O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

S3nse

Nach ihrem mehrfach preis­ge­krönten Erstlingswerk stellt Choreo­grafin Karen Bößer nun ihren zweiten Film vor. Das einstündige Werk hat keine Handlung, aber eine wichtige Botschaft und eindrucks­volle Bilder. Und natürlich gibt es auch Tanz. Die Premiere am 29. Januar wird vom Publikum begeistert aufgenommen. 

Foto © Susanne Diesner

Mehr Meditation als Tanz

Foto © Susanne Diesner

Eigentlich ist sie Tänzerin und Choreo­grafin, aber ihre nächste Leiden­schaft zeigt schon ihre Netzseite. Karen Bößer liebt den Film – umso mehr, je eher er sich mit dem Tanz beschäftigt. Jetzt hat die Düssel­dor­ferin ihren zweiten Kinofilm vorge­stellt. S3nse könnte man als meditative Wanderung verstehen. Nach einer Handlung sucht man vergebens, aber die Bilder halten einen gefangen.

Foto © Susanne Diesner

S3nse ist eine künst­le­rische Reaktion auf das Leben in den gesell­schaft­lichen Nebel­kammern, die sich allge­gen­wärtig ausbreiten. Demokra­tische Entschei­dungen, völker­recht­liche Prinzipien und geopo­li­tische Grenzen werden indivi­duell ausgelegt und verlieren damit ihre Gültigkeit. Konse­quenzen sind kaum einschätzbar“, beschreibt Tänzerin, Choreo­grafin und Filme­ma­cherin Karen Bößer die gegen­wärtige Lage und damit die Ausgangs­si­tuation für ihr neues Werk. „Gesell­schaft­liche Minder­heiten setzen dank sozialer Medien Themen und Stimmungen durch, grotesk aufge­bläht, deren Diskussion das gros der Gesell­schaft ablenkt und auf Neben­kriegs­schau­plätze führt. Es ist völlig unklar, welche Kräfte am Ende dominieren“, fährt sie fort und kommt damit zur Motivation, die sie angetrieben hat, nach ihrem ersten, inzwi­schen mehrfach inter­na­tional preis­ge­krönten Film D|S°Dance nun S3nse zu präsentieren.

Das Bambi-Filmstudio, 1965 erbaut und liebevoll restau­riert, gehört zu den Düssel­dorfer Filmkunst­kinos. Seine Spezia­lität sind „Erstauf­füh­rungen, Premieren und Filmkunst­perlen“, und damit ist es wunderbar geeignet, Bößers Film der Öffent­lichkeit vorzu­stellen. Schon der Kinosaal ist ein Erlebnis. Die Fauteuils vor der Leinwand in einer Größe, die sich sonst heute niemand mehr aufzu­hängen traute. Im Foyer gibt es an einer Bar Getränke, die mit in den Saal genommen werden dürfen. Und klar, dass es nicht lange dauert, bis das erste Scheppern von Kaffee­tassen im Dunkeln zu hören ist. Da hat die Vorstellung vor zahlreich erschie­nenem Publikum aller­dings schon begonnen.

Eine regne­rische Nacht in der Großstadt. Blinkende Lichter in Pfützen. Der Zustand der Straßen lässt schnell erraten, dass es sich um Düsseldorf handelt. Ja, schon in den ersten Sekunden wird klar, dass der Film, wenn er außerhalb des Rhein­landes gezeigt werden wird, gewinnen wird. Denn unwill­kürlich versucht der Düssel­dorfer Zuschauer, immer wieder zu „erraten“, wo diese oder jene Sequenz von Susanne Diesner mit der Haupt­kamera in teils epischen Bildern einge­fangen wurde, wo Roman Reinert die Drohne über Hochhaus­kanten stürzen lässt oder wo sich die Tänzer gerade aufhalten, wenn beispiels­weise Misael López im Reisholzer Hafen herumklettert.

López, in Chile geboren und studiert, lebt seit 1987 als Choreograf, Tanzpäd­agoge und Schau­spiel­lehrer in Köln und Düsseldorf. Er übernimmt die Rolle des Wanderers. Er ist derjenige, der den Film voran­treibt, der zwischen Natur­land­schaften und urbanen Eindrücken mäandert. Wenn er nicht gerade innehält, um mit seiner Armarbeit an dem Lösungs­ansatz arbeitet, den Bößer anbietet, den Versuch, eine neue Balance zu finden. Und damit ist auch schon das „Manko“ des Films aufge­deckt, zumindest für Menschen, die die Arbeit von Karen Bößer als Tänzerin besonders schätzen. Denn von ihr ist wenig zu sehen. Der Trost: Wenn sie auftritt, begeistert sie vor allem in ihrem Umgang mit ihrer Bluse. 2018 hat sie die Idee schon mal in Pieces of Manifesto mit einer Tüte gezeigt, sie aber jetzt aufregend weiter­ent­wi­ckelt. Dass die beiden sich in weiten Teilen des Films gegen­seitig gefilmt haben, geht im Video­schnitt von Dirk Dietrich Hennig ohne Verlust unter.

Während in vielen Arbeiten Bößers der hämmernde Bass den Saal vibrieren lässt, hat sich Thomas Klein aka Sølyst hier mit seiner Musik angenehm zurück­ge­halten, um so den medita­tiven Charakter des Films zu unter­streichen. Das ist gelungen. Im ruhigen Blick auf fließendes Wasser im Sonnen­un­tergang geht der Film zu Ende. Der Kreis schließt sich, womöglich ist die Balance gefunden.

Das englische Wort sense meint sowohl das verstan­des­mäßige wie das sinnliche Erfassen. Und damit ist der Film  blendend betitelt, hält er doch die Waage zwischen Poesie und Bildern, die dem Heute entnommen sind. Es wird spannend sein zu sehen, wie die inter­na­tionale Festi­val­ge­meinde das Werk aufnehmen wird. Entgehen lassen sollte man sich ihn in keinem Fall, wenn sich die Möglichkeit dazu ergibt.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: