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Mord im Theater! Ein in den meisten dramatischen Theaterstücken nicht ungewöhnlicher Aspekt. Insbesondere bei William Shakespeares Dramen ist der Mord ein wichtiges Stilelement. Othello erwürgt seine Frau Desdemona, Macbeth ersticht Duncan, Claudius ermordet Hamlet. Die Liste lässt sich beliebig erweitern, der Mord als dramatischer Höhepunkt macht oft den Reiz der Theaterdramen aus. Besonders interessant wird es, wenn der Mord nicht auf der Theaterbühne passiert, sondern hinter den Kulissen oder wie in diesem Fall auf der Unterbühne. Und wenn es dann auch noch den Regisseur einer Freiluftaufführung von Shakespeares Ein Sommernachtstraum in der Nähe von St. Pölten trifft, dann hat das schon fast etwas von einem gesellschaftlichen Ereignis und ist Stoff für ein eigenes Drama. Und genau diesen Stoff hat Konstanze Breitebner jetzt in einem amüsantem Theaterkrimi verarbeitet.
Die Generalprobe für das Sommertheater in einem kleinen Ort in Niederösterreich hatte gut begonnen. Eine moderne Inszenierung von Shakespeares Ein Sommernachtstraum steht auf dem Spielplan einer kleinen Freiluftbühne. Alles ist fast perfekt vorbereitet für die Premiere. Doch kurz vor Ende des ersten Aktes die grausige Überraschung, der Regisseur liegt blutüberströmt und tot auf der Unterbühne! Vorhang zu für das Stück und gleichzeitig Vorhang auf für die neue Bezirksinspektorin Antonia Ranik aus St. Pölten, die hier ihren ersten Fall zu bearbeiten hat und sich dabei auch gegenüber Ressentiments ihrer Vorgesetzten behaupten muss. Die junge Kriminalpolizistin ermittelt im Ensemble nach möglichen Verdächtigen. Schnell wird ihr klar, fast jeder im Ensemble hatte so seine Schwierigkeiten mit dem cholerischen Regisseur, der auch schon mal die Hauptdarstellerin vor allen anderen Ensemblemitgliedern bloßstellte und schikanierte. Der Tote war alles andere als beliebt. Vom egomanischen Spielleiter zum Opfer in einem Mordfall. Wer hatte es auf Mateo Ander abgesehen? Hat jemand aus dem Ensemble versucht, einen perfekten Mord zu inszenieren? Doch wer hatte genug Wut im Bauch, um bis zum Äußersten zu gehen? Hat die renommierte Theaterschauspielerin Liane Blau die Anfeindungen des Regisseurs nicht verwinden können und sich gerächt? Doch im Rahmen der Ermittlungen kommen immer mehr Details aus dem Privatleben der Schauspieler zu Tage, die alle irgendwie eine unglückselige Verbindung zum Regisseur hatten und sich auch mehr oder wenig verdächtig verhalten.
Von der Wirtshausschlägerei zum Mordfall im Sommertheater, es ist ein aufregender Auftakt für Antonia Ranik in ihrem neuen Job als Kriminalpolizistin. Die Bezirksinspektorin stürzt sich in die Ermittlungen und stellt bald fest, dass der Mord viele Motive haben könnte. Der Krimi nimmt bis zu seinem überraschenden Ende immer neue Wendungen und stellt den im Geiste mitermittelnden Leser vor immer neue Herausforderungen. Es ist ein packender österreichischer Theaterkrimi mit viel Lokalkolorit aus der Feder der bekannten Drehbuchautorin und Schauspielerin Konstanze Breitebner, die mit dem Buch ihr Krimidebüt vorlegt.
