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Ein Düsseldorfer Fotohändler scheut weder Kosten noch Mühen, um ein „Networking-Event“ zu veranstalten und lädt interessierte Fotografen in eine Brauerei ein, um ihnen Gelegenheit zu geben, sich kennenzulernen und gleichzeitig auch noch in Kurzvorträgen etwas über die Zukunft der Fotografie und den richtigen Umgang mit den so genannten sozialen Medien zu erfahren. Dabei geht es um mehr als Kundenbindung.

Wer in den vergangenen Jahren Kameras und Zubehör verkaufen wollte, fand im Internet einen starken Helfer. Ein regelrechter Boom an Videos bot alles, was das Herz des Foto-Enthusiasten begehrt. Lehrvideos, Produktvorstellungen und ‑tests, Fotobesprechungen – es gab nichts, was der angehende, der Hobby- oder auch der professionelle Fotograf nicht auf einer Videoplattform fand. Da war die Versuchung groß, sich endlich mal wieder eine Kamera anzuschaffen, um auf Instagram mit der Konkurrenz mitzuhalten. Das Schöne für die Kamerahersteller: Sie brauchten nicht einmal teure Werbefilme bereit zu stellen. Ganze Scharen von Videografen sorgten dafür, dass die neue, noch bessere, noch schönere Kamera in den Zielgruppen vorgestellt wurde. Allerdings war der Aufwand für die Produktion solcher Videos wohl größer als der erhoffte Nutzen. Und so haben sich in der jüngsten Vergangenheit zahlreiche „große Namen“ aus der Szene verabschiedet. Der Überdruss an technischen Superlativen nimmt zu, zumal die technischen Ausstattungen der Kameras immer ähnlicher werden. Mit der Aufzählung von „specs“, also technischen Merkmalen, kann man schon lange keine Reichweiten mehr erzielen. Angesichts steigender Preise nimmt der Unmut weiter zu. Bei der Vorstellung eines neuen Produkts zu deutlich überteuertem Preis in den vergangenen Wochen kam es gar zu so etwas wie einer „Revolution“. Kaum ein Rezensent, der diesen Preis noch rechtfertigen mochte. Gelang es vor einigen Monaten einem anderen Hersteller, mit der Vorstellung einer neuen Kamera einen Hype auszulösen, erfahren die Käufer nun, dass das neueste Modell die Super-Kamera in den Schatten stellt. So verlieren nicht nur die Hersteller, sondern auch die Rezensenten an Glaubwürdigkeit. Kurzum: Es ziehen Wolken am Horizont auf.
Fotografen, insbesondere im Hobby-Bereich, sind Einzelkämpfer. Und Einzelkämpfer sind als Zielgruppe sehr schwer zu erreichen. Einzelkämpfer verlieren auch eher die Lust an ihrem Hobby. Und wenn die Kamera erst mal im Schrank verschwunden ist, holt sie so schnell niemand mehr hervor, eher investiert man in ein neues Mobilfunkgerät, dessen Kamera inzwischen immer besser wird. Dem wirken die Kamera-Verkäufer entgegen, indem sie zu Veranstaltungen einladen, ihren Zielgruppen eine Plattform zur Vernetzung anzubieten. Und tatsächlich scheinen sie damit einen Nerv zu treffen. Wenn etwa Foto Koch an einem Dienstagabend in eine Düsseldorfer Brauerei für satte fünf Stunden zum „Networking-Event“ bittet, sind alle Plätze ausgebucht. Der Händler lässt sich den Spaß etwas kosten, wird dabei von einem bekannten asiatischen Kamera-Hersteller unterstützt. Kostenfreie Getränke und Speisen locken zusätzlich zum freien Eintritt. Da fragt man sich allerdings, warum es dann nicht für Namensschilder reicht, die dem Netzwerk-Gedanken durchaus förderlich sind.
Gereicht hat das Budget allerdings für zwei Kurzvorträge, die möglicherweise für Gesprächsstoff sorgen können, zumal als Vortragende zwei Personen gewonnen werden konnten, die man getrost als Publikumsmagneten bezeichnen darf. Die 27-jährige Hanna Ki kommt aus Hamburg und positioniert sich selbst als „Fotografin für visuelles Storytelling“. Nach eigener Aussage fotografiert sie „kreative und authentische Kampagnen für Hideaways, Outdoor und Lifestylemarken“. In nicht ganz 15 Minuten referiert sie zum Thema Fotografie im Wandel – Storytelling statt Algorithmus. Die Herausforderungen liegen auf dem Tisch. Die Technik ist inzwischen so weiterentwickelt, dass nahezu jeder fotografieren kann. Ob Fotografie in Zukunft überhaupt noch notwendig ist, wird mit der so genannten Künstlichen Intelligenz in Frage gestellt. Und die so genannten Sozialen Medien sorgen mit ihren Vorgaben für eine Gleichförmigkeit, die individuelle Ideen oder Weiterentwicklungen unterdrückt. Ist die Fotografie also im Wandel, womöglich gar vor dem Aus? Ki blickt eher optimistisch in die Zukunft. „Ich möchte mich selber und jeden anderen Fotografen ermutigen, einfach den eigenen Stil wirklich ernst zu nehmen, eine eigene Sprache weiterzuentwickeln, sich dafür auch wirklich Zeit zu lassen und sich nicht stressen zu lassen von den ganzen Trends, die uns irgendwie umgeben“, sagt sie. Nach ihrer Auffassung bietet eine neue Wirklichkeit auch neue Chancen. „Ich glaube ganz fest daran, dass jeder von uns seine ganz eigene visuelle Sprache hat und das eine Linie ist, die sich durch unsere Arbeit zieht, auch wenn sie sich mit jedem einzelnen Projekt, das wir haben, weiterentwickelt. Also von dem, mit dem wir heute zu tun haben, sollten wir uns nicht unterkriegen lassen, sondern ganz im Gegenteil sollten wir uns inspirieren lassen“, ist die Fotografin überzeugt. Abschließend zitiert sie, was sie tief beeindruckt hat. „Wir sind überhaupt nicht hier, um Erwartungen zu erfüllen, wir sind hier, um Deutung zu schaffen.“
Call to Action

Während immer häufiger zu hören ist, dass sich Fotografen aus Instagram zurückziehen und zu alten Foto-Communities zurückkehren, entpuppt sich Werbefotografin Eleni Bogatini als glühende Verfechterin der Plattform. Schließlich, so erzählt sie in ihrem Vortrag Social Media für Fotografen – mehr als nur schöne Bilder posten, beziehe sie so gut wie alle Aufträge über den Kanal. Studiert hat sie auf Lehramt, ein Marketing-Studium angeschlossen, heute gibt sie Workshops, übernimmt Aufträge von Model-Agenturen und Influencern. „Es ist super spannend, die Social-Media-Bubble als positives Instrument zu betrachten und eben nicht als etwas Negatives. Denn es geht nun mal darum, dass wir Fotografen auch gesehen werden wollen für das, was wir kreieren und was wir schaffen“, eröffnet sie, um anschließend ihre Arbeitsweise in den Sozialen Medien zu erläutern. „Ich zeige immer wieder Behind the Scenes anhand von Reels, ich zeige Vlogs ebenfalls anhand von Reels und ich zeige meine Fotoergebnisse natürlich mit Postings und Texten. Und im Alltag, das ist das, was ich mache, ich zeige im Alltag Privates, zum Beispiel, wie ich mich heute fertig gemacht habe. Ich wurde geschminkt, ich hatte heute Morgen noch ein Fotoshooting“. Unter dem Motto Authentizität schlägt Ästhetik erzählt Bogatini alles das, was auch Influencer kennen. Ergänzt es um den Hinweis, den Call to Action nicht zu vergessen, also unter einem Post auch dazu aufzufordern, den Workshop jetzt zu buchen, selbst ein Fotoshooting in Auftrag zu geben und so weiter. „Eure Stories zeigen, wer ihr seid, und euer Erfolg zeigt sich, wenn ihr euch traut, sichtbar zu sein“, schließt Bogatini enthusiastisch.
Es ist erfreulich, wenn die junge, attraktive Frau mit ihrem Geschäftsmodell Erfolg hat. Aber es erinnert eben doch sehr an die Arbeitsweisen von Influencern. Und bekanntlich gibt es auch da sehr wenige, die wirklich erfolgreich sind, auch wenn die Finanzbehörden in diesen Tagen gerade einen anderen Eindruck erwecken, indem sie Jagd auf Influencer als Steuersünder machen. Trotz des freundlichen Applauses der überwiegend älteren Herren stößt das Thema nur auf begrenztes Interesse. Vielleicht auch deshalb, weil sich an diesem Abend doch überwiegend Gäste aus dem Hobby-Bereich eingefunden haben. Was ja durchaus im Interesse des Gastgebers liegt, sind das doch die eigentlichen Umsatzbringer. Und von denen denkt auch keiner daran, nach den Vorträgen nach Hause zu gehen.
Bleibt am Ende des Tages die Frage, ob sich der Besuch auch für den Fotografen mit künstlerischen Ambitionen gelohnt hat. Ja, weil man sich unter Gleichgesinnten immer ein kleines bisschen zuhause fühlt. Eher nicht, wenn man tatsächlich als Einzelkämpfer erschienen ist, weil man das dann auch bleibt. Und damit offenbart sich auch die Kritik an einem noch so opulent ausgestatteten Treffen. Wenn das Team des Gastgebers und seine Freunde unter sich bleiben, anstatt sich um die Gäste zu kümmern, möglicherweise neue Kontakte herzustellen oder sonstige Methoden zu nutzen, um die Besucher miteinander zu vernetzen, hat der Veranstalter eine Menge Geld verbrannt.
Michael S. Zerban