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Samtschwarz die Nacht

Anne Stern entführt die Leser in ihrem dritten und letzten Band über die Gescheh­nisse rund um die Semperoper Dresden nun in das Jahr 1869. Im Mittel­punkt steht die Zerstörung der Semperoper durch ein verhee­rendes Feuer. Andreas H. Hölscher hat auch diesen Band mit Begeis­terung gelesen. 

https://www.beneventopublishing.com/servus/servus

Der große Brand

Dresden im Jahre 1869: Die gefeierte Violi­nistin Elise, mittler­weile nach dem Tod ihres ersten Mannes Adam Jacobi mit dem Dresdner Chirurgen Leopold Leitner verhei­ratet, hat die Liebe zur Musik an ihre Kinder weiter­ge­geben. Tochter Netty probt an der Semperoper als Prima­bal­lerina für die Rolle ihres Lebens in La Sylphide von Jean-Madeleine Schneit­zhoeffer. Sohn Julius ist ein begabter Pianist und verliebt sich in die jüdische Bankiers­tochter Rahel Cohn. Eine neue Generation wächst heran, die den Mut hat, nach der Freiheit zu greifen und neue Wege zu gehen. Doch dann kommt es zu einem verhee­renden Feuer, bei dem das König­liche Theater in Schutt und Asche gelegt wird. Fassungslos stehen die Menschen vor den Trümmern. Auch für Elise ist der Anblick kaum zu ertragen, verbindet sie doch mit dem Hoftheater lang unter­drückte Gefühle für den ehema­ligen Dekora­ti­ons­maler Christian Hilde­brand. Bei den Maiauf­ständen vor zwanzig Jahren musste Christian aus der Stadt fliehen. In aller Heimlichkeit trägt Elise sein Andenken noch heute in ihrem Herzen – ebenso wie das große Geheimnis, das seit so vielen Jahren auf ihr lastet. Denn es hat die Kraft, alles zu zerstören, was sie sich seit Chris­tians Flucht aufgebaut hat. Denn nicht der verstorbene Jacob Adam ist der leibliche Vater von Julius, sondern ihre große Liebe Christian, der bis dato aber nichts davon weiß.

Nur knapp sechs Monate nach dem zweiten Band Rot das Feuer veröf­fent­licht Anne Stern nun ihren dritten Band Samtschwarz die Nacht mit einem furiosen Finale der Trilogie um die Semperoper Dresden. Im vergan­genen Jahr hat sie mit Dunkel der Himmel, goldhell die Melodie den Ausflug in das histo­rische Dresden gestartet. Ein kurzer Rückblick in das Dresden anno 1841: Das feierlich eröffnete könig­liche Hoftheater wirkt in seiner Pracht wie ein Palast für die Musik. Doch hinter den Kulissen geht es nicht weniger drama­tisch zu als auf der Bühne: Die Prima­bal­lerina hütet ein tragi­sches Geheimnis, die Requi­si­teurin will ihrer Vergan­genheit entfliehen, und die Kostüm­schnei­derin hat den Glauben an wahre Leiden­schaft verloren. Dennoch ist das Opernhaus für sie alle ein magischer Ort. Auch die junge Elise Spielmann ist bei ihrem ersten Besuch verzaubert. Sie entstammt einer Musiker­dy­nastie und träumt davon, eine gefeierte Violi­nistin zu werden. Als sie dem talen­tierten Maler­ge­hilfen Christian Hilde­brand begegnet, entspinnt sich eine zarte Bindung zwischen ihnen – in größter Heimlichkeit und gegen alle Konven­tionen. Während­dessen ziehen sich im ganzen Land revolu­tionäre Kräfte zusammen. Doch vor dem sich verdun­kelnden Himmel strahlen die Liebe und die Musik umso heller.

