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Dada im Lifestyle

D.I.E.
(Michael Wertmüller)

Besuch am
2. September 2021
(Urauf­führung)

 

Ruhrtri­ennale, Kraft­zen­trale, Duisburg

D.I.E.: Hinter dem geheim­nis­vollen Namen verbirgt sich die zweite musik­thea­tra­lische Kreation der Ruhrtri­ennale, die jetzt in der Kraft­zen­trale des Duisburger Landschafts­parks aus der Taufe gehoben wurde. Nach Olga Neuwirths Oper Bählamms Fest zum tiefgrün­digen Libretto von Elfriede Jelinek ist mit dem Musik­theater von Michael Wertmüller „produktive Orien­tie­rungs­lo­sigkeit“ angesagt: „Eine Sinn- und Bedeu­tungs­suche wäre aussichtlos“, heißt es im Programmheft. D.I.E., benannt nach einem Künst­lerbuch von Albert Oehlen, ist eine Gemein­schafts­pro­duktion des Kompo­nisten Michael Wertmüller, des Malers Albert Oehlen und des Schrift­stellers Rainald Goetz. Text, Musik und Bild werden zu einer raffi­nierten und technisch aufwän­digen Collage zusam­men­ge­führt, in der sich die Genres ästhe­tisch ergänzen sollen. Wenn sich drei Opern­sän­ge­rinnen, eine Rapperin und eine laszive Confé­ren­cière mit einem Streich­quartett, einem avant­gar­dis­ti­schen Instru­men­tal­ensemble, einer Punk-Band und allerlei elektro­ni­schen Zutaten zu abstrakten Projek­tionen und sinnfreien „Wenig-Wort-Texten“ zusam­men­schließen, ist ein kunter­bunter Stilkompott garan­tiert. Durch den Verzicht auf eine ideelle Botschaft wirkt die multi­me­diale Revue wie Dada im Lifestyle-Zeitalter.

Foto © Volker Beushausen

Geschickt nutzt Regis­seurin Anika Rutkofsky die riesigen Dimen­sionen der Duisburger Kraft­zen­trale. Die Musik­ensembles und ein Laufsteg flankieren die mit trans­pa­renten Projek­ti­ons­flächen drapierten Seiten der Halle. Geboten wird ein unver­stell­barer Rundum­blick. Das Publikum sitzt in der Mitte und kann den wechselnden Szenarien auf drehbaren, mit kurzen Rücken­lehnen verse­henen Melkschemeln rotierend folgen. 14 kurzen, im Wesent­lichen sinnfreien Gedichten von Reinald Goetz folgen musika­lische Kreationen unter­schied­lichster Art: von hartem Punk, exzes­sivem Rap über raffi­nierte avant­gar­dis­tische Experi­mente bis zu milderen Strei­ch­er­klängen und schwin­del­erre­genden Kolora­tur­ge­sängen. Dazu erscheinen auf den Projek­ti­ons­flächen bewegte, dreidi­men­sionale Grafiken auf der Grundlage von Kohle­zeich­nungen Albert Oehlens. Filigrane, pointi­lis­tische Girlanden, die an Chromo­so­men­fäden, galak­ti­schen Stern­staub oder an pflanz­liches Gestrüpp erinnern. Durch die trans­pa­renten Gazestoffe verwachsen die Grafiken mit den Darstel­le­rinnen zu faszi­nie­renden Organismen. Und wenn die Schau­spie­lerin Sylvie Rohrer von einer raumgreifend vergrö­ßerten Projektion ihrer Person durch die Halle gejagt und schließlich gefressen wird, kommt sogar eine Prise cineas­ti­scher Spannung auf.

Im Unter­schied zu den Texten und Grafiken geht es musika­lisch robuster zu. Zumindest, was die Lautstärke angeht. Das passt, wenn die dreiköpfige Band Jealous aus Berlin kräftig rockt oder Catnapp aus vollen Rohren rappt. Wenn Komponist Michael Wertmüller aller­dings das mit Jazz, Neuer Musik und Rock vertraute Ensemble Steamboat Switz­erland, das Asasello Streich­quartett und die drei Opern­sän­ge­rinnen Caroline Melzer, Sarah Pagin und Christina Daletska zu einem Dauer­be­schuss in Fortissimo-Stärke anhält, übertönt er viele diffe­ren­zierte Töne seiner Arbeit. Erst gegen Ende finden sich auch ruhigere Passagen, in denen die Sänge­rinnen jenseits der Schall­mauer nicht nur brüllen, sondern auch richtig singen dürfen. Zu erwähnen sind noch die darstel­le­ri­schen, teilweise akroba­ti­schen Leistungen der Schau­spie­lerin Sylvie Rohrer als Confé­ren­cière und die souveräne musika­lische Leitung durch Titus Engel.

Eine wilde, perfekt abspu­lende Multi­vi­sions-Schau ohne tieferen Sinn, bei der es viel zu sehen und noch mehr auf die Ohren gibt. Freund­licher Beifall.

Pedro Obiera

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