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Bel Canto

Der Bildband Bel Canto von Dominique Meyer und Lois Lammer­huber würdigt mit Bildern von einhun­dert­fünfzig Sängern 150 Jahre Schön­gesang an der Wiener Staatsoper. Großartige Fotos erinnern an die Großen ihres Stimm­fachs, die von Texten zur Geschichte der Oper begleitet werden. Andreas H. Hölscher schwelgt in den Bildern aus Vergan­genheit und Gegenwart. 

Wiener Staatsoper
Elīna Garanča - Foto © Lois Lammerhuber

150 Jahre Schöngesang

Zum 150. Geburtstag der Wiener Staatsoper erschien im Februar des vergan­genen Jahres ein beson­derer Bildband mit dem Namen Bel Canto, der an die schönsten Stimmen der vergan­genen einhun­dert­fünfzig Jahre, die im „Haus am Ring“ aufge­treten sind, erinnern soll. Manche von Ihnen wirkten hier ein ganzes künst­le­ri­sches Leben, andere gastierten nur wenige Male, aber sie alle sind ein Teil der Geschichte der Wiener Staatsoper und ihrer Stimmen. Stell­ver­tretend für die vielen tausend Künstler wurden 150 ausge­wählt, die dem Haus, seiner Geschichte und seinem Publikum bis heute etwas bedeuten.

Wer erinnert sich denn noch an Kammer­sänger Hans von Rokitansky? Der öster­rei­chische Bass sang im Alter von 34 Jahren den Leporello in der Eröff­nungs­vor­stellung mit Mozarts Don Juan am 25. Mai 1869 und damit quasi den ersten Opernton im „Haus am Ring“. Ein ganzsei­tiges histo­ri­sches Schwarzweiß-Porträt von Rokitansky dokumen­tiert den geschichts­träch­tigen Moment. Dominique Meyer, Direktor der Wiener Staatsoper, beschreibt in seiner Einleitung die Geschichte des Opern­ge­sangs in Wien, ausgehend vom Beginn des 18. Jahrhun­derts, als vor allem Kastraten aus Italien, unter ihnen der berühmte Farinelli, in Wien auftraten. War die dominie­rende Opern-Sprache bis zur Mitte des 19. Jahrhun­derts Italie­nisch, wurden ab 1848 Opern in Wien ausschließlich auf Deutsch gespielt. Das blieb auch unter der Intendanz von Karl Böhm nach der Wieder­eröffnung der Staatsoper 1955 so, erst sein Nachfolger Herbert von Karajan moder­ni­sierte das System und ließ die Opern in Origi­nal­sprache spielen. Mit Beginn der Ära von Karajan kamen auch die inter­na­tio­nalen Stars der Gesangs­szene nach Wien, und im Laufe der Jahrzehnte wurde die Wiener Staatsoper zu einem der weltweit führenden Opern­häuser, auch dank der Sänge­rinnen und Sänger, die an diesem Hause aufge­treten sind.

Das Buch Bel Canto ist eine Hommage an die Menschen, ohne die die Kunstform Oper nicht existieren könnte, und deren im wahrsten Sinne des Wortes „Schön­gesang“ Genera­tionen von Besuchern der Wiener Staatsoper begeistert hat. Unter der Überschrift Bel Canto 1 findet man auf 36 Seiten meist doppel­seitige Porträts von Sängern und Sänge­rinnen, die man in den aktuellen Spiel­plänen der Wiener Staatsoper häufig als Gast sieht, angefangen von Juan Diego Flórez über Joyce Didonato bis hin zu Roberto Alagna. Es sind in Pose gesetzte Bilder, wie das von Elina Garanca mit Locken­wicklern und einem verschmitzten Lächeln in der Garderobe, René Pape im Schnei­dersitz und ausge­brei­teten Armen auf einem Bistro­tisch oder das von Simon Keenlyside auf dem Schnürboden.

Diese Fotos, gekonnt arran­giert von Lois Lammer­huber, haben eins gemeinsam: Sie drücken die Verbun­denheit dieser Sänger zu ihrem Haus aus und ermög­lichen dem Leser Einblicke, die ihm sonst hinter den Kulissen der Staatsoper verwehrt bleiben.

