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Foto © Anne Orthen

Verborgene Schätze – und so viel Zukunft

Noch bis Januar kommenden Jahres sind im Kunst­palast Düsseldorf zwei Ausstel­lungen zu erleben, die kaum gegen­sätz­licher sein könnten. Da gibt es zum einen Bilder von Gerhard Richter aus privaten rheini­schen Sammlungen unter dem Titel Verborgene Schätze, zum anderen werden Bilder aus der Schenkung des Kunst­mäzens Florian Peters-Messer mit dem Titel Too Much Future gezeigt. Während die eine Ausstellung eher retro­spektiv funktio­niert, weist die andere in die Zukunft – und das ist nicht unbedingt lustig.

Foto © O‑Ton

Mit Gerhard Richter. Verborgene Schätze und Too much future. Schenkung Florian Peters-Messer sind im Kunst­palast Düsseldorf parallel zwei Ausstel­lungen zu sehen, die kaum unter­schied­licher sein könnten. Richterder Grand Seigneur der bildenden Kunst, wird seit Jahren als einer der wichtigsten Künstler der Welt im Kunst­kompass-Ranking gelistet. 130 Arbeiten aus privaten rheini­schen Sammlungen, verborgene Schätze, die teilweise bisher nie öffentlich zu sehen waren, werden hier präsentiert.

Anlässlich des 60. Geburtstags des Viersener Sammlers und Mäzens Florian Peters-Messer werden mit Too much future Werke aus seiner Schenkung an den Kunst­palast gezeigt. Pointiert politische, sozio­lo­gische und psycho­lo­gische Positionen der Gegen­warts­kunst im Kontext unmit­tel­barer Wirklichkeit, changierend zwischen Utopie und Dystopie.

Gerhard Richters regional verborgene wie inter­na­tional reprä­sen­tative Schätze ermög­lichen eine Bestands­auf­nahme seiner Kunst von den Anfängen der 1960-er Jahre bis in die Gegenwart. Er beendet 2017 seine künst­le­rische Arbeit als Maler mit Abstraktes Bild, das aus der Olbricht Collection in Düsseldorf zu sehen ist. Peters-Messer sammelt ambitio­niert seit mehr als drei Jahrzehnten. Insbe­sondere die Arbeiten von Thomas Hirschhorn und Erik van Lieshout sowie von Sophie Calle eröff­neten eine ihm weitgehend unbekannte Welt der kriti­schen Ausein­an­der­setzung mit der Realität.

Beide Ausstel­lungen kann man als Erzäh­lungen über eine Gesell­schaft ansehen, in der sich die Bürger­schaft immer stärker in Parallel-Milieus ausdif­fe­ren­ziert. Wer als Besucher durch die Schauen geht, verge­wissert sich im Dialog mit den Werken seines Selbst­ver­ständ­nisses im Blick auf seine eigene Lebens­wirk­lichkeit. Die täglichen Nachrichten, aktuell unter anderem die politi­schen Ränke um das Bürgergeld, berichten von einer Realität, die eine ganz andere ist, als die Schönheit der Kunst assoziiert.

So manche Sammler, die sich einige Monate von ihrem  Richter überm Sofa oder dem Esstisch – oder sogar in der Gäste­toi­lette, wie General­di­rektor Felix Krämer anonym kolpor­tiert – trennen, mögen ihn in dieser Zeit sehr vermissen. Gewis­ser­maßen kommt das Gefühl auf, von einem Famili­en­mit­glied getrennt zu leben. Probleme, die exklusiv für sich stehen. Andere haben andere, existen­ti­ellere Probleme.

Viele Sammler, inzwi­schen hochbetagt wie der 92-jährige Richter selbst, sind seit Jahrzehnten Mitge­stalter des Richter-Kosmos. Kurator Markus Heinzelmann unter­streicht diese gestal­tende Werte­ge­mein­schaft. Für Gerhard Richter wird Düsseldorf nicht nur zur künst­le­ri­schen Heimat-Metropole in globaler Perspektive. Sie wächst zu einer von seinem strate­gi­schen Bewusstsein und seiner organi­sierten Arbeits­haltung getragene Grundlage, die ihn frühzeitig mit privaten, neugie­rigen und umtrie­bigen Sammlern, wichtigen Galeristen und Künst­ler­freunden in Kontakt treten lässt. Karl Otto Götz, einer seiner ersten Lehrer an der Kunst­aka­demie Düsseldorf sowie Sigmar Polke und Günther Uecker, auch Reizfi­guren wie Joseph Beuys begleiten den jungen Künstler und bereiten ihm, wie der der Galerist Alfred Schmela, der ihm 1964 seine erste Einzel­aus­stellung ausrichtet, seinen Weg.

Foto © O‑Ton

Einen Höhenweg, der mit Verborgene Schätze facet­ten­reich – inklusive Victoria I und II, die im Empfangs­be­reich der ERGO-Versi­cherung unmit­telbar dem Kunst­palast gegenüber als Teil der Ausstellung zu sehen sind, 1986 von einer Versi­cherung in Auftrag gegeben – eine künst­le­risch einzig­artige Bestands­auf­nahme zu erkunden einlädt.

Auch wenn Richters Werke durchaus wider­ständig und kritisch betrachtet werden können, stehen sie für eine Ästhetik im Formalen wie im Abstrakten. Ein Spiel mit der Wahrnehmung, ein Spiegel großfor­matig assozi­ie­render Farberup­tionen wie ihr reflek­tiertes fotogra­fi­sches Palim­psest. Verborgene Schätzedie einem häufig kontem­plativ entgegentreten.

Dagegen zeigt Too much future program­ma­tisch demons­trativ Werke, die nicht unter dem Aspekt des schönen Scheins gefallen wollen. Die Schau will anregen und aufregen. Die Werke drängen auf Sicht­barkeit hin ins öffent­liche Bewusstsein. Eine konse­quente, wenn man so will, gesell­schaftlich politische Entscheidung des Sammlers und Bürgers Florian Peters-Messer.

So viel Zukunft und gleich­zeitig so wenig scheint viele Menschen umzutreiben. Macht sie unsicher. Die ausge­stellten Werke fokus­sieren die allge­gen­wär­tigen Konflikt­punkte wie Klima­wandel, Flucht und Vertreibung, Krieg, Erstarken des Extre­mismus bis in weite Teile der mittel­stän­di­schen Zivil­ge­sell­schaft, thema­tisch mit Gender‑, Sexua­litäts- und Identi­täts­fragen verbunden.

Der Anspruch, „andere Sicht­weisen auf die Welt zu ermög­lichen und Denkräume zu öffnen“, wie es der Pressetext formu­liert, kann sich allein im Selbst­ver­ständnis der Besucher zeigen. Es bleibt jedoch offen, inwiefern dieser Anspruch, materia­li­siert in mitunter rätselhaft verschlos­senen Instal­la­tionen, Skulp­turen oder Malereien, sich aktivierend im gesell­schaft­lichen Diskurs widerspiegelt.

Die Verbor­genen Schätze lassen sich im unmit­tel­baren Vergleich mit der Fragen um die Zukunft gewid­meten Ausstellung jeden­falls leichter und lustvoller entdecken. Beide fordern den Betrachter auf ihre Weise heraus.

Peter E. Rytz

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