Künstlerinnen gesucht

Ist für das Kunstwerk das Geschlecht des Künstlers von Bedeutung? Der Kunst­palast in Düsseldorf meint: ja. Und will ab Herbst kommenden Jahres eine große Ausstellung präsen­tieren, die sich mit den Arbeiten von Düssel­dorfer Frauen aus dem 19. und 20. Jahrhundert beschäf­tigen soll. In einem Forschungs­projekt hat die Kuratorin schon mal heraus­ge­funden, dass es wohl rund 400 Frauen gab, die in dieser Zeit gemalt haben. Jetzt müssen nur noch die Werke gefunden werden.

Kathrin DuBois – Foto © Andreas Endermann

Amalie Bensinger bearbeitete neben Porträts eine große Bandbreite an Motiven: Szenen aus Italien oder aus der Literatur, vor allem aber auch christ­liche Themen. Sie studierte vermutlich von 1835 bis 1839 in Düsseldorf und lebte hier mit Unter­bre­chungen bis 1851. Von Wegge­fährten wurde sie als selbst­be­wusst, mutig und geist­reich beschrieben. Bensinger, die zeitlebens unver­hei­ratet blieb und sich ganz der Kunst widmete, konver­tierte 1860 zum Katho­li­zismus und erhielt mehrere Aufträge der Kirche.

Elisabeth Jerichau-Baumann studierte ab 1838 in Düsseldorf. Sie wurde zur bekann­testen Künst­lerin mit Düssel­dorfer Ausbildung und zu einer der bekann­testen europäi­schen Künst­le­rinnen des 19. Jahrhun­derts überhaupt. 1845 ging sie nach Rom, nach der dortigen Heirat mit dem Bildhauer Jens Adolf Jerichau dann in dessen Heimatland Dänemark. Während sie dort mittler­weile wieder bekannt ist, kennen nur wenige Deutsche die Malerin, die von dem Künstler Peter von Cornelius „der einzige Mann der Düssel­dorfer Schule“ genannt wurde. Sie machte sich unter anderem mit Szenen aus dem italie­ni­schen Volks­leben einen Namen, war aber auch mit Porträts sehr erfolg­reich. Ihr Bildnis der Brüder Grimm zierte später den 1000-Mark-Schein.

Zeitgleich mit Jerichau-Baumann war Marie Wiegmann, geborene Hancke, in Düsseldorf aktiv. Sie blieb bis zu ihrem Lebensende hier ansässig, unter­brochen durch zahlreiche Reisen. Wiegmann, wie sie nach ihrer Heirat mit dem Düssel­dorfer Akade­mie­pro­fessor Rudolf Wiegmann hieß, kam 1841 nach Düsseldorf. Mit ihren Historien‑, Genre- und Porträt­ge­mälden wurde sie deutsch­landweit bekannt und in vielen Kunst­schriften als eine von wenigen Frauen genannt. Sie unter­richtete auch selbst Schüle­rinnen in Düsseldorf.

Paula Monjé war deutlich jünger als Jerichau-Baumann und Wiegmann – sie erlebte in Düsseldorf beinahe noch die Öffnung der Kunst­aka­demie für Frauen 1919 und setzte sich im Vorfeld auch persönlich dafür ein. Die Künst­lerin war bekannt für Darstel­lungen in histo­ri­schen Kostümen, aber auch sie widmete sich der einträg­lichen Porträt­ma­lerei. Wie Wiegmann war Monjé den Großteil ihrer Karriere in Düsseldorf ansässig. Sie war jedoch auch Mitglied des Künst­le­rinnen-Vereins in Berlin und stellte regel­mäßig deutsch­landweit aus.

Nur vier von rund 400 Frauen, die im 19. und 20. Jahrhundert in Düsseldorf als Kunst­ma­le­rinnen arbei­teten. Das hat Kathrin DuBois, Leiterin der Sammlung für Malerei bis 1900 im Kunst­palast Düsseldorf, heraus­ge­funden. Sie hat erforscht, unter welchen Bedin­gungen die Frauen studierten, arbei­teten, ausstellten und verkauften. Obwohl einige der Malerinnen zu ihrer Zeit sehr bekannt waren, sind heute fast alle vergessen. Vor allem in öffent­lichen Sammlungen sind sie gegen­wärtig so gut wie nicht reprä­sen­tiert. Das möchte DuBois nun ändern und hat für den Herbst kommenden Jahres eine große Ausstellung zu diesem Thema geplant. Das Problem: Es fehlen die Kunst­werke. „Zu Beginn des Forschungs­pro­jektes fiel auf, dass in unserem Sammlungs­schwer­punkt der Düssel­dorfer Maler­schule von mehr als 1.000 Gemälden nur acht Werke von vier Frauen enthalten sind – mittler­weile wurde diese Zahl immerhin verdoppelt. Daran anknüpfend ist die Beschäf­tigung mit der Margi­na­li­sierung von Frauen auch eine Ausein­an­der­setzung mit der eigenen Sammlungs­ge­schichte“, sagt Felix Krämer, General­di­rektor des Kunst­pa­lastes. Auch das will DuBois ändern. „In der Ausstellung machen wir deutlich, ob, wann und wie Werke Eingang in Museums­samm­lungen fanden“, nimmt sie sich vor. Dabei vermutet sie, dass viele – „mögli­cher­weise auch zentrale“ – Werke noch in Privat­samm­lungen vorhanden sind.

DuBois bittet deshalb darum, mit ihr Kontakt aufzu­nehmen, sollten Privat­sammler solche Schätze besitzen und dem Kunst­palast als Leihgabe anbieten wollen.

Michael S. Zerban

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