POINTS OF HONOR

Buchidee
Stil
Erkenntnis
Preis/​Leistung
Verar­beitung
Chat-Faktor

In drei dreispra­chigen Kapiteln – deutsch, englisch und franzö­sisch – wird die Chronik der Staatsoper auch anhand von beson­deren Anekdoten und Geschichten erzählt. Im ersten Kapitel widmet sich der Musik­for­scher Clemens Höslinger den Sängern und Sänge­rinnen der alten Hofoper. Eine tragische Geschichte ist die des Bassba­ritons Emil Scaria, dessen Gesangs­kraft in einem geflü­gelten Wort zum Ausdruck kam: „Singt der Scaria in der Oper eine Aria, dann hört man ihn bis zur Bellaria.“ Er war der erste Gurnemanz in Bayreuth, der sich sogar mit seiner erfolg­reichen Empfehlung an Wagner, vor der Stelle „so ward es uns verhießen“ ein paar Pauken­schläge einzu­fügen, in der Partitur des Parsifal verewigen konnte. Doch dieser große Sänger verlor sein Gedächtnis, hatte Wahnsinns­at­tacken und starb kurz nach seinem letzten Auftritt in Wien als Hermann, Landgraf von Thüringen. Weitere Anekdoten von noch heute berühmten, aber auch verges­senen Sängern machen dieses Kapitel besonders lesenswert.

Es schließt sich die Ära von 1914 bis 1955 an, die von den beiden Drama­turgen der Wiener Staatsoper, den Brüdern Andreas und Oliver Láng, sehr plastisch beschrieben wird. Es folgen Namen, die auch heute noch unver­gessen sind und ihre Zeit wie kaum ein anderer geprägt haben. Leo Slezak, Lotte Lehmann und vor allem Maria Jeritza, die im „Haus am Ring“ an 621 Abenden auf der Bühne stand und in ihrem Fach die große Gegen­spie­lerin der Lehmann zu ihrer Zeit war. Es ist nicht nur die Ära von großen Sängern, sondern auch die von namhaften Direk­toren wie Gustav Mahler, Richard Strauss und Clemens Krauss. Doch in die Zeit fällt auch das dunkelste Kapitel der Wiener Staatsoper, das leider nur mit einem Absatz erwähnt wird, von März 1938, dem „Anschluss“ Öster­reichs an das so genannte Deutsche Reich bis zur Zerstörung der Oper 1945 kurz vor Kriegsende. Es war die Zeit, in der jüdische Künstler Auftritts­verbote bekamen, vertrieben, inter­niert oder ermordet worden. Viele konnten in die USA emigrieren, darunter so bekannte Namen wie Alexander Kipnis, Richard Tauber, Jan Kiepura, Lotte Lehmann und Alfred Piccaver. Am 12. März 1945 wurde das „Haus am Ring“ durch Bomben­treffer weitgehend verwüstet, doch bereits am 1. Mai 1945 wurde die „Staatsoper in der Volksoper“ mit einer Aufführung von Mozarts Die Hochzeit des Figaro eröffnet, am 6. Oktober 1945 folgte die Wieder­eröffnung des in aller Eile restau­rierten Theaters an der Wien mit Beethovens Fidelio. Damit gab es für die nächsten zehn Jahre zwei Spiel­stätten, während das eigent­liche Stammhaus mit großem Aufwand wieder­errichtet wurde. Nur die Haupt­fassade, die Feststiege und das Schwind­foyer waren von den Bomben verschont geblieben – mit neuem Zuschau­erraum und moder­ni­sierter Technik wurde die Wiener Staatsoper glanzvoll mit Beethovens Fidelio unter Karl Böhm am 5. November 1955 wieder­eröffnet. Die Eröff­nungs­fei­er­lich­keiten wurden vom Öster­rei­chi­schen Fernsehen übertragen und in der ganzen Welt zugleich als Lebens­zeichen der neuerstan­denen Zweiten Republik verstanden.

