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Frohlocken leichtgemacht!?

Silke Aichhorn ist freischaf­fende Harfe­nistin. Wie schon in ihrem ersten Band Lebens­länglich frohlocken nimmt sie ihre Leser mit in den sehr oft ungla­mou­rösen Musiker­alltag. Andreas H. Hölscher hat auch die Harfen­aben­teuer des zweiten Bandes in einem durch­ge­lesen und ist zu einem Fan geworden. 

Silke Aichhorn - Foto © privat

Agentenchaos und Konzertakquise

Silke Aichhorn ist Künst­lerin und Unter­neh­merin in Perso­nal­union. Die freischaf­fende Harfe­nistin managt sich selbst, organi­siert ihre Konzerte und Reisen selbst, produ­ziert unter eigenem Label ihre mittler­weile 33 Alben umfas­senden Aufnahmen mit Konzerten für Harfe, von Klassik bis Pop, von Barock­musik bis Kammer­musik, von Oper bis Crossover. Sie tritt sowohl bei großen Konzerten als auch bei kleinen Veran­stal­tungen auf, ist Dauergast bei Beerdi­gungen und Hochzeiten, aber auch in Kranken­häusern und im Hospiz. Ihr musika­li­scher Alltag ist nicht glamourös, wie man das vielleicht vermutet. Sie muss sich mit dem normalen Alltags­wahnsinn herum­schlagen, für Aufnahmen oder Konzerte jede Menge bürokra­tische Hinder­nisse aus dem Weg räumen und gegen den Dilet­tan­tismus von selbst­er­nannten Konzert­ver­an­staltern und Möchte­ger­n­agenten kämpfen. Am Ende aber siegt immer die Musik, und die Harfe beherrscht die Powerfrau, die nebenbei auch noch eine Familie mit zwei Töchtern hat, in Vollendung, davon zeugen neben ihren Audio­auf­nahmen auch jede Menge Konzert­videos, denn Aichhorn hat auch einen lohnens­werten eigenen YouTube-Kanal.

Über ihren so wenig glamou­rösen Alltag hat sie 2019 ein herrlich komisches Buch mit dem Titel Lebens­länglich frohlocken geschrieben. Nach dem großen Erfolg ihres Erstlings­werks hat sie vor kurzem die Fortsetzung mit dem bezeich­nenden Titel Frohlocken leicht­ge­macht!? auf den Markt gebracht mit neuen skurrilen Geschichten aus dem Alltag einer Harfe­nistin. Wieder ist Aichhorn als Engel auf dem Cover zu sehen, doch diesmal mit großen schwarzen Flügeln, die Harfe als kleines Modell in der Hand. Und dieses Foto passt zu den 38 Geschichten in dem 224 Seiten umfas­senden Buch, das auch wiederum als E‑Book erhältlich ist, natürlich von Aichhorn selbst gelesen. Ihre Bücher und Musikalben hat sie gerade ganz aktuell mit einem eigenen Stand auf der Leipziger Buchmesse präsentiert.

Die Geschichten nehmen in diesem Buch deutlich an Inten­sität zu, die Kluft zwischen gesundem Menschen­ver­stand und krank­ma­chendem Dilet­tan­tismus, dem Aichhorn im Alltags­wahnsinn ausge­setzt ist, scheint immer größer zu werden. Ein Grund dafür scheint die zurück­lie­gende Corona-Pandemie zu sein, die durch Lockdowns und viele nicht nachvoll­ziehbare Regle­men­tie­rungen die Möglich­keiten von freischaf­fenden Künstlern in dieser Zeit stark einge­schränkt hatte, zum Teil auf Null zurück­ge­fahren. Und wer denkt, nach Abflauen der Pandemie und Aufhebung der Beschrän­kungen wäre für Künstler wieder Friede, Freude, Eierkuchen, der irrt gewaltig. Kaputte Struk­turen, zerstörte Kontakte, finan­zielle Defizite lassen die Kultur­szene nur ganz langsam wieder zur Norma­lität zurück­kehren. Und auch die Geschichten, die Aichhorn erzählt, zeugen von dieser schweren Bürde, auf die sie schon in ihrem Vorwort eingeht.

Diverser E‑Mail-Verkehr oder nacher­zählte Telefonate mit Veran­staltern und Agenten zeigen das Chaos, dem sich Aichhorn mit unerschüt­ter­licher Gelas­senheit  und einem bayrisch dicken Fell stellt. Ihr Lebens­motto lautet: „Bevor I mi aufreg, is ma liaba Wurscht!“ Wenn Zuschauer sie nach einem zweistün­digen Konzert fragen, was sie eigentlich beruflich mache, dann pflegt sie zu antworten: „Ich bin im richtigen Leben eigentlich Metzge­rei­fach­ver­käu­ferin.“ Am Ende aber siegt wieder die Musik, die Kunst, die Harfe. Und natürlich gibt es wieder wie im ersten Band herrlich komische Geschichten von „Gruft-Muggen“, so nennen Künstler gerne ihre musika­li­schen Einsätze bei Beerdi­gungen. Chaotische Hochzeiten mit abstrusen Musik­wün­schen, arrogante Geschäfts­führer von Unter­nehmern, die die Begleit­musik bei Firmen­ver­an­stal­tungen als Selbst­zweck sehen und Künstler zu subor­di­nierten Befehls­emp­fängern degra­dieren. Auch mit dem Thema Gage, unter Künstlern eher ein Tabuthema, geht Aichhorn durchaus offensiv um, insbe­sondere wenn Veran­stalter die Gage zu drücken versuchen mit dem Argument „Sie sind doch verhei­ratet!“ Willkommen im Jahr 2023! Inter­essant auch eine Geschichte über einen Rezen­senten, der mangels fachlicher Kennt­nisse über Harfen und Harfen­musik sie lieber auf ihre Kleidung und Schuhe reduzieren möchte. Man leidet auch in diesem Buch wieder mit der Autorin, wenn sie über lange Nacht­fahrten im Auto, Wetter­wid­rig­keiten oder Borniertheit von Veran­staltern spricht, die sie beim Transport ihrer 40-kg-Harfe gerne alleine lassen.

Geschichten von Eltern und Lehrern, die ihre Kinder bei „Jugend musiziert“ anmelden, dem Wettbewerb, für den Aichhorn in ihrer Region die Auffüh­rungen organi­siert, lassen einen erschaudern, wie mit wenig Sensi­bi­lität der Nachwuchs überfordert und die Erzie­hungs­be­rech­tigten völlig falsche Vorstel­lungen über den Stand der Quali­fi­kation ihrer Spröss­linge haben. Es gibt Geschichten vom Wahnsinn im Umgang mit Behörden oder inkom­pe­tenten Veran­staltern. Oft dauert es Monate, bis ein Konzert zustande kommt, dann eingeübt, vorbe­reitet und organi­siert wird, bevor es dann kurz vor dem Auftritt aus oft faden­schei­nigen Gründen wieder abgesagt wird. Auch wenn die Geschichten im Vergleich zum ersten Band härter und drasti­scher wirken, bleibt der für Aichhorn so typische trockene Humor nicht auf der Strecke. Sie ist eine unerschüt­ter­liche Optimistin, die immer versucht, aus einer schwie­rigen oder gar aussichts­losen Lage noch das Beste rauszu­holen. Kraft schöpft sie dabei aus der Musik, aus der Liebe zu ihrer bayeri­schen Heimat am Chiemsee und zu ihrer Familie.

Man muss, um dieses Buch und Aichhorn zu verstehen, nicht unbedingt den ersten Band gelesen haben, aber wenn man die „Marke“ Aichhorn als Ganzes erleben möchte, dann sind die beiden Bücher durchaus als eine homogene Einheit zu begreifen, die im Verbund mit  ihren wunder­baren Aufnahmen stehen. Wer die Bücher liest und ihre Alben hört, der wird ein Fan von Silke Aichhorn.

Andreas H. Hölscher

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