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Ein Freund, ein guter Freund

Christian Walther hat eine lesens­werte Biografie über den vielsei­tigen Liedtexter Robert Gilbert geschrieben, die beim Ch. Links Verlag erschienen ist. Das 300 Seiten umfas­sende Werk schildert sehr lebendig seine Jugend in Deutschland, die Zeit seiner Emigration nach Amerika und die Rückkehr in seine Heimat. Karin Coper war insbe­sondere vom Stil des Buchs sehr angetan. 

Christian Walther - Foto © privat

Den gab’s nur einmal

Er war Schla­ger­texter, Komponist und Musical-Übersetzer, Lebemann, Kommu­nis­ten­freund und Emigrant: Robert Gilbert, auf den all diese Charak­te­ristika zutreffen, führte ein persönlich und künst­le­risch kontrast­reiches Leben.

So spannend wie seine Vita ist auch die Biografie von Christian Walter zu lesen. Sie basiert auf der Disser­tation des Autors und Fernseh­jour­na­listen, die von ihm für das Buch erweitert und aktua­li­siert wurde.

Dabei steht der Lebensweg Gilberts im Mittel­punkt, doch ist dieser einge­bettet in den zeitge­schicht­lichen und gesell­schaft­lichen Hinter­grund. Der Unter­titel Lieddichter zwischen Schlager und Weltre­vo­lution ist program­ma­tisch: Er spielt darauf an, dass in Gilberts Brust zeitlebens zwei Seelen wohnten: der smarte Unter­hal­tungs­künstler und der revolu­tionäre Politdichter.

Robert Gilbert, der eigentlich David Robert Winterfeld heißt, wird 1899 in Berlin geboren. Sein Vater ist der berühmte Operet­ten­kom­ponist Jean Gilbert, der seinen ursprüng­lichen Namen Max Winterfeld aus besseren Vermark­tungs­gründen geändert hat. Als Abgrenzung zum begüterten Elternhaus

studiert er Philo­logie und Kunst­ge­schichte und inter­es­siert sich für die Arbei­ter­be­wegung. Er besucht kommu­nis­tische Versamm­lungen, distan­ziert sich aber später von den radikalen Strömungen der Partei.

Seine künst­le­rische Laufbahn beginnt 1922 mit Kabarett­nummern und Schla­ger­texten. 1925 kreiert er gemeinsam mit seinem Vater die Operette Annemarie, die zum Kassen­schlager wird, auch wegen des Marschs Durch Berlin führt immer noch die Spree. Parallel schreibt er Arbei­ter­lieder, darunter 1929 zusammen mit Hanns Eisler das berühmte Stempellied. Auch an der Berliner Bühnen­sen­sation Im weißen Rössl ist er beteiligt: als Komponist der Einlage Was kann der Sigismund dafür.

Gilberts dichte­rische Spann­weite ist breit. Populäres steht neben Politi­schem, Tonfilm­schlager neben prole­ta­ri­scher Lyrik. Dank seines Talents für Wortwitz, fein gesetzte Pointen und freche Reime schreibt er einen Hit nach dem anderen: Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln geh’n, Ein Freund, ein guter Freund, Das gibt’s nur einmal sind solche Evergreens. Erst als die Natio­nal­so­zia­listen an die Macht kommen, wird seine Produk­ti­vität gestoppt, und er ist als Jude gezwungen, auszu­wandern. Über Wien und Paris flieht er 1939 nach Amerika.

POINTS OF HONOR

Buchidee
Stil
Erkenntnis
Preis/​Leistung
Verar­beitung
Chat-Faktor

In New York wird er Teil der leben­digen Emigran­ten­szene und trifft alte Freunde wieder: die Kompo­nisten Werner Richard Heymann und Robert Stolz, die politische Philo­sophin Hannah Ahrendt und ihren Ehemann Heinrich Blücher.

1949 kehrt er nach Europa zurück und kann, im Gegensatz zu vielen Rückkehrern, an frühere Erfolge anknüpfen. Er verfasst einen Krimi­nal­roman, der auch verfilmt wird und erobert als Übersetzer ein neues Betäti­gungsfeld. Initiator ist Gilberts 1924 nach Amerika ausge­wan­derter Jugend­ka­merad Friedrich Löwe, der dort als Frederick Loewe im Show-Geschäft Karriere gemacht hat. Er beauf­tragt ihn, sein Musical My Fair Lady ins Deutsche zu übertragen. Das Resultat ist so überzeugend, dass er weitere Anfragen in diesem Metier bekommt. Hello Dolly und Cabaret sind nur zwei Beispiele für seine pointierte Übersetzungskunst.

Bis Anfang der 1970-er Jahre bleibt Gilbert kreativ, dann wird es still um ihn. 1978 stirbt er in seiner Tessiner Wahlheimat.

In einem Gedicht schreibt Gilbert über Memoiren, die er selbst nicht verfassen wollte: „Meine Memoiren, sollt‘ ich sie schreiben? Oder sag ich lieber: Basta! Schwamm darüber Lass es besser bleiben.“ Christian Walther hat sich glück­li­cher­weise nicht daran gehalten. Von seinem gut 300 Seiten umfas­senden Lebens­porträt, das auch der privaten Seite Gilberts genügend Raum gibt, ist man durchweg gefesselt. Berei­chert wird der Band durch den Abdruck vieler Liedtexte und persön­licher Fotos, dazu gibt es im Anhang eine sorgfältige Auflistung der Quellen.

Karin Coper

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