Der zweite Band Rot das Feuer spielt in den fragilen Zeiten zu Beginn der Mai-Revolution 1849 in Dresden. Elise lebt mittler­weile als gefeierte Violi­nistin und angesehene Ehefrau des Kompo­nisten Adam Jacobi in Dresden. Doch eine schick­sal­hafte Begegnung mit dem Kulis­sen­maler Christian droht, das fragile Gleich­ge­wicht ihres Lebens zu erschüttern. Mit dem aufstre­benden Künstler an der Semperoper verbindet sie eine große Sehnsucht, eine Leiden­schaft für die Kunst – und eine roman­tische Erinnerung. Elise spürt, dass ihre Liebe auch nach Jahren noch stärker ist als alle Konven­tionen. Doch bevor sie das Unmög­liche wagen kann, brechen blutige Aufstände in der Stadt aus. Unzufriedene Arbeiter und Dienst­mädchen, Künstler und Intel­lek­tuelle, Männer und Frauen ziehen für ihre Rechte in den Kampf. Auch das prächtige könig­liche Hoftheater im Herzen der Stadt wird zum Schau­platz der wider­strei­tenden Gegner. Denn selbst Kapell­meister Richard Wagner und Gottfried Semper rufen zum Wider­stand gegen die Obrigkeit auf. Dann bittet der König die preußische Armee um Hilfe. Es kommt zum Äußersten. Und Elise muss sich in den blutigen Wirren entscheiden, auf welcher Seite sie steht – und wie viel zu opfern sie bereit ist.

Nun sind zwanzig Jahre vergangen, und Elise hat sich nach dem Tode von Adam Jacobi mit ihrem zweiten Mann, dem Dresdner Chirurgen Leopold Leitner, eine angesehene bürger­liche Existenz aufgebaut. Ihre beiden Kinder, die Adoptiv­tochter Netty, die als Prima­bal­lerina an der Semperoper reüssiert, und ihr Sohn Julius aus der heimlichen Affäre mit dem ehema­ligen Dekora­ti­ons­maler Christian Hilde­brand, sind zu jungen Erwach­senen gereift und haben die Liebe zur Musik von der Mutter geerbt. Insbe­sondere Julius ist ein begabter Pianist, der sich dann unsterblich in die junge jüdische Bankiers­tochter Rahel Cohn verliebt. Eine Verbindung, die zu der damaligen Zeit keine Chance hatte. Aber Anne Stern, die den damals in Sachsen stark vorherr­schenden Antise­mi­tismus sehr deutlich beschreibt, sieht auch hier eine Perspektive für das junge Paar, gegen alle Konventionen.

Im Vorder­grund des Buches steht jedoch die Zerstörung der Dresdner Semperoper durch ein verhee­rendes Feuer am 21. September 1869, dessen Auslöser ein Räucher­stäbchen ist. Es sollten Gaslei­tungen ausge­tauscht werden im Dresdner Hoftheater. Den Gestank will ein Arbeiter mit dem brennenden Duftstoff übertönen. Das Gebäude fängt sofort Feuer und brennt. Gottseidank stirbt niemand. Der Türmer der Dresdner Kreuz­kirche ist der erste, der Alarm schlägt – kurz vor Mittag bemerkt er die Rauch­säule, die aus dem Dach der Dresdner Oper aufsteigt. Das Feuer greift schnell um sich, die Mitglieder des Balletts können sich noch mit Hilfe von Seilen aus dem ersten Stock in Sicherheit bringen, berichten die Dresdner Nachrichten: „In rapider Schnel­ligkeit verbreitete sich die Flamme, immer größere Dimen­sionen annehmend, so dass die herbei­ge­eilten Spritzen und Rettungs- und Lösch­mann­schaften ohnmächtig an der Brand­stätte standen.“

