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Die Landeshauptstadt Düsseldorf plant ein neues Produktionszentrum für freie Theatergruppen – doch die besten Räume bleiben unerreichbar. In einer Informationsveranstaltung wurden die Pläne für die ehemaligen Kammerspiele in der Jahnstraße vorgestellt, die seit dem Auszug des Forum Freies Theater leerstehen.

Die Infoveranstaltung am Montag dieser Woche klang vielversprechend: Der Verein Freie Szene Düsseldorf – Performing Arts und das Kulturamt Düsseldorf präsentierten Pläne für ein neues Produktionszentrum in den seit Jahren leerstehenden ehemaligen Kammerspielen an der Jahnstraße. 3,2 Millionen Euro Umbaukosten, 350.000 Euro jährlicher Zuschuss – das Signal scheint klar zu sein.
Doch ein Blick auf die technischen Daten ernüchtert: Eine Bühnenportalhöhe von knapp drei Metern, eine Bühnentiefe von nur sechs Metern. Was für klassisches Kammerspiel ausreicht, wird für zeitgenössische Tanz- und Multimediaproduktionen schnell eng. Vergleichbare Bühnen mittlerer Größe bieten bei 200 Sitzplätzen mindestens vier Meter lichte Höhe und eine Grundaktionsfläche von zehn mal acht Metern.
Düsseldorf setzt seit Jahrzehnten auf wenige, gut finanzierte Zentren: Das Forum Freies Theater, kurz FFT, und das Tanzhaus NRW sind die Leuchttürme der Szene. Daneben existieren nur kleinere Spielstätten wie das Wohnzimmertheater Theaterfabrik oder Minimallösungen wie das Theaterlabor Traumgesicht. Alle mit denselben Problemen: zu klein, zu niedrig, schlicht ausgestattet.
Dabei stehen in Düsseldorf durchaus geeignete Räume zur Verfügung – oder standen bis vor kurzem. Das Junge Theater des Schauspielhauses zieht im Herbst ins Central um und hinterlässt an der Münsterstraße einen komplett ausgebauten Theatersaal: sechs Meter lichte Höhe, zehn mal zehn Meter Bühnenraum, jahrzehntelang bewährte Infrastruktur. Doch diese Räume sollen an das Boulevardtheater Heinersdorff gehen – ohne Beteiligung der freien Szene.
Ähnlich beim Marstall: Das ehemalige Tanzhaus des Ensembles Neuer Tanz soll nach dessen Auflösung zurück an die Verwaltung des Benrather Schlosses gehen. Auch die Räume der Bürgerbühne an der Ronsdorfer Straße sind nach dem Umzug ins Central ungewiss.
Der Grund für die Kammerspiel-Lösung liegt in der Vergangenheit: In den 1970-er Jahren schloss die Stadt einen 100-jährigen Pachtvertrag für das Souterrain in der Jahnstraße ab. Schon 1998, als die privaten Kammerspiele Insolvenz anmeldeten, wurde für das FFT diese Spielstätte umgenutzt. Mit dessen Auszug stehen nun noch rund 50 Jahre Pachtnutzung an – die wollen gefüllt werden.
Ein Lösungsvorschlag
Dabei wäre eine andere Verteilung denkbar: Der deutschlandweit tätige und erfolgreiche Privattheaterunternehmer René Heinersdorff könnte die ehemaligen Kammerspiele für sein Düsseldorfer Boulevardtheater nutzen und möglicherweise die nötigen Umbaumaßnahmen selbst finanzieren. Die freie Szene hingegen bekäme Zugang zu den wirklich geeigneten Räumen – dem ehemaligen Jungen Theater, dem Marstall oder der Bürgerbühne.
Der Verein Performing Arts wäre mit dem Jungen Theater bestens bedient, und das für die Kammerspiele Jahnstraße eingeplante Budget reichte aus, um das Theater-Gebäude an der Münsterstraße instand zu halten.
Denn es geht um mehr als nur zusätzliche Proberäume – davon gibt es in Düsseldorf bereits genug. Was fehlt, sind bezahlbare Aufführungsmöglichkeiten jenseits von FFT und Tanzhaus NRW, die durch ihre Kuratorenmodelle zu „closed shops“ geworden sind und nur wenigen Düsseldorfer Künstlern Produktionsmöglichkeiten und Orte der Sichtbarkeit bieten.
Die Stadt hätte die Chance, alternative Orte der Sichtbarkeit für freie Theater- und Tanzproduktionen zu schaffen. Orte, die internationale Wettbewerbsfähigkeit ermöglichen, statt nur den kleinsten gemeinsamen Nenner zu bedienen. Die Frage bleibt: Will Düsseldorf wirklich den Spatz in der Hand oder doch lieber die Taube auf dem Dach?
Zur vertiefenden Hintergrundrecherche sei das Buch Die Bretter, die die Stadt bedeuten von Jens Prüss und Jörg Lensing empfohlen.
Johann Lambert