Anlass reali­sierte, hat der Sound-Designer Kees Tazelaar geschickt für die schach­tel­förmige Archi­tektur der Jahrhun­dert­halle einge­richtet. Die Effekte, die die bizarre Bauweise des Philipps-Pavillons ermög­lichten, sind zwar unwie­der­bringlich verloren. Aber Tazelaar gelingt doch eine spannende und effekt­volle Raumklang-Komposition.

Foto © Christian Palm

Damit wird immerhin der archi­tek­to­nische Aspekt des Programms getroffen. Das lässt sich von Iannis Xenakis‘ vier Jahre vor der Weltaus­stellung entstan­denem Orches­terwerk Metastaseis, mit dem die Bochumer Sympho­niker in das Konzert eingreifen, nicht sagen. Xenakis, selbst auch als Architekt ausge­bildet, fächert den Orches­ter­klang nach kompli­zierten Berech­nungen in drei Schichten auf, die zwar raffi­niert ausge­führt werden, für den Hörer aber nur schwer nachvoll­ziehbar sind. Gerade für die unbegrenzten klang­lichen Möglich­keiten der riesigen Jahrhun­dert­halle gäbe es dankbarere Stücke, um die Verknüpfung von Raum und Klang effektvoll hörbar machen zu können.

Den größten Raum des Konzerts nimmt ohnehin Anton Bruckners Zweite Symphonie ein. Bruckners Symphonien werden zwar oft als „klingende Kathe­dralen“ bezeichnet, was sich sowohl auf die Ausdehnung der Sätze als auch auf die in den Himmel ragende Entfaltung und Steigerung der Klang­schichten beziehen lässt. Aller­dings nimmt sich gerade die Zweite Symphonie unter diesen Aspekten eher bescheiden aus. Chuang legt großen Wert darauf, die formale Struktur der Sätze klar heraus­zu­stellen. Aller­dings überdehnt er die General­pausen zwischen den Satzteilen so sehr, dass sowohl der formale Zusam­menhalt der Sätze als auch die Energie für druck­volle Steige­rungen der in diesem Werk ohnehin wenigen dynami­schen Höhepunkte verlo­ren­gehen. Von einem inspi­rierten Spannungs­bogen kann so nicht die Rede sein. Hier präsen­tiert sich Bruckners Werk weniger als Kathe­drale denn als „sympho­nische Riesen­schlange“, wie Eduard Hanslick Bruckners Symphonien despek­tierlich bezeichnete.

Dass die Jahrhun­dert­halle keine Oase für klang­liche Feinheiten bietet, steht auf einem anderen Blatt. Man darf also gespannt sein auf das Antritts­konzert des neuen Bochumer Musik­chefs mit einem anderen Programm in anderer Umgebung.

Viel Beifall für ein inter­essant gedachtes, aber nur bedingt überzeu­gendes Konzert.

Pedro Obiera

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