O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Auf der Schönheitsfarm

DIE WALKÜRE
(Richard Wagner)

Besuch am
1. August 2022
(Premiere)

 

Bayreuther Festspiele, Festspielhaus

Die konzep­tio­nellen und handwerk­lichen Mängel des neuen Bayreuther Rings, die sich im Rheingold-Auftakt andeu­teten, verdichten sich in der Walküre so drama­tisch, dass lediglich einige heraus­ra­gende Gesangs­leis­tungen die Premiere vor einem völligen Desaster retten.

Dazu gehören Lise Davidsen als Sieglinde mit ihrer riesigen, dennoch völlig entspannten und kernge­sunden Sopran­stimme, Klaus Florian Vogt, der als Siegmund beweist, dass man auch Wagner textver­ständlich singen kann und der immer zuver­lässige und in Hochform auflau­fende Georg Zeppe­nfeld als Hunding.

Wotan Tomasz Konieczny hat Pech, fällt im zweiten Akt von einem defekten Stuhl und verletzt sich so unglücklich, dass im dritten Akt Michael Kupfer-Radecky so gut wie eben möglich für ihn einspringen muss. Ein Sänger, der bei den Tiroler Festspielen Erl viele Wagner-Rollen sang, aber noch nicht den Wotan. Iréne Theorin als Brünn­hilde mit forcierten Höhen und Christa Mayer als altmo­disch keifende, kaum verständ­liche Fricka können nur bedingt überzeugen. Maestro Cornelius Meister bringt die Walküre achtbar über die Runden, hat aber die schon im Rheingold zu hörenden Abstim­mungs- und Balan­ce­pro­bleme noch nicht völlig unter Kontrolle.

Mit dem Sinn und Unsinn der Insze­nierung von Cornelius Schwarz im Detail abzurechnen, lohnt erst nach der Götter­däm­merung. Auch wenn es gutzu­heißen ist, dass Katharina Wagner nicht, wie die Kollegen der Salzburger Festspiele, nur bewährten und altge­dienten Stars vertraut, sondern auch Newcomern eine Chance gibt, ist es doch ein wagemu­tiges Risiko, einem Regisseur mit so wenig Erfahrung gleich diese K2-Besteigung anzuvertrauen.

Foto © Enrico Nawrath

An der Regie Valentin Schwarz‘ verstören nicht nur konzep­tio­nelle Ungereimt­heiten und sein fehlender Instinkt für theatra­lische Wirkungen, sondern auch handwerk­liche Mängel, was die Dispo­sition und Führung der Figuren angeht. Dass ganze Szenen am rechten oder linken Bühnenrand für große Teile des Publikums im unsicht­baren Off verschwinden, ist ebenso ärgerlich und völlig unnötig wie die Defizite an Atmosphäre und Magie.

Als Hemmschuh erweist sich Schwarz‘ Scheu vor der Symbolik des Rings. Ring, Gold, Schwert, Speer und Feuer kommen bei ihm nicht vor. Selbst der eigen­willige Frank Castorf erkannte in seiner letzten Bayreuther Produktion, dass die Symbole für das Verständnis der Kernbot­schaft des Werks so wichtig sind wie die Leitmotive in der Partitur. Dass Brünn­hilde bei Schwarz am Ende nicht auf dem Walküren-Felsen in Schlaf gebannt und durch ein Feuer vor unbefugten Freiern beschützt wird, überrascht unter diesen Vorzeichen nicht im Geringsten. Brünn­hilde verab­schiedet sich klamm­heimlich und muss ohne Feuer­schutz von der Bühne abtreten. Auf der leeren Bühne prostet Wotans Gattin Fricka dem unter­le­genen Götter­vater zufrieden zu. Stößchen!

Wie wenig Rücksicht die Insze­nierung auf Text und Musik nimmt, zeigt sich auch am geradezu albern missdeu­teten Walküren-Ritt. Die wehrhaften Damen, von Wagner ungewöhnlich martia­lisch charak­te­ri­siert, lümmeln sich in einem eleganten Beauty-Salon und tragen ihre Wunden nicht aus wilden Schlachten, sondern vom Face-Lifting des Schön­heits-Chirurgen davon.

Immerhin zeigt sich das Publikum mit den musika­li­schen Leistungen hoch zufrieden. Bejubelt wird ausnahmslos jeder. Buh-Ruhe nach dem Schluss-Akkord lassen aller­dings heftigere Reaktionen nach der finalen Götter­däm­merung befürchten.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: