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Ein Ring ohne Ring

DAS RHEINGOLD
(Richard Wagner)

Besuch am
31. Juli 2022
(Premiere)

 

Bayreuther Festspiele, Festspielhaus

Neuin­sze­nie­rungen von Richard Wagners Mammut-Tetra­logie Der Ring des Nibelungen kann und sollte man nicht vor der Götter­däm­merung umjubeln oder verdammen. Auch nicht Valentin Schwarz‘ Deutung, die nach zweijäh­riger Verzö­gerung endlich im Bayreuther Festspielhaus ihre Premiere erleben darf. Begeis­terung und heftige Buh-Rufe nach dem Rheingold deuten aller­dings eine wider­sprüch­liche Aufnahme des neuen Rings an.

Viel Neues wurde versprochen. Dabei schließt sich Schwarz lediglich dem proble­ma­ti­schen Trend an, den Ring als Familien-Saga einer korrupten, arroganten Mischpoke zu sehen. Das führte bereits in Dietrich Hilsdorfs aktuellem Ring in Düsseldorf zu einer Verkürzung der visio­nären Botschaft des Werks und ähnliches deutet sich im entste­henden Ring von Peter Konwit­schny in Dortmund an.

Valentin Schwarz treibt diese letztlich banali­sie­rende Lesart auf die Spitze. Für Wagners Warnung vor einem empathie­losen Materia­lismus, verbunden mit einer rücksichts­losen Zerstörung der Natur, bleibt da kein Platz. Es gibt nicht einmal einen Ring als Zeichen einer bewusst lieblosen Weltherr­schaft. Den Hort, also der Schatz des Rhein­golds, aus dem der begehrte Ring geschmiedet werden müsste, bildet bei Schwarz eine Kinder­horde, die von den als Kinder­mädchen auftre­tenden Rhein­töchtern mehr schlecht als recht behütet wird und von dem ungeschlachten Nacht­alben Alberich entführt wird. Der Kampf zwischen dem prole­ten­haften Alberich-Clan und der Schicki-Micki-Sippe Wotans in deren eleganter, aber nüchterner Luxus-Maiso­nette entspinnt sich um diese Kinder­schar, in der sich offenbar bereits der grimme Hagen und die kleine Brünn­hilde tummeln. Putzmunter, auch wenn sie erst im Verlauf der Tetra­logie gezeugt werden.

Dieser biolo­gische Unsinn stellt das einzige „Wunder“ der Neuin­sze­nierung dar. Alles Märchen­hafte und vor allem politisch Visionäre bleibt ausge­spart. Angesichts dieses Familien-Knatschs bedarf es eigentlich keiner Götter­däm­merung mehr, um die Welt durch Feuer und Wasser vom Fluch der verhäng­nis­vollen Machtgier erlösen zu müssen.

Foto © Enrico Nawrath

Ärgerlich schlagen sich die handwerk­lichen Mängel der Insze­nierung nieder, wenn wichtige Szenen, wie etwa Alberichs Verflu­chung des – nicht vorhan­denen – Rings, ins linke Bühnen-Aus gerückt werden und von einem Viertel des Publikums lediglich akustisch wahrge­nommen werden können. Auch wenn Schwarz die Kinder­truppe noch so munter Alberich nassspritzen lässt. Die Charak­te­ri­sierung der Figuren bleibt entweder blass, oder er bedient sich längst überholter Klischees. Das schlägt sich auf die Gesangs­leis­tungen nieder, wenn etwa Arnold Bezuyen den Mime mehr karikiert als aussingt. Der Wotan von Egils Silins begnügt sich mit einem gleich­för­migen, von sozialer Überle­genheit getra­genem Vortragsstil, die Hinter­grün­digkeit Loges kann Daniel Kirch nur andeuten und auch der heftig bejubelte Olafur Sigur­darson setzt zu einseitig auf grimmige Aggressivität.

Einen vokalen Licht­blick beschert Okka von der Damerau als Erda, der Rest bewegt sich auf gedie­genem Niveau. Bleibt das Dirigat des Bayreuth-Debütanten Cornelius Meister, der kurzfristig für den erkrankten Pietari Inkinen einspringen musste. Wie sein Kollege Markus Poschner im Tristan kommt er mit den heiklen akusti­schen Bedin­gungen des Festspiel­hauses recht gut zurecht, Aller­dings bedürfen die Klang­ba­lance, die Abstimmung mit den Sängern, die Dynamik und die Tempo-Relationen noch etlicher Korrek­turen. Auch das unent­schlossene Verhältnis von frischem Zugriff und beton­hartem Pathos verhindert noch eine ausge­gli­chene Interpretation.

Begeis­terten Beifall gibt es für die musika­lische Besetzung. Die Buh-Rufe richten sich offenbar gegen den Regisseur, der sich aber erst nach der Götter­däm­merung dem Publikum stellen wird.

Pedro Obiera

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