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Die Walküre

Bereits 2005 hat Keith Warner die Walküre für das Royal Opera House London insze­niert. In diesem Jahr ist bei Opus Arte eine Aufzeichnung aus dem Jahr 2018 erschienen. Für die ideenarme Szene entschädigt die musika­lisch packende Inter­pre­tation. Helmut C. Mayer hat sich die DVD angeschaut. 

Keith Warner - Foto © Monika Forster

Rätselhafte Ausstattung

Man hat von Keith Warner in letzter Zeit durchaus Überzeu­gendes gesehen, etwa in Wien bei Mozarts Don Giovanni oder bei Henzes Elegie für junge Liebende jeweils am Theater an der Wien. Wenn sich der Regisseur dann noch dazu bekennt, sich seit seinem 14. Lebensjahr für Richard Wagner zu begeistern, dann mag es schon verwundern, mit welcher Einfalls­lo­sigkeit und von der Ausstattung teils Rätsel­haf­tigkeit er Die Walküre am Royal Opera Hause London Covent Garden insze­niert hat. Zugegeben, die Insze­nierung stammt aus 2005, ist also nicht mehr ganz frisch. Sie wurde aber im Oktober 2018 aufge­nommen und ist jetzt 2020 auf DVD und Blu-ray Disc bei Opus Arte erschienen.

Wenn man bedenkt, welche optischen Möglich­keiten die Schlüs­sel­szenen dieser erste Teil der Ring-Tetra­logie, wie etwa der Walkü­renritt oder der Feuer­zauber bieten und wie beein­dru­ckend man die schon erleben durfte, dann ist man verwundert über einen seltsamen Raum mit eigen­ar­tigen Requi­siten und einer Eisen­spirale mit dem darin steckenden Schwert oder über nur eine langweilige drehbare, weiße Wand oder über Walküren, die mit skelet­tierten  Pferde­schädeln wackeln, offenbar um irgendeine Aktion vorzu­täu­schen mit vagen Schatten- und Video­pro­jek­tionen. Und bei seinem Abschied von seiner Lieblings­walküre schleicht Wotan bloß langsam mit Brünn­hilde über die Bühne, um ihr dann einen verdächtig langen Kuss auf den Mund zu geben.

Die vielen Farbwechsel tragen auch dazu bei, dem Feuer­zauber jegliche Wirkung zu nehmen. Dann ist da noch die Sache mit dem in allen Akten omniprä­senten Sofa mit den Widder­hörnern: Auf diese schmiert Hunding im ersten Akt das Blut seiner erlit­tenen Verletzung, im zweiten dient es als Versteck für Sieglinde und zum Finale als lange Schlaf­statt für Brünn­hilde. Ein durch­dachtes Regie­konzept sieht anders aus! Dabei muss man als Video-Betrachter durch die gescheite Kamera­führung von Jonathan Haswell noch nicht einmal ständig die zugemüllte Bühne sehen. Wenigstens funktio­niert die Perso­nen­führung recht gut.

Königin des Abends ist Nina Stemme, die bei der Höchst-Dramatik noch dazu schön singen kann, mit vielen Schat­tie­rungen und einer wunder­baren Todes­ver­kün­digung. Abgesehen davon ist sie ein so unhel­di­sches, empfind­sames, liebens­wertes Wotanskind. Vokal beinahe ebenbürtig erlebt man Sarah Connolly als Götter-Gattin Fricka, eine Verfüh­rerin im roten Abend­kleid, mit roten Haaren, die Wotan nicht mit Zorn, sondern Raffi­nesse zusetzt. Emily Magee ist für die Sieglinde vielleicht eine Spur zu drama­tisch. Man hört schon die Brünn­hilde! Aber sie verfügt über einen Sopran von rundem, vollem Klang, präsent auch in der Mittellage. Warum sie sich zu Beginn wie in Wehen auf einem Podest hin und her winden muss, bleibt unerfindlich. Stuart Skelton ist als Siegmund ein Stimm­protz und gibt die längsten und kraft­vollsten Wälse-Rufe aller Zeiten und hält auch noch das blühende „Wälsun­genblut“ weit länger als vorge­sehen. Er verfügt auch über eine wohltö­nende Mittellage, sein Spiel ist eher einge­schränkt. John Lundgren singt den Wotan mit seinem hellen Bariton und seinem gar nicht edlen Timbre durchwegs hart und kalt und meist auch zu eintönig. Fast zu attraktiv für den sehr präsenten Hunding ist Ain Anger mit bassge­wal­tiger Stimme, die auch in den leiseren Passagen sehr beein­druckt. Er ist als Figur sehr brutal gezeichnet, und sein Todes­kampf ist hollywoodwürdig.

Antonio Pappano dirigiert das Orchester des Royal Opera House sehr sänger­freundlich, aber wenn angebracht, auch rauschhaft, saftig, aufwühlend und auf Überwäl­tigung setzend.

Wie Nina Stemme wird der Dirigent ganz besonders vom Publikum gefeiert.

Helmut Christian Mayer

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