Elīna Garanča – Foto © Lois Lammerhuber

Im letzten Kapitel, der Zeit von 1955 bis heute, beschreibt Erich Seitter die unter­schied­lichen Gesangs­fächer und Stimm­lagen wie Sopran, Mezzo­sopran und Tenor bis Bass, wobei er die Abschnitte noch einmal unter­teilt in die Zeit von 1955 bis 1970 und seit 1970 bis heute. Auch diese Zeit wird von großen Namen geprägt, die damals noch teilweise am Beginn ihrer Karriere standen. Elisabeth Schwarzkopf, Elisabeth Höngen, Irmgard Seefried, Max Lorenz, Paul Schöffler und Julius Patzak stehen für die ersten Jahre, während so klang­volle Namen wie Edita Gruberova, Mirella Freni, Grace Bumbry, Luciano Pavarotti, Placido Domingo, Leo Nucci und  Nikolaj Gjaurow für die mittlere Phase der Neuzeit stehen. Heute dominieren Künstler wie Anna Netrebko, Elīna Garanča, Jonas Kaufmann und René Pape den Spielplan der Wiener Staatsoper. Seitter verzichtet in seinem Kapitel auf die obliga­to­ri­schen Klatsch- und Tratsch-Geschichten über die Publi­kums­lieb­linge in Wien, sondern nähert sich ihnen vom Stimmfach aus. Das liest sich dann zwar nicht ganz so eingängig, charak­te­ri­siert die Künstler aber deutlich besser und erleichtert dem Leser, dem die beschrie­benen Sänger nicht so vertraut sind, die Zuordnung zu den jeweils korre­spon­die­renden Rollen in ihrem Fach.

Der zweite, größere Abschnitt des Buches mit der Überschrift Bel Canto 2 zeigt nun in ganzsei­tigen Bildern Sänger und Sänge­rinnen in ihren jeweils größten Rollen an der Wiener Staatsoper, wobei die Chrono­logie jetzt rückwärts­ge­wandt ist. Es beginnt mit Klaus Florian Vogt als Lohengrin, Renée Fleming als Feldmar­schallin bis hin zu Peter Seiffert als Tristan und zeigt dabei auch die Vielfäl­tigkeit des Spiel­plans der Wiener Staatsoper. Die weiteren Porträts zeigen dann die Künstler zwar im Rollen­kostüm, aber es sind gestellte Porträt­auf­nahmen ohne Bühnen­ku­lisse. Hier finden sich Namen wie Brigitte Fassbaender, Katia Riccia­relli, Matti Salminen, Gundula Janowitz, René Kollo bis hin zu Giacomo Aragall. Es folgen dann noch über 80 ganzseitige Fotos in Schwarz-Weiß, Ausnahme ist das doppel­seitige Foto von Renata Tebaldi als Tosca, die chrono­lo­gisch zurück­gehen bis in die ersten Jahre der Wiener Hofoper, und deren Namen bei Opern­freunden doch den einen oder anderen wohligen Schauer auslösen. Es sind Sänger und Sänge­rinnen wie Rudolf Schock, Hilde Güden, Leonie Rysanek, Tito Gobbi, Elisabeth Schwarzkopf, Giuseppe di Stefano und viele andere mehr, die ihre Zeit künst­le­risch geprägt haben. Die letzten Fotos zeigen die Großen der Anfangs­phase der Wiener Hofoper und entführen den Leser für einen Moment in Zeiten, die jetzt schon fast 100 Jahre und mehr zurück­liegen. Jan Kiepura, Maria Jeritza, Leo Slezak, Richard Tauber, Selma Kurz, Lotte Lehmann, Max Lorenz und Enrico Caruso.

Der Bildband Bel Canto ist nicht nur eine Kurzchronik über 150 Jahre Wiener Staatsoper, es ist eine Hommage an die Sänge­rinnen und Sänger in dieser Epoche, die mit ihrem sprich­wört­lichen Schön­gesang das Publikum, den Opern­freund immer wieder aufs Neue begeistert haben und es auch heute noch tun. Es ist gleich­zeitig ein schönes Geschenk für Opern­lieb­haber und Freunde der Wiener Staatsoper.

Andreas H. Hölscher

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