Funken, brennende Holzstücke und versengte Noten­blätter wehen bis zum etwa einen Kilometer entfernten Pirnai­schen Platz – dort färben sie, von den Passanten zertreten, das Trottoir schwarz. Der Bau von Gottfried Semper gilt vielen als der schönste Theaterbau Europas. Innerhalb weniger Stunden brennt das Hoftheater völlig aus, es gibt Verletzte, aber keine Toten. Eine Fotografie, am nächsten Tag aufge­nommen, zeigt die leere Stein­hülle des einst präch­tigen Gebäudes, davor einige Schau­lustige im Sonntags­staat. Schuld an dem alles verzeh­renden Brand ist die für die damalige Zeit ziemlich moderne Technik des Theaters. Sowohl die Bühne als auch der Zuschau­erraum werden mit Stein­kohle-Gas beleuchtet. Prunk­stück der Licht­anlage ist der zwei Tonnen schwere Kronleuchter, der unter der Decke des Zuschau­er­raums hängt. An dem machen sich an diesem Septem­ber­vor­mittag zwei Arbeiter zu schaffen – sie sollen Gaslei­tungen an dem Kronleuchter austau­schen. Die Schläuche dafür müssen sie selbst herstellen, aus Leinen­bahnen und Harz, das mit Benzin bestrichen wird. Wegen des fürch­ter­lichen Gestanks, den dieses Gemisch verströmt, zündet einer der Arbeiter ein Räucher­stäbchen an. Das ausge­trocknete Holz des Dachbodens fängt sofort Feuer und brennt wie Zunder. Nur zwei Jahre nach dem Brand beginnen die Arbeiten am Nachfol­gerbau. Auch die Pläne zu diesem Opernhaus stammen aus der Feder von Gottfried Semper. Weil der aber – wie auch Richard Wagner – zwanzig Jahre zuvor an den Dresdner Maiauf­ständen teilge­nommen hat, darf er Sachsen nicht betreten. Die Bauar­beiten leitet deswegen sein Sohn Manfred. Auch dieser Bau fällt einem Feuer zum Opfer – während des Luftan­griffs auf Dresden im Februar 1945 wird die Oper ein weiteres Mal zerstört.

Anne Stern hat in ihrem Buch den Brand die Zerstörung der Semperoper sehr detail­genau beschrieben. Doch während in ihrem Roman Gottfried Semper, gemeinsam mit Christian Hilde­brand, aus ihrem Schweizer Exil nach Dresden zurück­kehren, um den Wieder­aufbau des Hoftheaters zu leiten, konnte der histo­rische Semper wegen seiner Betei­ligung an der Mai-Revolution 1849 nicht nach Dresden zurück­kommen. Doch die schrift­stel­le­rische Freiheit passt gut in die Drama­turgie der Geschichte mit einem am Ende offenen Ausgang. Anne Stern, Jahrgang 1982, wuchs in Berlin auf. Sie studierte in Potsdam Germa­nistik und Geschichte auf Lehramt und promo­vierte anschließend in deutscher Litera­tur­wis­sen­schaft. Nach dem Referen­dariat unter­richtete sie an verschie­denen Berliner Schulen. Heute ist sie freibe­ruf­liche Schrift­stel­lerin. In ihren Werken stehen Frauen im Mittel­punkt. Stern begann ihre schrift­stel­le­rische Karriere zunächst neben­be­ruflich im Selbst­verlag, wo sie die Reihen Die Familie-Pauly-Saga und Die Frauen vom Karls­platz zunächst als E‑Book veröf­fent­lichte. Dann wechselte sie zu einem Buchverlag. Die Reihe Fräulein Gold über eine Hebamme in den 1920-er Jahren erschien im Rowohlt Verlag und erreichte die Bestseller-Listen. Die vorherige Reihe Die Frauen vom Karls­platz wurde daraufhin zusätzlich als rororo-Taschenbuch veröf­fent­licht. Anschließend schrieb sie eine fiktive Roman­bio­grafie über die Freund­schaft zwischen der Malerin Lotte Laser­stein und ihrem Modell Traute Rose. 2022 erschien mit Drei Tage im August im Aufbau-Verlag ein Roman über eine Choco­la­terie in der Straße Unter den Linden, der 1936 angesiedelt ist.

Im Nachwort befasst sich Anne Stern mit der Chronik der Semperoper, von der Eröffnung 1841, der mehrfachen Zerstörung und Wieder­aufbau bis hin zur letzten Wieder­eröffnung am 13. Februar 1985 mit dem Freischütz und der legen­dären Insze­nierung des Fidelio von Christine Mielitz inmitten der fried­lichen Revolution 1989. Auch die Musik kommt nicht zu kurz, es werden eine Aufführung von Wagners Meister­singer von Nürnberg und diverse Konzerte für Klavier und Violine beschrieben. Auch der letzte Band Samtschwarz die Nacht liest sich poetisch schön und ist ein versöhn­licher Abschluss der Trilogie mit einem durchaus offenen Ende, der der Fantasie des Lesers jeden Spielraum einräumt.

Andreas H. Hölscher

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