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Die 360-Grad-Sicht ist wichtig

Wonach bemisst sich der Erfolg einer Vernissage? An der Anzahl der an diesem Abend verkauften Bilder oder an der Stimmung, die die Besucher wahrge­nommen haben? Ist vermutlich eine Frage der Sicht­weise. Und die Sicht­weise bestimmt die Vernissage im Alten Küsterhaus, aller­dings wohl eher aus künst­le­ri­schem Blick­winkel, wie sich im Laufe des Abends zeigen wird.

Foto © Michael Zerban

Wenn man sie fragt, wo sie geboren ist, antwortet sie: Sibirien. Eine Landschaft, mit der Deutsche vor allem tiefe Tempe­ra­turen im Winter verbinden. Olga Damer ist in einer Klein­stadt nahe Nowosi­birsk, der dritt­größten Stadt Russlands, aufge­wachsen und hat dort herrliche Sommertage in ihrer Kindheit verbracht. Aber die Winter hat sie tatsächlich in allzu frostiger Erinnerung. Kurze Zeit überlegte die Jugend­liche, nach St. Petersburg zu gehen, entschied sich aber dann, in Moskau zu studieren. Nach dem Kunst­studium in Nowosi­birsk folgte das Studium der Archi­tektur, um „etwas Vernünf­tiges“ zu lernen, bis zum Master in Russlands Haupt­stadt. Aber dann war Schluss mit Russland.

Die junge Archi­tektin ging in die Welt hinaus und landete in Krefeld. Von dort aus zog es sie für drei Jahre nach Köln, ehe sie schließlich nach Bonn kam, um in der Nähe ihrer Arbeits­stelle zu leben. Glücklich ist sie in der rheini­schen Provinz, pardon, der Bundes­stadt nicht. Und so wird sie in abseh­barer Zeit nach Düsseldorf ziehen. Einen solchen Lebensweg hat sie sich als Kind sicher nicht träumen lassen. Was sie aber von frühester Jugend an wusste, war, dass sie immer zeichnen würde. So erzählt sie es Isabelle von Rundstedt im Kreis der Gäste, die sich zur Vernissage in Büderich einge­funden haben.

Die studierte Kunst­his­to­ri­kerin von Rundstedt betreibt im Meerbu­scher Stadtteil das Alte Küsterhaus als Galerie, wenn sie es nicht ander­weitig vergibt, um beispiels­weise Konzerte zu veran­stalten, oder andere Programme ausruft, um sich den Luxus der Galerie leisten zu können. In Heimat­ver­bun­denheit stellen hier beispiels­weise Künstler aus der Gegend aus. Ihr Faible gilt aller­dings den Nachwuchs­künstlern. Das fängt schon bei den Schülern des nahege­le­genen Mataré-Gymna­siums an, die hier einmal im Jahr ausstellen dürfen, geht weiter zu Absol­venten der Düssel­dorfer Kunst­aka­demie, die in Büderich häufig ein erstes Sprung­brett finden, und wenn von Rundstedt talen­tierten Nachwuchs in der Bundes­re­publik entdeckt, gibt es auch dort schon mal Einla­dungen. So wie bei Olga Damer. Zwischen den beiden hat die Chemie vom ersten Gespräch an gestimmt, erinnert sich die Galeristin. Und so war schnell klar, dass Damer in Büderich ihre erste Einzel­aus­stellung veran­stalten würde.

Foto © Michael Zerban

25 Werke der Künst­lerin hat von Rundstedt auf den beiden Etagen des Küster­hauses gehängt. Ein ganz beson­deres Vergnügen sei ihr das gewesen, so auf Socken bei lauter Musik im Haus herum­zu­laufen und die Bilder so lange hin und her zu schieben, bis ein stimmiges Ensemble entstanden sei, weiß von Rundstedt den Besuchern zu berichten, die recht zahlreich erschienen sind. Darunter sind auch Zeich­nungen, filigran und feinzi­se­liert, aber im Vorder­grund stehen doch die Werke, die Damer seit ihrem Kunst­studium in, man möchte fast sagen, überbor­dender Fantasie verwirk­licht hat. Am liebsten male sie immer noch auf dem Boden, weil sie sich dann um das Bild herum bewegen könne und so eine 360-Grad-Sicht auf die abstrakten Gemälde gewinne, verrät die Künst­lerin. Dass sie dabei auch schon mal das Träger­ma­terial bewegt, um es mit Farbver­läufen zu berei­chern, kann man schon als typisch bezeichnen.

Beim Rundgang zeigt sich ihre Vielfalt in Material und Einfalls­reichtum. Natürlich dürfen die Zeich­nungen nicht fehlen, die als quadra­tische Blätter in Rahmen fast schon der Zeit der Romantik entlehnt wirken. Schließlich ist das der rote Faden durch ihr Leben. Eindrucks­voller sind aber schon die meist großfor­ma­ti­geren Werke, die der Ausstellung den Titel Abstraktion verliehen haben. Vieles davon ist auf Pappe statt auf Leinwand festge­halten, was dem Kunstwerk noch einmal eine besondere Haptik verleihen kann. Aber nicht nur durch den ungewöhn­lichen Unter­grund hebt sich Damer vom Gleich­strom, um nicht zu sagen, der Lange­weile zeitge­nös­si­scher, abstrakter Malerei ab, die so oft zu sehen ist. Vor allem, wenn sie zur Verdichtung leuch­tender Farben greift wie etwa bei Diptychos oder Symbiose, üben die Bilder einen Sog aus, dem man sich nicht sofort entziehen möchte. Und wenn ihr die Farben schier zu explo­dieren scheinen wie etwa bei Abstraction 3 oder 5, zeigt sie, dass sie sich deutlich vom Durch­schnitt der Kollegen entfernt. Wenn sie denn doch einmal zur Leinwand greift und Acryl­farben aufträgt – so bei Flower Meadow in freund­lichem Geld und Weiß – fragt auch der Laie nicht mehr nach der Bedeutung, sondern lässt das Bild einfach auf sich wirken. Bei aller Unter­schied­lichkeit der Werke, wenn sie zum Beispiel bei Smile einen Mix aus Gegen­ständ­lichkeit und Schrift wählt, ist den Bildern doch eine gemeinsame Handschrift anzumerken, ohne schablo­nenhaft zu wirken. Was ja gemeinhin für den gefes­tigten Künstler spricht, dessen Werke nicht mehr zufällig entstehen, sondern einer reichen Gedan­kenwelt entspringen, von der man auch in Zukunft noch einiges erwarten darf.

Zu gratu­lieren ist sowohl der Galeristin als auch der Künst­lerin. Eine wunderbare Ausstellung, die einen schönen Querschnitt in anspre­chender Hängung zeigt. Da lohnt es sich, an einem Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bis zum 7. Juli mal in Büderich im Alten Küsterhaus vorbeizuschauen.

Michael S. Zerban

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