Breitebner, geboren am 31. Dezember 1959 in Wien, absolvierte die Schauspielschule Krauss in ihrer Heimatstadt und die École internationale de Théâtre Jacques Lecoqin Paris. Die professionelle Schauspielkarriere begann am Wiener Ensemble-Theater. 1983 erhielt sie ein Engagement am renommierten Wiener Volkstheater, in den 1990-er Jahren folgten Engagements in Bonn und Frankfurt, 1998 kehrt sie nach Wien zurück, um am Theater in der Josefstadt zu arbeiten. In dieser Zeit begann ihre Arbeit in TV-Filmen, dazwischen spielte sie unter anderem am Landestheater St. Pölten, im Wiener Lustspielhaus, im Stadttheater Walfischgasse und gastierte regelmäßig im Theater zum Himmel. Im Sommer ist sie Ensemble-Mitglied in den Sommernachts-Komödien Rosenburg.
Neben Engagements in namhaften Theaterhäusern wie dem Wiener Volkstheater und dem Theater in der Josefstadt wirkte sie in zahlreichen Kinofilmen sowie TV-Produktionen mit, unter anderem in Der Salzbaron, Schlosshotel Orth, Traumschiff und Tatort. Sie schreibt Theaterstücke und war zuletzt auch als Drehbuchautorin fürs Fernsehen aktiv. Die renommierte Schauspielerin und mehrfach ausgezeichnete Drehbuchautorin wagt sich in neue Gefilde und bringt mit Tod auf der Unterbühne ihren ersten Krimi in den österreichischen Buchhandel. Das Buch ist für Breitebner auch eine Liebeserklärung ans Theater mit tiefen Einblicken in die Abgründe und Hintergründe und die unsichtbaren Vorgänge, die das Leben der Theatermenschen bestimmen.
„Ich entführe die werte Leserschaft in meine geliebte Theaterwelt – hinter die Kulissen, in die Garderoben und hinunter auf die Unterbühne. Ein Ort, den ich immer schon faszinierend fand. Zumeist dunkel und verwinkelt, laufen dort während der Vorstellung oft Umbauten ab, Schauspieler huschen von einem Auftritt zum nächsten, wechseln oft auch noch in rasendem Tempo ihre Kostüme … dann steigt man auf eine Hebebühne und schwebt in wenigen Augenblicken hoch ins gleißende Licht der Scheinwerfer … all das läuft wie ein Ballett ab, gut eingeübt, aufeinander abgestimmt und zumeist lautlos, weil wenige Meter darüber ja eine Vorstellung gespielt wird. Das muss jeden Abend perfekt ablaufen, eine kleine Unachtsamkeit kann alle in Gefahr bringen, so wie ein Sandkorn im Getriebe alles zerstören kann. Ja, dort unten lauern auch Gefahren, wenn man nicht gut aufpasst oder einen falschen Handgriff macht oder zu spät kommt oder …“, macht Breitebner Lust auf ihr Buch.
Man merkt als Leser sofort, dass die Autorin weiß, wovon sie spricht beziehungsweise worüber sie schreibt. Das Theater ist ihr Metier, und auch sie hat natürlich in ihrer langjährigen Karriere Dissonanzen und Streitereien mit Regisseuren gehabt, ohne die allerdings in Jenseits zu befördern. Und die Hauptdarstellerin Liane Blau in diesem Krimi scheint dabei, nicht nur wegen des Alters, eine Art Alter Ego Breitebners zu sein. Mit der jungen Bezirksinspektorin Antonia Ranik, einer aufstrebenden Polizistin mit Theatererfahrung und Migrationshintergrund, fiebert man bei den Ermittlungen förmlich mit. Und da ist dann noch Streifenpolizist Ferdl Berger, der Ranik zugeteilt wird, noch nie in einem Theater war und mit den Theaterleuten fremdelt. Hier geht es auch um Verständnis und Loyalität.
Die 320 Seiten lesen sich leicht und schnell, man taucht tief ein in die Welt des Theaters. Breitebner bedient viele gängige Klischees, um die meisten davon auch zu widerlegen. Der Schluss ist überraschend und nicht vorhersehbar, so wie sich das für einen guten Krimi gehört. Mit ihrem Debütkrimi Tod auf der Unterbühne hat Konstanze Breitebner ihrem Repertoire eine neue, spannende Facette hinzugefügt, der gerne weitere folgen dürfen. Der spannende Theaterkrimi ist die perfekte Urlaubslektüre für diesen Sommer.
Andreas H. Hölscher