O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Fantasie ist kein Fremdwort

ZÉPHYR
(Mourad Merzouki)

Besuch am
23. September 2022
(Premiere)

 

Düsseldorf-Festival, Theaterzelt, Düsseldorf

Das Düsseldorf-Festival neigt sich allmählich dem Ende entgegen. Nach eigenen Angaben werden knapp 15.000 Zuschauer die Veran­stal­tungen besucht haben. Das dürfte einer Auslastung von etwa 75 Prozent entsprechen – und damit deutlich über den Besucher­zahlen anderer Veran­stal­tungen liegen. Ein erfreu­liches Ergebnis, das die Sponsoren, von denen in den drei Wochen viel die Rede war, animieren kann, sich auch in Zukunft zu engagieren. Was aber viel wichtiger ist: Die Stimmung vor Ort war durchweg gut, und Chris­tiane Oxenfort und Andreas Dahmen ist auch in diesem Jahr wieder gelungen, die Menschen mit ihrem Programm zu begeistern. Nicht nur war Vielfalt Trumpf, sondern die Auffüh­rungen lieferten durch­gängig hohe Qualität. In den vergan­genen 32 Jahren ist es den künst­le­ri­schen Leitern gelungen, ein unter­halt­sames Programm auf hohem Niveau zu bieten. Der heutige Abend ist ein schönes Beispiel dafür.

Was braucht ein Choreograf? Ein Bühnenbild, Licht, Tänzer in Kostümen und Musik. Ein bisschen Nebel ist ebenfalls hilfreich, schon, damit das Licht gut wirkt. Und dann braucht es natürlich ein Thema. Da kommt die Fantasie ins Spiel. Besonders viel davon hat Mourad Merzouki. In Algerien geboren, wuchs er in Lyon auf, besuchte dort eine Zirkus­schule, feierte Erfolge als HipHopper, ehe er als Choreograf nicht nur in Frank­reich eine Berühmtheit wurde. Mit Zéphyr zeigt er jetzt im Theaterzelt des Düsseldorf-Festivals am Schlossturm, wie man die Zutaten so mischt, dass man das Publikum regel­recht verzaubern kann. Zéphyr ist der griechische Gott der Westwinde – und damit führt der Titel ein wenig in die Irre. Denn die Westwinde sind die Frühlings­winde, also die milden, sanften Winde, die die Saaten reifen lassen. Ganz so entspannt geht es auf der Bühne nicht zu.

Foto © O‑Ton

Dabei fängt alles harmlos an. Zwei Tänzer nehmen vor einem winzigen Venti­lator Platz, der an der Rampe steht. Umgeben sind sie von drei Wänden, in denen sieben Löcher einge­lassen sind, als Bullaugen könnte man sie mögli­cher­weise sehen. Daraus krabbeln acht weitere Tänzer, ehe die Löcher mit Venti­la­toren verschlossen werden. Aber da ist das Wogen und Tosen schon im vollen Gange. Benjamin Lebreton hat sich das origi­nelle Bühnenbild einfallen lassen, in dem weite Räume wie intime Situa­tionen darstellbar sind. Émilie Carpentier steckt die Akteure der Compagnie Käfig in Jeans und offene Hemden, unter denen sie T‑Shirts tragen. So können sie bei voller Bewegungs­freiheit die verschie­densten Situa­tionen durch­leben. Ob es die Gruppe ist, die vom Wind hin- und herge­worfen ist, der Solist, der sich allein im Sturm bewegt, während die Gruppe an den Seiten­wänden auf Rettung hofft oder Flücht­linge sind, die auf dem offenen Meer zurecht­kommen müssen. Dafür nutzen sie Elemente des zeitge­nös­si­schen Tanzes ebenso wie HipHop-Einlagen, während der Wind den Nebel auf der Bühne vor sich hertreibt. Das hat man so noch nicht gesehen, und es ist zutiefst eindrucksvoll. Dass man überhaupt alles immer sehen kann, hat Yoann Tivoli zu verant­worten. Der Licht­de­signer hat keinen Spaß am Versteck­spiel und kostet dabei dennoch alle Nuancen der Helligkeit aus.

Armand Amar trägt mit seiner Musik entscheidend dazu bei, die Zuschauer weiter in den Bann der Bühne zu ziehen. Eigens für Zéphyr kompo­niert, kommt die Musik aus einem Guss von der Festplatte. Hier kann man sich einen Eindruck ihrer Magie verschaffen. Wenn das Segel zu Hisser les Voiles gehisst wird, bläst den Zuschauern ordentlich der Wind ins Gesicht. Das Start­signal für weitere Ideen des Choreo­grafen, das Publikum zu überra­schen. Zu diesem Zeitpunkt gibt es wohl schon keinen Zuschauer mehr im Saal, der in Zukunft bei jedem Venti­lator, den er sieht, nicht an diesen Abend denken wird.

Was also braucht ein Choreograf, um einen unver­gess­lichen Tanzabend zu bereiten? Nichts als überbor­dende Fantasie, ein Gespür für Poesie und einen Haufen hochen­er­ge­ti­scher Helfer, die daran mitar­beiten, seine Visionen umzusetzen. Dann ist nichts leichter, als einen solche Aufführung zu zeigen. Das Publikum lässt seiner Begeis­terung freien Lauf. Chris­tiane Oxenfort und Andreas Dahmen dürfen sich derweil einmal mehr auf die Schulter klopfen, einen guten Freund aus Frank­reich nach Düsseldorf einge­laden zu haben.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: