O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Der Zwerg

Bei Naxos ist die Aufzeichnung von Zemlinskys Oper bei der Deutschen Oper Berlin aus dem Jahr 2019 erschienen. Musika­lisch farbig glitzernd, überzeugen großartige Sänger. Und die Regie bietet einen reizvollen Kunst­griff. Helmut Mayer hat’s gesehen und war sehr angetan. 

Donald Runnicles - Foto © Simon Pauly

Der doppelte Zwerg

Bist du es, feind­liches Bild“: Jäh, brutal ist der Fortissimo-Aufschrei im Orchester und gewaltig das Erschrecken beim erstma­ligen Erkennen seines hässlichen Spiegel­bildes und ein Höhepunkt der Oper Der Zwerg von Alexander von Zemlinsky. In der jetzt bei Naxos erschie­nenen DVD und Blu-ray-Disc aus der Deutschen Oper Berlin hat Regisseur Tobias Kratzer diesen Moment spannungs­ge­laden mit einem Kunst­griff noch dadurch verstärkt, dass er die Figur des Zwerges mit einem Sänger und einem klein­wüch­sigen Schau­spieler verdoppelt hat. Beide sind im Frack, der Tenor zunächst nur vor einem Notenpult, der Schau­spieler zuerst als Dirigent vor einem auch auf der Bühne befind­lichen Orchester. Anfangs verleiht der Tenor dem anderen nur Stimme, dann geraten beide immer mehr in Konflikt, der letal endet, denn der Sänger erwürgt den Schau­spieler und stirbt dann auch.

Die Oper beruht auf Oscar Wildes Märchen Der Geburtstag der Infantin, bei dem die Prinzessin von einem Sultan einen Zwerg geschenkt bekommt, der aber nichts von seiner Missge­stalt weiß. Der Einakter wird auf einer weißen Konzert­bühne gezeigt, die von einer Orgel dominiert und von weißen Büsten von Kompo­nisten, die Ausstattung ist von Rainer Sellmaier, umrahmt wird, die zum Finale von ihren Konsolen gestürzt werden. Das Spiel mit und über Musik wirkt sehr kunstvoll wie auch das Zusam­men­kommen der Luftballon schwen­kenden, in heutigen Gewändern steckenden Hofge­sell­schaft mit dem am Podium sitzenden Orchester, auch etwas bemüht.

Butt Philip als tenoraler Zwerg singt die schwere Partie höhen­sicher, vielleicht eine Spur zu eindi­men­sional, sein lyrisches Lied von der blutenden Orange gelingt ihm sehr schön. Mich Morris Mehnert zeigt als Schau­spieler den Zwerg mimisch und gestisch sehr beein­dru­ckend. Elena Tsallagova singt die beschenkte Infantin Donna Clara im Glitzer­kleid und anfänglich vor Lange­weile stets kaugum­mi­kauend mit glasklarem, geschärftem Sopran, mit Koket­terie, aber auch Anmut. Zum Schluss mischt sich in ihre Herzlo­sigkeit und dem grausamen Spiel mit dem Zwerg – „Geschenkt und schon verdorben“, so ihr Zitat – doch eine Ahnung von Liebe. Philip Jekal als Haushof­meister Don Esteban und Emily Magee als Lieblingszofe Ghita singen beide souverän, ebenso wie die vielen kleineren Rollen und der Chor der Deutschen Oper, dessen Einstu­dierung Jeremy Bines vornahm.

Donald Runnicles am Pult des Orchesters der Deutschen Oper Berlin weiß die spätro­man­tische Musik von Zemlinsky, das Geflecht der Themen und Harmonien  mit vielen aufre­genden Details und wunder­baren Farben zum Glitzern und Leuchten zu bringen.

Da in dieser Oper der selbst klein­wüchsige Komponist Zemlinsky autobio­gra­fisch seine Beziehung zu seiner Schülerin Alma Mahler-Werfel verar­beitet hat, wird bei dieser Berliner Produktion eine achtein­halb­mi­nütige insze­nierte Szene mit der „Begleit­musik zu einer Licht­spiel­scene“ von Zemlinskys Schwager Arnold Schönberg voran­ge­stellt. Alma Mahler, sie hieß damals noch Schindler, nimmt beim kleinen, realiter nur 1,60 Meter großen Zemlinsky Klavier­un­ter­richt und schmachtet ihn an. Gemeinsam steigern sie sich in einen Klang- und Liebes­rausch. Plötzlich stößt sie ihn von sich und verweist auf sein Spiegelbild. Die Gattin des Dirigenten, Adelle Eslinger-Runnicles, verleiht ihr die Haltung einer Grande Dame, während der Pianist Evgeny Nikoforov einen keines­falls unansehn­lichen Zemlinsky darstellt.

Die Video­regie von Götz Filenius weiß in allen Perspek­tiven und Einstel­lungen in der Totalen und in den Nahauf­nahmen immer am Brenn­punkt des Geschehens zu sein. Viel Beifall.

Helmut Christian Mayer

Teilen Sie O-Ton mit anderen: