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Ausgeträllert

Anja Rauter nimmt in ihrem ersten Opern­krimi die Leser mit in rasante und humoris­tische Priva­termitt­lungen nach einem Mord an der Diva der Wiener Staatsoper. Ein amüsanter Krimi, der gleich­zeitig auch ein Streifzug durch Wien ist. Andreas H. Hölscher hat das Buch gelesen und viele Orte wiedererkannt. 

Anja Rauter - Foto © Christian Schörig

Aschenputtels letzte Arie

Mord in der Oper! Ein in den meisten drama­ti­schen Opern nicht ungewöhn­licher Aspekt. Tosca ersticht Scarpia, Otello erwürgt Desdemona, Siegfried erschlägt Mime, Don José ersticht Carmen. Die Liste lässt sich beliebig erweitern, der Mord als drama­ti­scher Höhepunkt macht auch den Reiz der Oper aus. Besonders inter­essant wird es, wenn der Mord nicht auf der Opern­bühne passiert, sondern hinter den Kulissen. Und wenn es dann auch noch die Diva der Wiener Staatsoper trifft, dann hat das schon fast etwas von einem gesell­schaft­lichen Ereignis und ist Stoff für eine eigene Oper. Und genau diesen Stoff hat Anja Rauter jetzt in einem amüsantem Opern­krimi verarbeitet.

Die allein­er­zie­hende Samantha Sauer, die mit ihrem Alltag in einem Wiener Immobi­li­enbüro mehr als unzufrieden und überfordert ist, betätigt sich nebenbei als Priva­termitt­lerin, um untreuen Ehemännern auf die Schliche zu kommen – das ist ihr Spezi­al­gebiet. Ein solcher Einsatz führt sie in die Wiener Staatsoper zu einer Aufführung von Puccinis Madama Butterfly, um in einer Opernloge einen untreuen Ehemann in flagranti zu erwischen. Doch dann belauscht sie zufällig einen Streit zwischen der Star-Sopra­nistin Francesca Cuttolini und einem Unbekannten. Instinktiv nimmt sie das Streit­ge­spräch auf ihrem kleinen Recorder auf, der eigentlich für die Priva­termittlung gedacht war. Am nächsten Tag wird die Diva tot am Fuße der Feststiege aufge­funden. Ein tragi­scher Unfall, wie die Oper und die Medien verkünden. Doch daran glaubt die Privat­de­tek­tivin, deren krimi­na­lis­ti­scher Instinkt geweckt wurde, überhaupt nicht. Gemeinsam mit ihrer pensio­nierten und neugie­rigen Mutter sowie der befreun­deten Gräfin Cosima Caecilia von Walden­stein versucht sie, den vermeint­lichen Mord an der Opern­sän­gerin aufzu­klären, sehr zum Missfallen des zustän­digen Polizei­kom­missars. Mit viel Witz, Charme und Einfalls­reichtum, aber auch mit Hang zur Abstru­sität machen sich die drei Damen an die Aufklärung des myste­riösen Todes­falls und stoßen dabei auf einige dunkle Geheim­nisse in der Opernwelt. Da gibt es den gelackten Star-Tenor Leonardo Rossi, der untreue Verlobte der toten Diva. Da gibt es die Zweit­be­setzung Mira Mondschein, die jetzt zur neuen Diva aufsteigt. Haben die beiden ein Mordmotiv? Und was ist mit der Braut eines russi­schen Oligarchen, auf deren Hochzeit Rossi singt? Fragen über Fragen, die sukzessive von den drei so unter­schied­lichen Damen gelöst werden, unter­stützt von der puber­tie­renden Lisa, Samanthas Tochter, die ihre alters­ty­pi­schen Compu­ter­fä­hig­keiten zur Verfügung stellt. Am Schluss entdeckt Samantha ein altes, dunkles Geheimnis und löst den Fall. Dabei bekommt auch noch ihr Liebes­leben neuen Schwung, und auch so manche Wiener Spezia­lität bleibt da nicht außen vor.

Anja Rauter, Jahrgang 1972, wurde in Baden bei Wien geboren und arbeitet seit über fünfzehn Jahren im Marketing. 2018 erschien ihr Roman­debüt Wir zwei auf Wolke sieben. Von ihrem Büro in der Wiener Walfisch­gasse blickt sie täglich auf die Staatsoper, die sie zum Schau­platz ihres ersten Haupt­stadt-Krimis macht. Und so entpuppt sich das Buch nicht nur als seichter Krimi für den Urlaub oder als Bettlektüre, es ist auch ein kleiner Wienführer rund um die Staatsoper. „Plachuttas Gasthaus zur Oper“ mit den angeblich besten Wiener Schnitzeln kommt da genauso vor wie das „Café Mozart“ an der Wiener Staatsoper, das alle herrlichen Klischees eines Wiener Kaffee­hauses erfüllt. Natürlich dürfen in so einer Geschichte das „Hotel und Café Sacher“ und das Wiener Natio­nal­hei­ligtum, der Stephansdom, von den Wienern auch liebevoll „Steffl“ genannt, nicht fehlen. Ein Drink in der legen­dären „Kruger´s Cocktailbar“ klingt da genauso verlo­ckend wie ein Spaziergang auf dem Wiener Zentral­friedhof mit den vielen Ehren­gräbern, wo neben zahlreichen berühmten Kompo­nisten auch Sänger der Wiener Staatsoper begraben sind. Somit ist dieser Opern­krimi auch ein spannender Regio­nal­krimi aus Öster­reichs Haupt­stadt, der zu einem Spaziergang durch die Wiener Innen­stadt einlädt.

Die 288 Seiten sind in 36 kurze Kapitel unter­gliedert, jedes trägt als Überschrift ein Zitat eines Protago­nisten, das auch manchmal wie ein Statement erscheint. „Wenn dir das Leben eine Zitrone gibt, leg ein Schnitzel darunter!“ stammt von Samantha Sauer, der Priva­termitt­lerin, die ständig hungrig ist und Schnitzel und Pizza einer ausge­wo­genen Ernährung vorzieht. Von ihrem Vater, dem verstor­benen Polizisten Ernst Sauer, hat sie nicht nur den krimi­na­lis­ti­schen Instinkt geerbt, sondern auch dessen Humor: „Die Oper ist erst zu Ende, wenn die dicke Frau zu singen aufhört.“ Und so liest sich der Wiener Opern­krimi leicht und locker herunter, die humoris­ti­schen Anteile dabei deutlich gegenüber den drama­ti­schen im Vorteil. Wäre dieser Roman selbst eine Oper, würde er eher in die Rubrik „Opera buffa“ denn als „Tragedia“ passen, mehr Rossini als Puccini, eher Cenerentola als Madama Butterfly. Nicht immer nimmt es Rauter mit den Beschrei­bungen ganz genau. Wenn Samantha in der Oper verträumt der Ouvertüre von Madama Butterfly lauscht, dann ist die Bezeichnung „Ouvertüre“ nicht glücklich, denn wie in Tosca oder Turandot hat Puccini bei diesen Werken keine Ouvertüre im klassi­schen Sinne kompo­niert, sondern die Handlung setzt unmit­telbar nach einer orches­tralen Einleitung ein, bei Madama Butterfly nach etwa einer guten Minute. Und die Aussage, dass Mozart auf dem Wiener Zentral­friedhof begraben liegt, ist leider auch nicht richtig. Nach neuesten Erkennt­nissen ist Wolfgang Amadeus Mozart am Wiener St. Marx Friedhof bestattet. Aller­dings gibt es auf dem Wiener Zentral­friedhof ein wunder­schönes Grabdenkmal für Mozart, zu finden unter der Gruppe 32 A, Nr. 55. Doch wäre es jetzt schon Beckmes­serei, sich an solchen kleinen Fehlern abzuar­beiten, denn insgesamt ist der Wiener Opern­krimi durchaus lesenswert. Wer Wien kennt, wer schon mal das besondere Flair der Wiener Staatsoper erlebt hat, der wird an dem Krimi seine Freude haben.

Andreas H. Hölscher

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