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Polifemo

Mitte vergan­genen Jahres führte das Ensemble 1700 unter der musika­li­schen Leitung von Dorothee Oberlinger Polifemo von Giovanni Battista Bononcini bei den Musik­fest­spielen Potsdam Sanssouci auf. Ein Jahr später erscheint der Mitschnitt als Doppel­album bei Sony Music in Kopro­duktion mit Deutsch­landfunk Kultur und den Musikfestspielen. 

Dorothee Oberlinger - Foto © privat

Die Liebe – ein Schmetterling

Gleich mehrere griechische Götter muss Polifemo bemühen, um vielleicht  doch den Weg zu seiner verehrten Galatea zu finden: den Meeres­gottes Nereus, die Künste der Zauberin Circe und schließlich noch Venus.

Bononcini, auch als „Meister des frühen Belcanto“ bekannt, war an den adeligen Höfen seiner Zeit um 1700 bestens einge­führt. Ob in Wien, Potsdam/​Berlin oder London, gern nahm man seine Dienste als Kompo­siteur und Musiker in Anspruch, wenn es darum ging, wieder einmal einen fürst­lichen Abend auszurichten.

Und so beginnt die Aufzeichnung des Potsdamer Konzertes in gemäch­lichem Tempo mit dem Eintreffen der Gäste, die eine gravi­tä­tisch wirkende Ouvertüre auf das kommende Fest einstimmt. Natürlich geht es – wieder einmal – um die Liebe, die nur mithilfe überir­di­scher Kräfte vor den Gefahren des Dunkels, des Jenseits bewahrt und mit Götter­hilfe schließlich zum Erfolg geführt werden kann.

Der Fischer Glauco ist ein einfacher Mann, dem die schöne Silla den Kopf verdreht hat, doch noch viel mehr von dem Scheusal Polifemo, einem aus der griechi­schen Sagenwelt entlie­henen, einäu­gigen Ungeheuer begehrt wird. Das Konkur­renzpaar Aci und Galatea mischt sich intrigant in die Liebes­affäre, der Polifemo zum Schluss durch Erschlagen des Aci ein Ende setzt. Venus kann versi­chern, „der Tod hat keine Macht in diesem Reich“ und holt Aci zurück ins Leben, der Schlusschor kann einsetzen. Die Romanze um den Hirten Aci und Galatea und die Bedrohung durch Polifemo haben gleich mehrere Kompo­nisten des frühen Barock beschäftigt. Der Italiener Lully, der den größten Teil seines Lebens am Hofe Ludwigs XIV. verbrachte,  sein Landsmann Bononcini aus Modena und Händel greifen den Stoff gleich mehrmals auf, wobei sich die Urheber­schaft einzelner Stücke gelegentlich verwischt.

Dorothee Oberlinger gründete 2002 in Köln das Ensemble 1700, das sich intensiv und mit großem Erfolg der europäi­schen Kammer­musik des 17. und 18. Jahrhun­derts widmet. Die inzwi­schen inter­na­tional bekannten Konzerte des 15-köpfigen Ensembles wurden „von Presse und Publikum gleicher­maßen enthu­si­as­tisch aufge­nommen“. Auch die Polifemo-Aufführung im vergan­genen Jahr in Potsdam lässt musika­lisch keine Wünsche offen.

Das Intri­gen­spiel zwischen Silla, Glauco, Galatea und Aci wird immer wieder gestört durch das Ungeheuer Polifemo, einer Figur, die man bei Ovid entlehnt hat. Oberlinger hat für die unter­schied­lichen Charaktere ausge­zeichnete und ausdrucks­starke Sänger engagiert. João Fernandez bringt mit weicher Bass-Bariton-Stimme den Polifemo eher freundlich, Bruno de Sá singt den Aci als Sopranist, Helena Rasker, Sopran, gibt dem Fischer Glauco die glaub­würdige Verliebtheit, Liliya Gaysinas Circe wirkt fest und entschlossen, Roberta Mameli, Sopran, glänzt als Silla mit klaren, festen Höhen und leicht getupften Kolora­turen, Roberta Inver­nizzi gibt der Galatea ein ebenbür­tiges Auftreten, Maria Ladurner als Venere passt mit leichtem Sopran in diese Stimmenfolge.

In ständig wechselnden Arien und Rezita­tiven zeigen die Solisten eine klang­reiche Barock­musik, einige Duette, beispiels­weise von Galatea und Polifemo oder von Aci und Galatea sind musika­lische Lecker­bissen, oft begleitet von Cello­pas­sagen quasi als Basso continuo. Berührend präsen­tieren in Szene fünf Galatea und Aci ein Duett. Die zahlreichen Wechsel­ge­sänge der zweiten CD des Doppel­packs sind gesanglich und musika­lisch ein Genuss, denen der Zuhörer gern aufmerksam folgt. Gelegent­liche Tempe­ra­ment­aus­brüche der Silla und des Polifemo steigern die Spannung.  Das Ensemble fungiert mit großer Zurück­haltung weitgehend als Begleitung, lediglich die Celli und das Bassoon treten schon mal stärker in den Vordergrund.

Der am Anfang dieses Jahres bei Sony Music auf zwei CD erschienene Mitschnitt der Potsdamer Aufführung wird für alle Liebhaber der Barock­musik ein beson­derer Genuss sein. Ein leicht­füßig intonierter Melodien­reigen, locker und mit Spiellust präsen­tiert vom Ensemble 1700 und ein Bouquet schöner, weicher Stimmen laden dazu ein, zumindest im Geiste an diesem höfischen Fest teilzu­nehmen. Die Solis­tinnen und Solisten und das Ensemble 1700 unter der Leitung von Dorothee Oberlinger präsen­tieren einen Melodienstrauß, den die Zuhörer zu gern als Einladung verstehen.

Horst Dichanz

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