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Foto © O-Ton

Viel mehr als rosarot

Das Leben durch die rosarote Brille zu sehen, ist sicher eine der schönsten Erfah­rungen, die man im Laufe der Jahre sammeln kann. Wie sich das in gemalten Bildern ausdrückt, hat Mahssa Askari versucht festzu­halten. Vom 25. Januar bis Anfang März stellt sie ihre Werke im Alten Küsterhaus im Meerbu­scher Stadtteil Büderich aus. Wen jetzt ein „Barbie-Gefühl“ der Oberfläch­lichkeit beschleicht, sieht sich bei der Vernissage schnell enttäuscht. Glücklicherweise.

Mahssa Askari und Isabelle von Rundstedt – Foto © O‑Ton

Die Vernissage gehört bis heute zu den schil­lerndsten – und abschre­ckendsten – Veran­stal­tungen, die wir im Bereich der Kultur kennen. Ihr Ruf ist so klischee­be­laden wie schlecht. Neureiche treffen sich da, um bei Champagner und Edel-Häppchen über Kunst zu fachsimpeln, von der „unsereins“ sowieso nichts versteht. Schließlich weiß der Kunst­un­ter­richt an allge­mein­bil­denden Schulen seit mindestens vier Jahrzehnten nicht viel mehr zu vermitteln als Collagen von Zeitungs­aus­schnitten und Kartof­fel­druck. Gerade deshalb ist so eine Ausstel­lungs­er­öffnung, denn mehr ist eine Vernissage nicht, eine hervor­ra­gende Gelegenheit, den eigenen Horizont ohne großen Kraft­aufwand zu erweitern. Der Eintritt ist in der Regel kostenfrei und verpflichtet zu nichts. Man sieht Dinge, die man nicht zu verstehen braucht, sondern einfach auf sich wirken lassen kann. Und schon bald entwi­ckelt man ganz ohne Zwang und Belehrung ein ziemlich gutes Gefühl für Qualität und Aussage.

Ein schönes Beispiel dafür ist die Vernissage zur Ausstellung La vie en rose, die im Alten Küsterhaus im Meerbu­scher Stadtteil Büderich statt­findet. Seit vielen Jahren veran­staltet die Kunst­his­to­ri­kerin und Galeristin Isabelle von Rundstedt hier regel­mäßig Ausstel­lungen von Künstlern der Stadt und der Kunst­aka­demie Düsseldorf. Bereits zum zweiten Mal nach 2019 hat sie nun die Künst­lerin Mahssa Askari einge­laden, ihre Bilder zu zeigen. Da spaziert man einfach in das Gebäude mit seinem ganz eigenen Charme, erwidert den freund­lichen Willkom­mensgruß und schaut sich an, was an den Wänden hängt, ehe man wieder geht. Wenn man das so will. Selbst­ver­ständlich darf man auch vollkommen unver­bindlich das Gespräch mit der Galeristin oder der Künst­lerin suchen. Es braucht keine Vorkennt­nisse und keine dicke Geldbörse. Ein offener Geist ist aller­dings hilfreich. Im Fall von Askari reicht es schon, sich einfach von der Ausdrucks­kraft der Bilder gefangen nehmen zu lassen.

Im Iran geboren, wurde Mahssa von ihrem Vater in Erman­gelung eines Kinder­gar­ten­platzes in eine Kunst­schule geschickt. Was damals niemand ahnte: Es war der Beginn einer Künst­ler­kar­riere. Mit zwölf Jahren kam Mahssa nach Deutschland. Über allerlei Umwege kam es dazu, dass sie Produkt­design in Aachen studierte, um „was Ordent­liches“ zu lernen. Es fühlte sich für die junge Frau nicht richtig an, und so studierte sie anschließend bei Herbert Brandl an der Kunst­aka­demie Düsseldorf freie Kunst. 2014 verließ sie die Hochschule als Meister­schü­lerin und machte sich als Malerin selbst­ständig. Das hatte weniger mit jugend­lichem Leichtsinn als vielmehr mit einer gehörigen Portion Selbst­ver­trauen und Lebensmut zu tun. Ihr weiterer Lebensweg bestä­tigte ihre Entscheidung. Und wer sich in Büderich ihre Bilder anschaut, braucht kein beson­deres Kunst­ver­ständnis, um zu begreifen, warum sie erfolg­reich ist.

Foto © O‑Ton

Eine Auswahl von 20 neuen Bildern aus den Jahren 2022 bis heute hat von Rundstedt auf den beiden Etagen gehängt. Neu bedeutet in diesem Fall weniger eine komplett neue Ausrichtung oder bislang unbekannte Motive. Askari greift, so erzählt sie, die eigentlich nur zurück­haltend über ihre Bilder spricht, alle fünf bis sechs Jahre ihre Motive wieder auf, um für sich selbst ihre Weiter­ent­wicklung zu beobachten. Nach eigenen Angaben eine Vorge­hens­weise, die von ihren „Stamm­kunden“ goutiert wird. Das liegt wohl in erster Linie daran, dass sie eine eigene Bildsprache entwi­ckelt hat, die nur noch wenig an ihr Vorbild Gerhard Richter erinnert. Selbst wenn sie in Graustufen malt, strahlen auch solche Bilder Helligkeit aus. Man muss nicht von Magie sprechen, aber verzaubern kann jedes einzelne ihrer Werke. Dabei lassen sich bei aller Diffe­ren­ziertheit zwei große Gruppen unterscheiden.

Da gibt es zum einen die großflä­chigen, strah­lenden Bilder, die exotische Landschaften darstellen, die einer wunder­baren Fantasie entspringen und in denen sich Gesell­schaften tummeln, die einer Sommer­frische zu frönen scheinen, wie sie in großen histo­ri­schen Romanen geschildert werden. Und es gibt diese kleinen Porträt­bilder, die zwar ebenfalls Geschichten erzählen, aber mehr aus intro­ver­tierter oder beobach­tender Position heraus. Beide sind gleicher­maßen faszi­nierend. Da möchte man gern von der Künst­lerin wissen, woher sie ihre Inspi­ration bezieht. Eine Antwort bekommt man nicht, muss sich also auf die faszi­nie­rende Ausstrahlung der Bilder verlassen.

Wenn man diese Vernissage verlässt, weiß man auch ganz ohne Kunst­studium, dass man hier einen großen Abend der Kunst erlebt hat. Vermutlich wird man lange warten müssen, bis man wieder eine Ausstel­lungs­er­öffnung erlebt, die einen solchen Eindruck hinter­lässt wie die Bilder von Mahssa Asakari. Aber jeder Versuch lohnt.

Die Ausstellung La vie en rose kann man jeden Sonntag zwischen elf und dreizehn Uhr besuchen, die Finissage findet am 3. März von elf bis fünfzehn Uhr statt.

Michael S. Zerban

Hören Sie hier den Audio­beitrag mit Mahssa Askari.

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