Nachtstücke

Das Duo Amaris besteht aus der Mezzo­so­pra­nistin Julia Spiel und dem Gitar­risten Jesse Flowers. Zusammen haben sie das Album Nacht­stücke einge­spielt, das jetzt bei Paschen Records erschienen ist. Eine wunder­volle und abwechs­lungs­reiche Sammlung von Liedern, die für Gitarre arran­giert wurden. Helmut C. Mayer hat sich das Album angehört. 

Duo Amaris - Foto © Stephan Summers

Sensibel interpretierte Kleinode

Du heil’ge Nacht! Bald ist’s vollbracht. Bald schlaf ich ihn, den langer Schlummer, der mich erlöst von allem Kummer“: Es sind Töne von berüh­render Schönheit, die Franz Schubert bei einem seiner bekann­testen Lieder Nacht­stück zu Papier gebracht hat. Es strahlt Ruhe und Gebor­genheit aus und handelt von einem alten Einsiedler, im Einklang mit sich und der Welt, der im Mondschein in die Natur zieht und dort vom Tod davon­ge­tragen wird. Das Stück wurde zum Titel des ersten Albums Nacht­stücke des jungen Duos Amaris erwählt, das jetzt bei Paschen Records erschienen ist.

Aber nicht nur der Lieder­fürst Schubert, der „Urvater“ des Kunst­liedes kommt noch unter anderem mit den Kleinoden Nacht­gesang, Die Nacht, Nacht­violen zu Wort, sondern auch andere, zum Titel des Albums passende, klug zusam­men­ge­stellte Lieder dreier Kompo­nisten wurden aufge­nommen. Eröffnet wird der Tonträger mit Mélodies I und II, wie auch Romance und Les Angélus von Claude Debussy mit nachdenk­licher Zerbrech­lichkeit und schil­lerndem Glitzern. Zwei spanische Kompo­nisten sind in dieser kontrast­reichen Werkfolge ebenfalls zu erleben: Enrique Granados mit Auszügen aus seinen Tonadillas en estile antiguo mit nächt­lichen Begeg­nungen unterm Fenster mit Charme und Schalk sowie Manuel De Fallas Siete canciones populares Espanolas mit Eifer­suchts­arien, Wiegen­liedern oder dem bloßen und stillen Weinen in der Natur.

Und alle Lieder wurden für Gitarre arran­giert vom männlichen Teil des Duos, Jesse Flowers, einige teilweise auch gemeinsam mit seinem ehema­ligen Lehrer Tilman Hoppstock. Das ist durchaus legitim, denn von Schubert ist überliefert, dass er selbst eine Gitarre besaß und auf Reisen auch zum Kompo­nieren benutzte. So gilt etwa gesichert, dass er das Lied Nacht ursprünglich für Gesang und Gitar­ren­be­gleitung kompo­nierte. All diese Minia­turen werden von Flowers mit unter­schied­lichen Klang­farben, Spiel­tech­niken und Artiku­la­tionen der Gitarre wohltönend und sensibel musiziert und zu einem reizvollen Ganzen gefasst, wodurch sich neue atmosphä­rische Welten erschließen lassen.

Allen Kleinoden schenkt die junge Julias Spies ihren unver­brauchten, hellen, glocken­reinen Mezzo­sopran. Ungemein feinsinnig, gefühlvoll berührend ist ihre Inter­pre­tation. Sie singt sie zudem mit exempla­ri­scher Wortdeut­lichkeit und wunder­barer Phrasierung.

Spies, 1988 in der Nähe von Heidelberg in Deutschland geboren, studierte Gesang in Detmold und Köln. Sie ist freibe­ruflich als Konzert‑, Opern- und Ensem­ble­sän­gerin tätig. Besonders für ihre Liedin­ter­pre­ta­tionen wurde sie bereits mit mehreren Preisen ausge­zeichnet. Flowers, 1994 in Australien geboren, ebenfalls vielfach preis­aus­ge­zeichnet, studierte Gitarre in Australien, Darmstadt sowie Berlin und gastiert mittler­weile als Solist und mit Solore­citals weltweit. Beide fanden nach der erfolg­reichen Teilnahme beim Deutschen Musik­wett­bewerb 2016 als Duo Amaris zusammen.

Das Booklet der CD liefert reichlich Hinter­grund­in­for­ma­tionen zum Werk, aber auch ausführ­liche Biografien zu den Künstlern. Klar und brillant ist ohne Einschränkung der Ton.

Helmut Christian Mayer

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