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Foto © Christoph Reichwein

Leidenschaftliches Bekenntnis

Bis zum 24. August lädt das Lehmbruck-Museum in Duisburg zu der Ausstellung Mechanik und Mensch­lichkeit ein, eine umfas­sende Retro­spektive, die die Werke von Jean Tinguely und Eva Aeppli einander gegen­über­stellt. Tinguely ist bekannt für seine kineti­schen Skulp­turen, Aeppli vermag mit ihren handge­nähten Puppen, eine berüh­rende Mensch­lichkeit einzufangen. 

Foto © Peter E. Rytz

Das Jahr 1925 ist ein Jahr, das Biografien von Künstlern wie in einem Brennglas auf die Moderne fokus­siert. Schau­spieler wie Richard Burton, Tony Curtis, Paul Newman, Jack Lemmon, Michel Piccoli oder Boy Gobert, Sänger wie Hildegard Knef, Dietrich Fischer-Dieskau Sammy Davies Jr und Bill Haley, der Maler Robert Rauschenberg, der Musiker Oscar Peterson, die Kompo­nisten Pierre Boulez, Mikis Theod­orakis, der Architekt Frei Otto oder der Filmre­gisseur Robert Altmann – alle sind in diesem Jahr zur Welt gekommen. Dass sie einmal Kunst­ge­schichte im weiteren Sinne schreiben sollten, war da noch nicht abzusehen.

Eva Aeppli und Jean Tinguely reihen sich in die Kunst-Prominenz auf eine besondere Weise ein. Dass die beiden, die sich schon während des Studiums in Basel kennen­lernen, über viele Jahre ein Paar sind, mag für manche überra­schend sein. Niki de St. Phalle und Tinguely gelten vielen bis heute als das Traumpaar der Moderne nach 1945. Aber Aeppli?

Für dieje­nigen, die schon einmal den Skulp­tu­renpark Il Giardino di Daniel Spoerri in der Toskana nahe Seggiano besucht haben, stellt sich die Frage nicht. Im Trium­virat mit Spoerri bieten die Arbeiten von Aeppli und Tinguely zusammen mit weiteren stilprä­genden Künstlern am Ausgang des 20. Jahrhun­derts – Meret Oppenheim, Luigi Mainolfi, Roberto Barni, Arman, Bernhard Luginbühl und andere – ein unver­gess­liches Erlebnis. Eine symbio­tische Gemein­schaft von Natur und Kunst. Mit dem eine Autostunde entfernten Tarot-Garten von Niki de St. Phalle in Capalbio, nahe Grosseto, schließt sich der Kreis um Tinguely mit Eva und Niki.

So weit und doch so nah, nimmt das Lehmbruck-Museum Duisburg Tinguelys und Aepplis 100. Geburtstage zum Anlass, ihr Werk im Dialog zu präsen­tieren: Mechanik und Mensch­lichkeit, fokus­siert auf das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine, das beide spiele­risch und kritisch befragten.

Wie viel Mensch­liches ist in einer Maschine, und wie viel Maschi­nelles ist dem Menschen eigen?“, fragt Museums­di­rek­torin Söke Dinkla im anspruchsvoll gelay­outeten, mit künst­le­risch ambitio­niertem Buchdruck gebun­denen Katalog. Die Faszi­nation der Technik, der Maschine findet schon mit dem 1909 entstan­denen Manifesto del Futurismo von Filippo Tommaso Marinetti früh Eingang in die bildende Kunst. Thesen­artig formu­liert er Szenarien „von nächtlich vibrie­render Glut der Arsenale und Werften … von gigan­ti­schen Brücken, die Flüsse überspannen … von breit­brüs­tigen Lokomo­tiven … Flugzeugen, deren Propeller wie eine Fahne im Winde knattert“.

Angesichts der Vernich­tungs­ma­schi­nerien, die in beiden Weltkriegen Mord und Unglück gebracht haben, lesen sich Marinettis eupho­rische Überspannt­heiten wie ein gefähr­liches horror vacui. Gleichwohl ist danach eine Faszi­nation der Bewegung, der Dynamik in allen Lebens­be­reichen geblieben. Tinguely trans­for­miert sie in seine Maschi­nen­skulp­turen aus gefun­denen Materialien und Schrott. Er definiert damit die Regeln der Kunst neu. Das Monumentale kontras­tiert zusammen mit dem irritie­renden Eindruck eines Perpetuum mobile die Grenzen von Kunst und Alltag. Mit dem Wilhelm-Lehmbruck-Preis 1976 wird seine Kunst nobili­tiert und mit dem Ort Duisburg direkt verbunden. Dass seit 1993 das gemeinsam mit Niki de St. Phalle geschaffene Werk Life Saver im Zentrum Duisburgs steht, beleuchtet seine Präsenz in beson­derer Weise.

Foto © Peter E. Rytz

Gemeinsam mit Eva Aeppli geht er in zwölf gemein­samen Lebens- und Arbeits­jahren einen künst­le­ri­schen, rebel­lisch intonierten Weg von Paris aus in die Welt der Gegen­warts­kunst. Tinguelys ikonische Maschi­nen­skulp­turen versus Aepplis feinge­ar­beitete Stoff­fi­guren, verbunden mit Komik und tiefem Ernst. In ihren stofflich unter­schied­lichen Materialen spiegelt sich die geteilte Überzeugung von der Zerris­senheit des Menschen zur Mitte des 20. Jahrhunderts.

In der Duisburger Ausstellung beein­drucken Aepplis plastische Objekte als Gruppe, die aus Einzel­fi­guren zusam­men­ge­setzt sind. Sitzend auf Stühlen oder im Raum stehend, wie ihre monumen­talste, epochale, ergreifend präsente Instal­lation Groupe de 48. Lebens­große Figuren, in schwarze, samtene Gewänder gehüllt, dominieren kraftvoll einen Platz im Raum.

Obwohl längst geschieden, verbindet die beiden Künstler auch weiterhin eine künst­le­rische Gemein­schaft. Mit Colla­bo­ration stellen sie 1991 in der Baseler Galerie Littmann kurz vor Tinguelys Tod noch einmal ihren künst­le­rische Refle­xi­ons­punkt als Ausdruck ihres unbän­digen Freiheits­willens zur öffent­lichen Dispo­sition. Eine Gratwan­derung, bei der die Grenzen der bürger­lichen Konven­tionen und des so genannten guten Geschmacks schon lange obsolet geworden sind.

Les Amoureux von Aeppli aus dem Jahr 1989 besetzen in der Kunst­ge­schichte einen unver­rück­baren Platz. Beleuchtet mit Grande Lampada von Tinguely vom Il Giardino di Daniel Spoerri bis nach Duisburg, werfen sie mit Samurai an der Öllampe, einem Gemein­schaftswerk, ein unnach­ahm­liches Schat­tenbild ins Museum Lehmbruck.

Am 22. Mai 2025 lädt das Museum Tinguely Basel zu einer Geburts­tags­party des Namens­pa­trons und großen Künstlers ein. Eine Grande Tour von Duisburg nach Seggiano via Basel, die passender nicht sein könnte, 100 Jahre mit Eva Aeppli und Jean Tinguely zu feiern.

Peter E. Rytz

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