O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Mystisch neu interpretiert

Es war alles so schön geplant: Fotograf Emil Zander sollte im Alten Küsterhaus im Meerbu­scher Stadtteil Büderich eine neue Ausstellung zeigen. Dann kam die Schre­ckens­nach­richt. Zander war im Hausflur die Treppe hinun­ter­ge­stürzt. Plötzlich stand nicht nur eine Ausstellung, sondern sein Leben in Frage. Umso erfreu­licher, dass seine Ausstellung jetzt gezeigt werden kann – und er bei der Vernissage fröhlich in die Video­kamera des Smart­phones winkt.

Rechts im Bild Christina Boss – Foto © O‑Ton

Seit fünf Jahren betreibt Isabelle von Rundstedt, studierte Kunst­his­to­ri­kerin, die Galerie im Alten Küsterhaus in Büderich auf eigene Kosten und eigenes Risiko. Ein halbes Jahrzehnt musste sie unter Beweis stellen, dass ihr Konzept stimmt. Da gibt es die Ausstel­lungen von Meerbu­scher Künstlern und die von Absol­venten der Düssel­dorfer Kunst­aka­demie in einer Mischung mit Kinder­ver­an­stal­tungen, die die Kreati­vität der lieben Kleinen fördern. Lesungen und Konzerte runden das künst­le­rische Programm der Galerie ab. Fünf Jahre brauchte es, bis die Stadt Meerbusch bemerkte, dass hier ein neuer künst­le­ri­scher Schwer­punkt in der Stadt entstanden ist, den es sich finan­ziell zu unter­stützen lohnt. Und so darf von Rundstedt sich nun darauf freuen, künftig zwei Ausstel­lungen pro Jahr in der Reihe Meerbusch­kunst zu zeigen, die bislang auf die Teloy-Mühle im Stadtteil Lank beschränkt war. Den Anfang macht eine Ausstellung, die der Künstler beinahe nicht mehr erlebt hätte.

Eigentlich wollte Emil Zander sich der bildenden Kunst widmen. Zeichner oder Bildhauer, das wäre es gewesen. Wenn er das Talent dazu gehabt hätte. Hatte er nicht, sagt er selbst von sich. Aber er hatte ein Auge für Bildkom­po­sition. Also studierte er an der Heinrich-Heine-Univer­sität in Düsseldorf Fotografie. Anschließend erlernte er das praktische Handwerk bei verschie­denen renom­mierten Mode‑, Werbe- und Porträt­fo­to­grafen, ehe er die eigene inter­na­tionale Karriere begann. Dabei war er auf vielen Feldern unterwegs. Mode und Porträt, Archi­tektur und Indus­trie­bauten, Still­leben und Tanz – es gab kaum ein Gebiet, auf dem er nicht Erfolge vorzeigen kann. In seiner Düssel­dorfer Wohnung hängen noch immer die Porträts berühmter Künstler vergan­gener Zeiten, die bis heute nicht von ihrer Faszi­nation verloren haben. In der Analog-Fotografie arbeitete er mit der Mittel­for­mat­kamera, in den letzten Jahren musste es dann nicht die Leica-Kamera sein. Da war er gern mit einer der ersten spiegel­losen Kameras von Fujifilm unterwegs, wenn er nicht gerade Auftrags­ar­beiten im Studio erledigte. Die Aussa­ge­kraft seiner Bilder büßte deshalb nichts ein. Für eine Ausstellung bei Isabelle von Rundstedt entdeckte er ein neues Thema. Mystische Plätze.

Ob in der Trivi­al­li­te­ratur der Geister­jäger John Sinclair, in der Hochblüte des Fernsehens Edgar Wallace oder Francis Durbridge oder Heerscharen von Fotografen, die so genannte lost places heimsuchen – Mystik ist ein Thema, das die Menschen von Anbeginn an faszi­niert hat und das bis heute mindestens so spannend wie die Fotografie von Menschen selbst ist. Dass ein Emil Zander nicht durch halbzer­fallene, einsturz­ge­fährdete Gebäude klettert, um Graffitis und einge­worfene Fenster­scheiben im Bild festzu­halten, versteht sich nahezu von selbst. Er versucht, das Thema mit eigener künst­le­ri­scher Sicht zu füllen. Von Rundstedt ist begeistert, die Ausstellung wird termi­niert. Alles ist geklärt, die Vorfreude auf beiden Seiten groß. Einige Tage, bevor mit der Umsetzung begonnen wird, ist Zander noch zu Besuch bei einem Konzert im Alten Küsterhaus. Mit dabei die Fuji-Kamera. Zwei Wochen später ereilt die Galeristin die Nachricht, die man einfach nicht glauben möchte. Zander ist im Hausflur die Treppe hinun­ter­ge­stürzt, sein Leben hängt an einem seidenen Faden.

