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Foto © Christoph Steinweg

Spanisches Dreigestirn

Anlässlich des 100. Geburts­tages von Antoni Tàpies und des 130. Geburts­tages von Joan Miró zeigt das Kunst­museum Pablo Picasso in Münster noch bis zum 21. Januar die Ausstellung Tàpies/​Miró – Welt auf Papier. Mehr als 100 Ausstel­lungs­stücke zeigen das grafische Werk der beiden katala­ni­schen Künstler, das in ihrem Gesamtwerk einen großen Anteil hat.

Antoni Tàpies: Fora, 1976, Farbra­dierung © VG Bildkunst

Kunst­museen, die mit ihrem Namen einem berühmten Künstler besonders verpflichtet sind, suchen mit jeder neuen Ausstellung Referenz­punkte zum Namens­geber. Die Kunst­aus­stel­lungs­land­schaft ist in Deutschland im globalen Vergleich einzig­artig und ungewöhnlich breit sowie regional umfang­reich aufge­stellt. Für jedes einzelne Ausstel­lungshaus eine große Heraus­for­derung. Die Konkurrenz um das hohe Gut öffent­licher Wahrnehmung stellt sich damit jedes Mal neu.

Dem Kunst­museum Pablo Picasso Münster gelingt es seit mehr als zwanzig Jahren, seine Position zu verste­tigen. Wenn man in Rechnung stellt, dass der klassi­zis­tische Bau des Druffel­schen Hofs, der von 1784 bis 1788 von Clemens August Maria von Vagedes erbaut wurde, und der neoba­rocke Hensenbau, 1910 bis 1911 von Alfred Hensen erbaut, auch nach dem Umbau zu einem Museum nicht unbedingt dem Ideal eines Ausstel­lungs­hauses entspricht, ist die Relevanz des Kunst­mu­seums Pablo Picasso Münster mit seinen Ausstel­lungen beachtlich.

Die aktuelle Ausstellung Tàpies/​Miró – Welt auf Papier beweist das erneut. Joan Miró, der von 1893 bis 1983 lebte, und Antoni Tàpies, der von 1923 bis 2012 lebte, haben ihre künst­le­ri­schen Wurzeln in der katala­ni­schen Kultur. Beider Bekenntnis zu ihr überschreitet regionale und provin­zielle Grenzen. Im Spagat zwischen Barcelona und Paris, dem Zentrum der Avant­garde, sind ihre Werke verortet.

Anlässlich Mirós 130. und Tàpies‘ 100.Geburtstags bilden sie mit „Picasso das spanische Dreige­stirn der Moderne“, wie es Museums­leiter Markus Müller formu­liert. Den Arbeiten auf Papier von Miró und Tàpies ist eine herme­tische, zeichen­hafte Darstel­lungsform eigen. Im Kontext mit Picassos Aquatinta-Radie­rungen La Tauro­maquia unter­streicht das Dreige­stirn seinen Einfluss auf die Avant­garde zu Beginn des 20. Jahrhun­derts. Ihr Schaffen ist mit der Geschichte Spaniens eng verbunden.

Joan Miró: Feuer­stein­schlä­gerin„ 1973, Radierung © VG Bildkunst

Radikal in den reduzierten Formen, radikal mit den gewählten Perspek­tiven, radikal im Selbst­be­wusstsein. Ohne Wenn und Aber Miró: Man muss die Malerei ermorden. Zurück­haltend gemäßigter Tàpies‘ poetisch gefärbte Betonung einer Autre Art. Beide sind in der Ausstellung in ihrem Malgestus magisch, eksta­tisch und verstörend zu entdecken. Gilt Miró in den 1920-er Jahren vielen in Barcelona als verrückt, erreicht er in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhun­derts mit maßgeb­licher Unter­stützung von Tàpies weltweite Anerkennung. Sie lernen sich 1948 über den Sammler Joan Prats in einer Phase ihrer künst­le­ri­schen Selbst­findung kennen.

Der Pressetext verspricht, dass im „Rahmen der Ausstellung die Miró-Sammlung des Kunst­museum Pablo Picasso Münster auf die Werke Tàpies‘ aus der Sammlung Großhaus, die zu den bedeu­tendsten Kollek­tionen des katala­ni­schen Künstlers außerhalb Spaniens zählt“. Der Rundgang durch die Ausstellung bestätigt diese Vorgabe insbe­sondere im direkten Vergleich der Werke. Durch die Dauer­leihgabe einer von der Sparkasse Westfalen-Lippe 2020 in der Pariser Galerie Maeght erwor­benen Sammlung von 67 Grafiken Mirós dominiert er quanti­tativ in der Ausstellung. Der künst­le­risch quali­tative Vergleich ihrer Werke führt zu keiner Rangordnung. Vielmehr sind sie Narrative ähnlichen Geistes. Sofa neben Gaudi III oder Vier Ströme aus Blut neben Barcelona II von Tàpies vice versa Miró verweisen auf unter­schied­liche, emotional psychische Persön­lich­keiten mit ihrer je eigenen Authen­ti­zität. „Ich sehe vielleicht ruhig aus, aber in meinem tiefsten Innern fühle ich mich gequält“, beschreibt sich Miró. Während­dessen Tàpies seine künst­le­rische Praxis als „letzte Insel der Freiheit“ versteht.

Diese Gemein­sam­keiten und Unter­schiede zu entdecken, lohnt der Besuch der Ausstellung allemal.

Peter E. Rytz

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