Aber: Der Zeitpunkt für seinen Abschied ist noch nicht gekommen. Das zu diesem Zeitpunkt Unglaub­liche ereignet sich. Er erholt sich, begibt sich in die Obhut seiner Lebens­ge­fährtin nach Öster­reich. Von Rundstedt treibt derweil die Umsetzung seiner Ausstellung weiter voran. Dann endlich ist es so weit. Die Bilder hängen, der Abend der Vernissage ist gekommen. Vor lauter Freude wird es dann ein wenig trubelig. Anstatt auf Werdegang und Bedeutung des Künstlers einzu­gehen, spielen Kinder der Musik­schule auf dem Klavier, hält Michael Krones, Abtei­lungs­leiter Kultur der Stadt Meerbusch, eine Lobrede auf die Meerbusch­kunst und Emil Zander winkt vom Display des Smart­phones. Von Rundstedt ergeht sich in Dankbarkeit gegenüber der Stadt. Christina Boss, Lebens­ge­fährtin von Zander, ist mit Sohn angereist, was durchaus die Wertschätzung der Ausstellung steigert. Zumal offenbar viele Freunde von Zander erschienen sind, die das Gespräch mit ihr suchen. Ach ja, und dann dürfen die zahlreichen Besucher sich doch noch die Ausstellung ansehen.

Neuer Blick­winkel

Foto © O‑Ton

19 Fotografien in unter­schied­licher Größe sind in der Galerie gehängt. Schnell wird deutlich, dass es Zander wirklich gelungen ist, einen neuen Blick auf mystische Plätze zu werfen, der weit über die klischee­haften Vorstel­lungen mysti­scher Plätze hinausgeht. Wie es sich gehört, erzählt Zander Geschichten in seinen Bildern. Wie die vom still­ge­legten Ballsaal in Berlin, in dem die zusam­men­ge­rückten Stühle von längst vergan­genen Begeb­nissen berichten. Ein verwischtes Bild vom Friedhof ersetzt einen ganzen Roman. Der Blick in einen Garten zeigt die Feiern vergan­gener Zeiten, bei denen die verros­teten Stühle übrig­ge­blieben sind. Was ist aus den Menschen geworden, die hier gefeiert haben? Auch wenn der Rost auf den Indus­trie­an­lagen zu sehen ist, liegt das Geheim­nis­volle, das Vergäng­liche weniger im Zerfall als in dem, was wohl in diesen Anlagen passiert ist. Eines der spannendsten Bilder ist ausge­rechnet das, was wohl auf den ersten Blick jedes Klischee überan­strengt. Ein großfor­ma­tiges Bild zeigt eine Waldland­schaft. Ohne zu viel zu verraten, wird hier nur der aufmerksame Betrachter die Mystik, die unheim­liche Geschichte, mögli­cher­weise eine Geister­ge­schichte entdecken.

Wer bis hierhin noch Zweifel am ungewohnten Blick­winkel hat, wird beim Anblick des Arc de Triomphe in der Verkleidung von Christo vom Licht zu ganz neuen Erkennt­nissen verführt werden. Und mindestens für Fotografen hat Zander mit seinen Mystic Places einen Anreiz geschaffen, Dinge des scheinbar Vergan­genen mit neuen Augen zu betrachten.

Eine gute Gelegenheit, sich die Ausstellung Mystic Places anzuschauen, bietet sich am 15. November. Dann findet im Alten Küsterhaus ein Konzert mit Lesung unter dem Titel Poeti­scher Abend statt. Pianistin Ekaterina Porizko und Sängerin Stella Antwerpen sorgen für die Verbindung verschie­dener künst­le­ri­scher Genres.

Michael S. Zerban

Teilen Sie sich mit: